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Schleswig-Holstein   Föhr   

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Föhr

Föhr (friesisch für Feerlunn = unfruchtbares, trockenes Land) liegt im nordfriesischen Wattenmeer zwischen der Insel Amrum und dem Festland. Die 82 qkm große Insel erstreckt sich in Norden-Süd-Richtung auf circa 7 km und in der Ost-West-Ausdehnung auf 12 km. Auf Föhr wohnen etwa 9000 Menschen.

  • Entstehung

    Unter den Nordfriesischen Inseln nehmen Föhr, Amrum und Sylt eine Sonderstellung ein. Sie bestehen aus den Resten einer alten Landoberfläche aus der Saale-Eiszeit.
    Das Schmelzwasser der späteren Weichsel-Eiszeit durchschnitt die Geestkerne von Föhr und Amrum. Der nachfolgende Meeresspiegelanstieg führte zur Zerstörung der Marschen und Hochmoore, die zwischen den heutigen Inseln und Halligen lagen. Marine Sedimente lagerten sich bis zu 2 m über die vermoorten Gebiete ab. Sie sind noch heute u.a. unter der Föhrer Marsch zu entdecken.
    Das heutige Landschaftsbild und die Inselform wurde ab dem 14. Jahrhundert durch Landverluste nach Sturmfluten und ständig wandernde Wattströme geformt.

  • Verkehr

    Die Insel kann von Dagebüll aus mit dem Schiff erreicht werden, eine Überfahrt dauert etwa 45 Minuten. Bei Niedrigwasser ist es möglich von Großdunsum eine geführte Wattwanderung etwa 6 km über festen Sandboden nach Amrum zu machen. Auf Föhr gibt es ebenfalls einen Flugplatz.

  • Vogelkojen

    1730 errichteten Föhrer in der Gemeinde Oevenum unmittelbar hinter dem Deich die erste Vogelkoje. In regelmäßigen Abständen wurden bis 1887 mit dem Bau der Boldixumer Vogelkoje die noch heute existierenden sechs Vogelkojen angelegt.
    Auf dem Süßwasserteich in der Mitte der Koje wurden flügelgestutzte Lockenten ausgesetzt, mit deren Hilfe die eingefallenen Wildenten in schmale, bogenförmige Gräben, den Fangpfeifen, gelockt wurden. Diese Fangpfeifen sind mit Sichtblenden aus Stroh an jeder Seite abgedeckt und mit Netzen überspannt. Sie enden in einer Reuse, dem Fangsack. Von dem zwischen den schräge verstellten Schilfwänden hervortretenden Kojenmann wurden die Tiere in die äußerste Spitze der Pfeife getrieben, dort gefangen und durch Halsumdrehen getötet.
    Ursprünglich soll die Fangmethode aus Japan stammen. Sie wurde im 16. Jahrhundert in Europa eingeführt. In den den Niederlanden wurde diese Fangmethode weiter entwickelt. Sie breitete sich im 18. Jahrhundert im nordfriesischen und dänischen Wattenmeer aus.
    In den 1970er Jahren wurde der biologische Wert der Kojen erkannt, da sie außerhalb der Fangzeit Ruhezonen und Naturoasen in einer sonst intensiv genutzten Landschaft sind. Die Föhrer Kojen wurden deshalb unter Schutz gestellt. Außerhalb der Fangzeit ist mit der Jägerschaft vereinbart worden in einer 300 m Zone um die Kojen nicht zu jagen.

  • Kulturstätten

    Föhr ist reich an Zeugnissen der Vergangenheit. Es gab ehemals an die 500 Grabhügel auf der Geest, die vorwiegend aus der Bronzezeit und der Wikingerzeit stammen. Hügelgräber finden sich heute noch verteilt im gesamten Süden der Insel. In der Eisenzeit wurde mit der Totenbestattung in Urnen begonnen. Diese wurden teilweise in großen Feldern, wie in Monklenburgen bei Süderende, und an der Föhrer Südküste bei Goting gefunden.

