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Hallig Hooge, Foto Fitis, www.fotofitis.nl

Halligen

Halligen gibt es nur im Nordfriesischen Teil des Wattenmeeres. In früheren Zeiten gab es an die 100 Halligen, heute sind nur noch 10 übriggeblieben und nur einige von ihnen sind ganzjährig bewohnt. Hallig Habel, Hamburger Hallig, Norderoog, Nordstrandischmoor und Südfall sind nur während des Sommers bewohnt. Die Halligen haben eine besondere Kulturgeschichte, die bis heute das Leben auf diesen abgeschiedenen Inseln in vieler Hinsicht mitbestimmt.

  • Entstehung der Halligen

    Während der letzten Jahrhunderte hat der nordfriesische Küstenraum mit seinen Inseln und Halligen großflächige Veränderungen erlebt. Hinter den Geesthöhen aus Altmoränen der Saale-Eiszeit, die noch heute auf den Inseln Sylt, Amrum und Föhr zu finden sind, sind von den ehemaligen großen Marschländern die Inseln Pellworm, Nordstrand, die Hallig Nordstrandischmoor und die Hamburger Hallig übrig geblieben. Bei den anderen Halligen hingegen handelt es sich um Neuauflandungen der von der Flut herangetragenen Schlickschichten.

  • Warften - Wohnen auf den Halligen
    Ipkenswarft Hallig Hooge, foto fitis, sytske dijksen

    Um Leib und Leben und Haus und Hof vor den Sturmfluten zu schützen, warfen die Bewohner der Wattenmeerküste schon seit alters her Erdhügel künstlich auf. Auch heute noch leben die Bewohner der Halligen auf Warften, die bei Sturmfluten ihr einziges Rückzugsgebiet darstellen. Die Häuser der Halligen müssen seit 1961 einen Schutzraum aufweisen, der sich im ersten Stock befindet und der auch dann noch sicher ist, wenn das Wasser die Mauern des Erdgeschosses zerstört hat.
    Wichtig für den Bau einer Warft war die Nähe eines Prieles, denn es stellte die wichtigste Verkehrsader der Hallig dar. Dann wurde der Platz für den Warftbau abgesteckt und die Grassoden ausgestochen und gestapelt, da sie später zum Schutz der Böschungen benötigt werden. Nachdem der Platz für den Fething, mit dessen Wasser das Vieh getränkt werden sollte, der Platz für das Haus und für die Trinkwasserzisterne oder Soode festgelegt worden waren, konnte mit dem Aufwerfen der Erde begonnen werden.
    War die Warft fertig aufgeworfen und hatte sich die Erde abgelagert, wurde mit dem Bau des Hauses auf der Warftkuppe begonnen. Als erstes wurde ein Holzgerüst gebaut, wobei starke senkrechte Eichenpfähle, sogenannte Ständer, tief in den Warftboden reichten. Diese wurden mit Steinen umpackt oder mit Querbalken im Warftboden verbunden. In der Höhe des Daches wurden diese Ständer ebenfalls mit Querbalken verbunden, so dass ein stabiles Hausgerippe entstand. Dieses Gerippe wurde dann mit Ziegelsteinen aufgesetzt. Ein solches Ständerhaus hatte den Vorteil, dass bei Sturmfluten der Dachboden zum Rettungsort werden konnte, ähnlich der Rettungsbaken für Schiffsbrüchige auf den Sandbänken. Wenn im schlimmsten Fall die Wände des Hauses bei schweren Sturmfluten zerschlagen wurden, hielten die Ständer, die das Dach trugen, mit ihren geringen Angriffsflächen dem Aufprall der Wellen stand. Nach der Sturmflutkatastrophe von 1962 wurden die Warften auf drei Meter über MThw erhöht, verbreitert und in ihrer Form abgerundet. Das Warftprofil wurde dem eines Deiches nachgeahmt. Auch heute noch müssen die Warften ständig erhöht werden, da die Sturmfluthäufigkeit zunimmt und der Meeresspiegel steigt.

  • Halligdeiche
    Uferbefestigung Hallig Hooge, foto fitis, sytske dijksen

    Zum Schutz vor dem ständigen Abbruch des Halliglandes erhielten einige Halligen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts Uferbefestigungen. Hooge und Langeneß erhielten Sommerdeiche, die an ihrem Fuß mit Granit- und Basaltsteinen gesichert wurden. Die Sommerdeiche schützen das Halligland, das etwa 1 m über MThw liegt, meist vor kleinen Sturmfluten im Sommer. Die Zahl der Überflutungen ("Land unter") ist dadurch wesentlich geringer geworden. Eine Folge davon ist, dass das Halligland nun nicht mehr in dem gleichen Maße wie früher durch Aufschlickung in die Höhe wächst. Weiterhin veränderte sich durch den geringeren Einfluss des salzhaltigen Nordseewassers die gesamte Halligflora. An das Salzwasser angepasster Andel, Strandflieder und Strandastern wichen bereits im Verlauf weniger Jahre dem Rotklee, Weißklee und anderen typischen Pflanzen. Dies bedeutet für die Halliglandwirtschaft eine wesentliche Qualitätsverbesserung. Eine typische Halligflora hingegen ist heute beispielhaft auf den Halligen Südfall, Süderoog und Gröde zu finden.