  • Ortschaften

    Auf Föhr gibt es 11 Gemeinden und 17 Ortschaften, die z.T. noch ihren typisch friesischen Charakter erhalten haben. Die Friesenhäuser sind aus roten Ziegelsteinen errichtet, reetgedeckt und über der Haustür haben sie meist einen Backengiebel. Ursprünglich waren es Ständerbauten. Die Dörfer liegen alle am Rand des hochgelagerten Geestkernes, so dass bei Hochwasser das Hab und Gut geschützt war, die fruchtbare Marsch aber bearbeitet werden konnte. Die Kirchen befinden sich nicht in der Mitte der Dörfer, sondern am Rande oder ein Stück entfernt von den Siedlungen. In der Marsch gibt es nur die vereinzelt stehenden Aussiedlerhöfe. Diese wurden im Rahmen einer Flurbereinigung (Programm Nord) zusammen mit einer Deicherhöhung in den 1960er Jahren errichtet.
    Einige Orte werden hier kurz vorgestellt:
    Oevenum ist eines der größeren Inseldörfer. Hier gibt es die Inselmolkerei, deren Vorprodukte auf dem Festland weiterverarbeitet werden. Der traditionelle Bauernmarkt findet einmal die Woche statt und hier befindet sich auch das Landwirtschaftliche Museum.
    Alkersum ist eines der ältesten Dörfer Föhrs.
    Am Rande der Marschen liegt der ruhige Ort Oldsum.
    Von Dunsum am westlichen Rand der Insel aus werden die 6 km langen Wattwanderungen nach Amrum unternommen.
    Süderende ist ein fast rein erhaltenes Friesendorf. Die St. Laurentius-Kirche wurde im 13. Jahrhundert als einschiffiger Bau mit spätgotischem Westturm gebaut und zeigt im Kirchhof verschiedene Seefahrergrabstellen. Sieben Hügelgräber sind hier durch einen viereckigen Erdwall umschlossen und weisen auf die Wikingerzeit hin.
    In der Nähe des heutigen Nordseebades Utersum befinden sich die meisten Hügelgräber Föhrs. Es handelt sich beispielsweise um das bronzezeitliche Gräberfeld Tribergen und das steinzeitliche Megalithgrab Sunbereg, das aus einer 2 m langen Steinkammer besteht.
    Nördlich von Borgsum liegt die frühgeschichtliche Lembecksburg, die aus einem 10 m hohen und im Durchmesser 95 m breiten Ringwall besteht. Die Wikinger benutzten diese Befestigung als Militärlager. Und auch der wilde Claas Lembecke fand hier im 14. Jahrhundert Schutz vor den Dänen. In der Nähe von Borgsum befinden sich die Vogelkojen. Im Ort selber stehen viele reetgedeckte Häuser.
    Die Kapitänshäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die reetgedeckten Häuser und die schattigen Ulmealleen geben dem Kurort Nieblum einen unverwechselbaren Flair. Nach den schweren Sturmfluten von 1625, 1634 und 1717 suchten die wohlhabenderen Halligbewohner hier Zuflucht. Die aus dem 13. Jahrhundert stammende St. Johannis-Kirche ist ein kreuzförmiger Backsteinbau mit frühgotischen Turm und Friedhof mit über 150 Walfänger-Grabstellen.
    Wrixum ist ein typisches Straßendorf. Hier steht auch eine 1851 errichtete achtkantige Erdholländer Windmühle, die noch bis 1960 in Betrieb war. Sie wurde restauriert und ist seit 1971 wieder funktionsfähig. Heute beherbergt die Mühle zusätzlich ein Museum.
    Wyk ist das Zentrum von Föhr, hier wohnt etwa die Hälfte der Bevölkerung Föhrs. Die kleine Stadt gehört, neben Nieblum, zu den jüngsten Siedlungen der Insel. Noch um 1600 standen nur wenige Häuser an der Wyk, einer Meeresbucht (daher der Name). In dieser Bucht entwässerte ein Siel in die hier dicht an die Insel tretende Norderaue. Durch die Verschlickung der Zufahrt nach Midlum entwicklte sich hier der Hafen, wodurch sich auch Handel und Handwerk ausbreiteten. Nach den schweren Sturmfluten von 1634 und 1825 suchten viele Halligbewohner in Wyk eine Zuflucht. 1704 bekam Wyk die Hafengerechtsamkeit. Bereits 1819 wurde Wyk zum Seebad erklärt, damit ist es das älteste Seebad in Schleswig-Holstein. 1857 zerstörte ein Brand den Ort fast vollständig und Wyk verlor sein bis dahin prägendes Bild als Reetdachort. Zum Ende des 19. Jahrhunderts dehnte sich Wyk immer mehr Richtung Südstrand aus und ist heute durch die vielseitigen Kur- und Freizeiteinrichtungen ein viel besuchtes Nordseebad.
    Seit 1924 ist Boldixum ein Stadteil von Wyk. Die im 13. Jahrhundert aus Ziegelsteinen errichtete St. Nicolai-Kirche zeigt auf ihrem Friedhof über 30 Grabstellen aus dem 17 - 19. Jahrhundert.

  • Landschaften und Naturgebiete auf Föhr

    Die grüne Insel Föhr besteht zu 40 % aus flachgewellten Geestland im Südteil. Die höchste Erhebung liegt mit 13 m in der Feldmark in der Gemeinde Oevenum. Hier liegt die Godelniederung mit ihrem einzigartigen Lagunencharakter und das Goting Kliff, das einen Schnitt durch den pleistozänen Untergrund Föhrs zeigt. Diese Steilküste wurde aus Schutzgründen durch Sandaufspülungen abgeschrägt.
    60 % der Insel besteht aus Marschland, das den Nordteil der Insel bildet. Dieses Gebiet muss durch einen Seedeich zwischen Wyk und Utersum geschützt werden. Die ersten Deiche wurden um 1500 gebaut, der letzte große Deichdurchbruch fand 1850 statt. Im Bereich der Marsch gibt es einige künstliche Aufschüttungen, die auf eine Besiedlung in früherer Zeit hinweisen. Entlang der gesamten Nordküste erstreckten sich die Salzwiesen. Auf Föhr gibt es keine Dünen.
    Strände kommen auf Föhr an der Südküste bei Südstrand, Nieblum, Witsum und Utersum vor und in kleinen Bereichen am Vorland im Norden Föhr's. Ihre Ausdehnung ist nicht mit den Stränden von Sylt und Amrum zu vergleichen.
    Die Föhrer Geest war früher bedeutend größer. Findlinge im Watt vor der Südküste und vor Utersum und Dunsum verraten, dass hier der Geestkern durch das ansteigende Meer abgebaut wurde. Die Geest, die in ihrem Durchschnitt zwischen 2,5 und 9 m über dem Meeresspiegel liegt, hat ihren höchsten Punkt mit 13,2 m bei Oevenum.
    Die mehr oder weniger hügelig gewellte Geest ist durch die Arbeit der Landwirte und durch Düngung allmählich fruchtbar gemacht worden und wird heute intensiv als Ackerland genutzt.
    In der Nähe von Süderende und Witsum wachsen Heidekraut und Ginster auf Heidegebieten. Auf feuchtem Untergrund können Glockenheide, Lungenenzian und auch Sonnentau entdeckt werden.
    Im 20. Jahrhundert wurden vermehrt kleine Wälder, vorzugsweise mit Fichte und Kiefer, angepflanzt. Die mittlerweile 100 ha Wald befinden hauptsächlich im Südosten der Insel, in der unmittelbaren Umgebung der Stadt Wyk. Weitere versprengte Wäldchen finden sich südlich von Niblum, bei Witsum, in der Toftumer Heide bei Süderende, im südwestlichen Bereich von Utersum und westlich von Dunsum.
    Das Watt um die Insel Föhr fällt fast überall während der Niedrigwasserzeit bis zu mehreren Kilometern vor dem Inselufer trocken. Eine Ausnahme bildet der Wattenstrom Norderaue, der bei Wyk bis an die Inselkante reicht.
    Die mit Prielen durchzogenen Salzwiesen sind über 100 ha groß. Sie liegen vor dem Deichabschnitt Oldsum-Oevenum. Durch die Beruhigung im Wind- und Wellenlee des Föhrer Deiches kam es hier zur Sedimentation von Sand und Schlick. Dieser Prozess wurde seit 1927 durch den Bau des Hindenburgdammes vom Festland nach Sylt und den dadurch bedingten Strömungsrückstau noch begünstigt. Das westliche Gebiet des Vorlandes wird als Sörenswai, das Gebiet nördlich des Schöpfwerkes Föhr-Mitte als Oldsumer Vorland und die Gebiete östlich davon als Toftumer und Midlumer Vorland bezeichnet.