  • Kulturgeschichte der Halligen

    Rund um die Halligen und teilweise auch direkt unter den heutigen Halligen finden sich immer wieder Kulturspuren aus vergangener Zeit. Ehemalige Deiche, Schleusen, Brunnen, Warftplätze, Reste von Häusern und Kirchen, Geräte und alte Pflugspuren wurden im Laufe der Jahrhunderte mit Schlick überdeckt. Vor allem nach Sturmfluten und bei günstiger Ebbe werden diese Spuren im Watt freigelegt. Die Reste des ehemaligen Hafenortes Rungholt im Watt bei der Hallig Südfall hat das Interesse über die Geschichte dieser Region geweckt.
    Schon im frühen Mittelalter waren die Halligen bewohnt. Torfabbau und Salzgewinnung waren in dieser Zeit eine wichtige Einkommensquelle für die Bewohner und die Aktivitäten in dieser Zeit haben die weitere Geschichte der Halligen entscheidend geprägt. Der anstehende Torf wurde zuerst nur als Brennmaterial abgegraben. Später wurde aus dem Torf Salz gewonnen. Die Salzgewinnung stellte im Mittelalter eine führende Rolle im Wirtschaftsleben dar, da Salz früher das einzige Konservierungsmittel und daher entsprechend wertvoll war. Den Rohstoff für die Salzgewinnung in Nordfriesland lieferte der Torf, der im Gebiet der Utlande im Verlauf der Jahrhunderte herangewachsen war. Der Torf hatte das salzhaltige Nordseewasser jedes Mal wie ein Schwamm aufgenommen, Feuchtigkeit abgegeben und wiederum Salzwasser aufgenommen. Dadurch hatte sich die ein bis zwei Meter dicke Torfschicht immer stärker mit Meersalz angereichert. Die Friesen bauten nun diese Torfschichten ab, trockneten den Torf an der Luft oder verbrannten ihn. Die Asche wurde mit Meerwasser ausgelaugt und gefiltert und beim Eindämpfen der Asche setzte sich das Salz ab.
    Die Bewohner versuchten sich durch den Bau von Warften und Halligdeichen vor Überflutungen zu schützen. Die isolierte Lage der Halligen führte zu besonderen Formen der Bewirtschaftung und eigenen Traditionen.
    Im 17. und 18. Jahrhundert waren der Walfang und die Seefahrt die Haupteinkommensquellen der Halligbewohner und sorgten für einen relativen Wohlstand. Diese Einkommensquellen fanden Ende des 18. Jahrhundterts ein Ende und die Halligmenschen waren wieder auf ihr Land angewiesen.
    Zwischen 1804 und 1859 verloren die heute noch bestehenden Halligen über 1200 ha Land, etwa 30% ihrer Fläche, durch die Sturmfluten. Die Halligflut von 1825 löste eine Welle der Hilfsbereitschaft unter der dänischen Bevölkerung aus. König Friedrich VI von Dänemark besucht im Juli desselben Jahre die Halligen und übernachtete im Königspesel auf der Hallig Hooge. Es wurden Pläne zum Schutz der Halligen aufgestellt. In Folge des Halligschutzplanes von 1894 wurden 50 der 63 km Halligküste durch Deckwerke gesichert. Landabbruch findet heute auf den Halligen nicht mehr statt.

  • Trinkwasser und Fethinge auf den Halligen

    Der Untergrund der Halligen liefert kein süßes Grundwasser. Das bei Tiefenbohrungen heraufbeförderte Wasser war brackig und weder für den Menschen noch für das Vieh zu gebrauchen. So wurde auf den Halligen das Tränkwasser für das Vieh in sogenannten Fethingen und das Trinkwasser für den Menschen in Zisternen oder Sooden in der Nähe der Häuser aufgefangen und gesammelt.
    Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung entstanden regelmäßig nach großen Sturmfluten. Denn wenn die Fethinge und Zisternen mit Salzwasser vollgelaufen waren, musste die Halligbevölkerung das Trinkwasser für einen teuren Preis vom Festland in Wasserschuten kommen lassen. Heute sind die Halligen mit Wasserleitungen durch das Wattenmeer an die Wasserwerke auf dem Festland angeschlossen.

  • Elektrizität

    Jahrhunderte lang wurde zur Beleuchtung der Hallighäuser und Ställe Petroleum genutzt. In den dreißiger Jahren wurden, meist in Eigenbau, Windräder zur Stromerzeugung errichtet. Danach benutzten die Halligbewohner Propangas für die Beleuchtung ihrer Häuser. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Stromkabel durch das Wattenmeer verlegt, so dass auch die Halligbewohner und -gäste über eine gesicherte Stromversorgung verfügen konnten.