    Am natürlich aufgespülten Sandwall des Oldsumer Vorlandes befindet sich eine Badestelle. Seit 1985 liegt das Vorland im Bereich des Nationalparkes Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und darf in der sommerlichen Brutzeit nicht betreten werden.
    Die grüne Ebene der Föhrer Marsch liegt zwischen den Dörfern am Geestrand und dem Bogen des Deiches, der von Wyk im Osten bis nach Utersum im Westen die Marsch sturmflutsicher umspannt. Vor der Eindeichung dieser Region Ende des 15. Jahrhundert hatte die Marsch aufgrund der regelmäßigen Überflutungen den Charakter eines Halliglandes und war mit Salzwiesenpflanzen bestanden. Die gezeitengeprägten und zum Teil schiffbaren Wasserläufe durchzogen die Marsch bis an den Geestrand. Einzelne Warften deuten auf die frühere Besiedlung der Marsch hin. Heute liegen circa 20 Aussiedlerhöfe einzeln oder in Gruppen verstreut in der Föhrer Marsch.
    Das Goting Kliff südlich des Ortes Goting liegt am Übergang vom Land zum Wasser und erstreckt sich auf einer Länge von 1,7 km. Die 9 m hohe Steilküste wurde von Wind und Wetter gestaltet und verändert sich noch heute durch die ständigen Einwirkungen der Naturkräfte. Am Fuße des Kliffes liegen dunkle Geschiebemergel, darüber die gelblichen und hellen Schichten aus Lehm und Kies, in denen Mergeladern und Steine aller Größen zu erkennen sind. Die obere Schicht wird von schwarzbraunen Sand gebildet. Das Kliff zeigt somit einen guten Querschnitt durch die Föhrer Geest.
    Der dem Kliff vorgelagerte Strand ist von Geröll, Steinen und Findlingen übersät. Sie sind alle durch Gletscher der Eiszeit aus der skandinavischen Region in unseren Raum transportiert worden.
    Der einzige 'Fluss' auf Föhr ist die Godel. Er fließt durch die ca. 158 ha große Godelniederung, an der Südküste zwischen Witsum und Hedehusum. Das enge Zusammenspiel der Gezeiten und der Fließgewässer Godel, Wiek und Luer bedingt eine Zonierung in unterschiedlich salzbeeinflusste Bereiche. Es sind Salzwiesenlandschaften zu finden, die durch vorgelagerte Strandwälle Lagunencharakter besitzen.
    Die Godelniederung bildet für Gänse und Watvögel, besonders den Knutts und Pfuhlschnepfen, ein wichtiges Rast- und Überwinterungsgebiet. Für Zwergseeschwalben ist dieser Bereich eines der wenigen Brutgebiete der schleswig-holsteinischen Westküste. In den süßwassergeprägten Gräben der oberen Godel befinden sich Laichbiotope der Kreuzkröte und des Moorfrosches.
    Die Toftumer Heide ist die kleine Restfläche eines ehemals großen Feuchtgebietes auf Föhr und liegt südöstlich des Ortes Süderende. Die Feuchtheide wurde früher durch Abtragen der oberen nährstoffreicheren Bodenschicht ("Plaggen") genutzt. Die entnommene Bodenschicht diente als Einstreu in Ställen oder mit Viehdung vermischt als Dünger. Des weiteren wurden die Plaggen auf brachliegendes Land gebracht und angezündet, um mit den halbverbrandten Rückständen und der Asche den Boden zu düngen. Seit 1991 wird dieses Gebiet vom BUND betreut.

  • Geschichte von Föhr

    Der Geestkern Föhrs war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Darauf weisen die vielen Grabhügel auf der Geest hin, viele dieser Grabhügel stammen aus der Bronzezeit (1700-500 v. Chr.)
    Die erste neuzeitliche Besiedlung der Nordfriesischen Inseln fand wahrscheinlich im 7./8. Jahrhundert auf dem Seewege statt. Die Friesen stammten aus dem Gebiet der Weser-/Rheinmündung und siedelten im gesamten nordfriesischen Küstengebiet. Die Lembecksburg bei Borgsum mit ihrem großen Ringwall von über 100 m Durchmesser ist erheblich älter als die Friesenzeit, ursprünglich diente sie vermutlich als Kultstätte, während der Friesenzeit diente sie als Schutz vor den Wikingern.
    Föhr scheint im 8. Jahrhundert Stützpunkt norwegischer Wikinger gewesen zu sein. Von der Godelniederung, die ortsüblich "Wikingerhafen" genannt wird, gingen viele Kriegszüge zur Rheinmündung und nach England aus.
    Seit 1368 war Föhr geteilt: der Westteil war eine Enklave des dänischen Königreiches, der Ostteil gehörte zum Herzogtum Schleswig. Nach 1864 fielen die Herzogtümer Schleswig und Holstein mitsamt Föhr an die preußisch-österreichische Gemeinherrschaft.
    Alleine von der Insel konnten die Bewohner nie leben, nur für eine kurze Zeit spielte die Landwirtschaft eine wichtig Rolle. In frühester Zeit soll Bernstein ein wichtiges Handelsgut gewesen sein, es gelangte von Föhr bis in das Römische Reich. Im Mittelalter war die Salzsiederei aus dem Torf des Wattenmeeres und die Fischerei von größerer wirtschaftlicher Bedeutung. Zu der Zeit war Salz als einziges Konservierungsmittel ein begehrtes Handelsgut.
    Die Seefahrt spielte in der Neuzeit eine wichtige Rolle. Im 16. Jahrhundert verdienten viele Föhringer ihr Geld im Heringsfang vor Helgoland.
    Nach 1640 zogen nordfriesischen Mannschaften in die Gewässer zwischen Grönland und Spitzbergen zum Robben- und Walfang aus. Das darauffolgende 18. Jahrhundert wurde auch auf Föhr zum "Goldenen Zeitalter", die Insel erlangte in dieser Zeit Wohlstand. Nach der Walfangzeit spielte im 19. Jahrhundert die weltweite Handelsschifffahrt noch einige Zeit lang eine wichtige Rolle. Aus jener Zeit stammen zahlreiche noch heute in den Dörfern erhaltene Friesenhäuser, deren Urform 1619 entstand. Aus der Insel der Seefahrer wurde langsam eine Insel der Bauern. Auf der Marsch wurde Milch- und Mastvieh gehalten und auf der Geest wurde Getreide angebaut.
    Da die wirtschaftlichen Möglichkeiten auf Föhr begrenzt waren, wanderten nach 1860 und den beiden Weltkriegen im 20. Jahrhundert viele Insulaner nach Amerika aus.
    Bereits 1819 wurde in Wyk das erste Seebad auf Föhr gegründet. Hiermit begann die Entwicklung des Fremdenverkehrs, der im 20. Jahrhundert die Wirtschaftsstruktur der Insel bestimmt. Zwischen 1842 und '47 richtete der dänische König Christian VIII in Wyk eine Sommerresidenz ein, in der ihn auch der Schriftsteller Hans Christian Andersen besuchte. 1885 wurde die "Wyker Dampfschiffreederei Föhr-Amrum" (WDR) gegründet. Nach dem 2. Weltkrieg entwickelten sich neben Wyk auch Nieblum und Utersum zu tourstischen Zentren.

  • Sehenswürdigkeiten

    Im Carl-Häberlin-Friesenmuseum in Wyk sind Funde aus der jüngeren Steinzeit zu sehen, zudem gibt es hier bedeutende Schätze der Volkskunst zu bewundern. Das dem Museum angelagerte Altföhringer Friesenhaus ("Haus Olesen") wurde 1617 in Alkersum erbaut und 1927 in das Friesenmuseum gebracht.
    In Oevenum gibt es ein Dorfmuseum und in Alkersum befindet sich die Ferring-Stiftung mit einer Fachbibliothek zu friesischen Themen und einem Archiv zur Geschichte Föhrs.
    Die drei im ähnlichen Stil erbauten Inselkirchen St. Johannis bei Nieblum (eine der größten Dorfkirchen Schleswig-Holsteins), St. Laurentius bei Süderende und St. Nicolai bei Wyk/Boldixum wurden erstmalig 1240 urkundlich erwähnt. Es sind die dominierenden Bauwerke auf Föhr. Erste einfachere Kirchen aus Holz, Naturstein und rheinischem Tuffstein gab es aber schon vor dieser Zeit auf Föhr. Auf den Friedhöfen berichten kunstvolle Grabsteine aus dem Leben der Föhringer Seefahrer.

  • Traditionen

    Fering, die Föhrer Frauentracht, ist in ihrer heutigen Form vor etwa 150 Jahren entstanden.
    Die Wohnkultur der Friesenhäuser wurde im 18. Jahrhundert durch niederländische Einflüsse geprägt, nicht zuletzt die gekachelten Wände zeugen davon. Die Kapitäns- und Kommandeurshäuser waren besonders kostbar ausgestattet.
    Im Westteil der Insel befindet sich die Hochburg der friesischen Sprache ("Fering"). Etwa 200 Menschen sprechen auf Föhr diese Sprache, die Tendenz der friesisch Sprechenden ist zunehmend. Im Ostteil der Insel dominiert das Niederdeutsche. Ein eigener friesischer Dialekt der ehemaligen Halligbewohner ist hier um 1900 ausgestorben und auch das Dänische ist im Rückzug. Seit dem 17. Jahrhundert ist die Kirchen- und Schulsprache auf Föhr durchgängig Hochdeutsch.