  • Verbindungen zum Festland

    Die Verkehrsverbindungen und das Postwesen der Halligen bestanden noch bis in jüngster Zeit in nur bescheidenen Umfang. Um 1800 brachte ein Postbote die Post nur einmal im Winter und zweimal im Sommer nach Langeneß und Oland. Erst ab 1850 wurde die Post alle 14 Tage befördert und ab 1872 gab es einen offiziellen Postschiffer. Seit dem Beginn der Fährverbindungen zwischen den Halligen und dem Festland wurde die Arbeit der Postschiffer, der Segelloren und später Dieselloren nach Langeneß oder der durch das Watt wandernde Postboten nach Südfall und Süderoog eingestellt. Noch heute beeinträchtigen widrige Wetterverhältnisse, wie Sturm oder Eiswinter den Schiffs- und Fährverkehr von und zu den Halligen erheblich.

  • Halligkirchen

    Die Kirchengebäude der Halligen unterscheiden sich durch ihre niedrige Bauweise und mit den Reetdächern kaum von den anderen Häusern. Es fehlen die hohen Mauern, das hohe, krönende Dach und vor allem der Turm. Kleine Glockengerüste und räumlich beschränkte Friedhöfe stehen als bescheidenes Äußeres im krassen Gegensatz zu der oft kunstvollen Ausstattung des Inneren. Vieles dieser Ausstattung stammt aus den Kirchen, die bei großen Sturmfluten vernichtet wurden.

  • Biikebrennen

    Am 21. Februar leuchten alljährlich große Feuerstöße auf den Halligen und den benachbarten Inseln auf. Das sogenannte Biikebrennen (altfriesisch für Leuchtfeuer) beendete symbolisch die Leiden und Übel des Winters und war ursprünglich ein heidnisches Opferfest. Ab dem 17. Jahrhundert war es das Abschiedsfeuer für die Ehemänner und Väter, die zur Seefahrt ausfuhren. Da die Seefahrt inzwischen eine untergeordnete Rollen spielt ist das traditionelle Biikebrennen heute eher ein Fest der Schuljugend.

  • Rummelpott

    Das Rummelpottlaufen wird auf den Halligen am letzten Abend vor Neujahr von den jüngsten Kindern betrieben. Trommelnd und singend ziehen die Kinder von Tür zu Tür und lassen sich Körbe und Beutel mit Naschereien füllen.

  • Boßeln

    Bei diesem uraltem friesischen Wurfspiel, das noch in ganz Friesland betrieben wird, wird eine mit Blei gefüllte Kugel von einem Werfer nach bestimmten Regeln davongeschleudert. Die erzielte Weite bestimmt die Plazierung. Höhepunkt ist der Boßelball, wo am Abend des letzten Wettkampftages bei Musik und Teepunsch nach alter Tradition gefeiert wird.
    Nur fünf der Halligen sind ganzjährig über bewohnt: Oland, Langeneß, Hooge, Gröde-Appelland und Süderoog.

  • Das Leben auf den Halligen
    Touristenwagen, Hallig Hooge, foto fitis, sytske dijksen

    Schon immer bildete die Landwirtschaft die Grundlage der Existenz der Halligbevölkerung. Das Weideland (Fennen) und das Meedeland, das für die Heugewinnung genutzt wurde, war das Grundkapital des Halligbauern. Es wurde von ihnen gemeinschaftlich genutzt. Sie bestritten ihren Ertrag in Gestalt von Kühen, Ochsen, Kälbern, Schafen und Lämmern. Geheizt wurde mit Rinderdung und Plattfische, Krabben und Enten bereicherten den Speiseplan.
    Seit Mitte der sechziger Jahre nahm die Bedeutung der Landwirtschaft immer mehr ab. Der Tourismus bildete zunehmend die Existenzgrundlage der Halligbevölkerung. Die Anzahl der Betten nahm zu, die Übernachtungen wurden zahlreicher, und immer mehr Gäste kamen und kommen zum Urlaub auf die Hallig. Dies sind zum einem Tagesgäste, die nur für wenige Stunden als Ausflügler auf die Hallig kommen und in den Gaststätten einkehren, zum anderen sind es Dauergäste, die auf der Hallig ihren gesamten Urlaub verbringen. Auf den größeren Halligen gehören zudem bereits mehr als 20% der Häuser auswärtigen Besitzern. Dies wirkt sich nachteilig für das Zusammenleben und die auf den Halligen so wichtige Nachbarschaftshilfe aus.
    Landwirte, die auf eigene Viehhaltung verzichtet hatten, nehmen in den Sommermonaten Vieh vom Festland in "Pension". Dieses Vieh grast dann ihre Fennen (Weiden) ab.

  • Traditionen und Brauchtum auf den Halligen

    Biikebrennen, Rummelpott und Boßeln gehören zu den gepflegten Traditionen auf den Halligen