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Schleswig-Holstein   Nordstrand   

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Nordstrand, Foto Fitis, www.fotofitis.nl

Nordstrand

Nordstrand liegt im nordfriesischen Wattenmeer zwischen Pellworm im Westen und der Halbinsel Eiderstedt im Süden. Die 49 qkm große frühere Insel ist seit 1935 durch einen hohen Damm mit dem Festland verbunden. 1987 wurde der Deich des Beltringharder Koges geschlossen und damit die ehemalige Nordstrander Bucht eingedeicht. Nordstrand ist seitdem endgültig eine Halbinsel. Auf Nordstrand leben etwa 2300 Menschen.

  • Entstehung

    Das alte Nordstrand war ein Teil der Insel Strand, zwischen Eiderstedt im Süden und Föhr im Norden. Strand bildete einen Teil der reichen und fruchtbaren 'Utlande' und wurde 1198 zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Die anhaltende Zerstörung der Utlande aufgrund des steigenden Meeresspiegels fand ihren Höhepunkt in der Sturmflut von 1362, die die Insel Strand zerstörte. Übrig blieb die Insel Alt-Nordstrand. Weitere Sturmfluten nagten ständig an der Insel und führten 1634 während der Zweiten Großen Mandränke zur endgültigen Zerstörung Alt-Nordstrands. Übrig blieben die Inseln Pellworm und Nordstrand, sowie die Hallig Nordstrandischmoor.

  • Geschichte von Nordstrand

    Nach der verheerenden Sturmflut von 1634 gibt es auf Nordstrand nicht mehr viele alte Kulturstätten. Von den ehemals 20 Kirchen Alt-Nordstrands blieben nur 3 übrig. Zwei auf Pellworm und die St. Vinzenz-Kirche in Oldenbüll auf Nordstrand. Typisch für die Region Alt-Nordstrand war das Marschhufendorf Morsum. Morsum lag nach den Neubedeichungen im 17. und 18. Jahrhundert außendeichs und wurde erst mit dem Bau des Beltringharder Koges dem Meereseinfluss wieder entzogen. Heute liegen die Siedlungsreste im Nordwesten des neuen Koges unter jungen Sedimenten verborgen, die sich während der Bauarbeiten zur Vordeichung der Nordstrander Bucht abgelagert haben.
    Die Neubedeicheungen nach der Sturmflut von 1634 gingen auf Nordstrand nur langsam voran. Die Deiche wurden durch neue Sturmfluten immer wieder zerstört und viele Menschen wanderten ab.
    Herzog Friedrich III von Schleswig-Holstein-Gottorf schloss mit niederländischen Deichbauern Verträge ab. Diese sollten die Neubedeichung Nordstrands voran bringen, im Gegenzug wurden sie die Herren der Insel und bekamen die Religionsfreiheit für Katholiken. Die Siedler stammten vor allem aus Flandern und Brabant, einige kamen auch aus Frankreich. Es handelte sich bei ihnen um Oratorianer. Eine Kirchspaltung 1740 in den Niederlanden wirkte sich auch auf Nordstrand aus: die Gemeinde teilte sich in eine jansenistische und eine römisch-katholische Gruppe. Heute sind 4/5 der Nordstrander Bevölkerung evangelisch-lutherisch, ein Fünftel ist katholisch und etwa 10 Menschen sind noch altkatholisch.
    Die ersten drei Köge wurden in relativ kurzer Zeit eingedeicht: der Friedrichskoog (heute Alter Koog) 1654, der Marie-Elisabeth-Koog (heute Osterkoog) 1657 und der Trendermarschkoog 1663. 1691 folgte der Neue Osterkoog (heute Neukoog) und 1739 wurde der Deich des Christiankoges geschlossen. 1751 wurde der Deich dieses Koges jedoch von einer Sturmflut zerstört und erst 1771 entstand hier der Elisabeth-Sophien-Koog. 1866 wurde der Morsumkoog eingedeicht und 1925 der Pohnshalligkoog. Von hier aus führt eine befestigte Strasse zum Festland. Der letzte Koog ist der Beltringharder Koog von 1987
    Der Hafen von Strucklahnungshörn wurde 1958 erbaut und hat Bedeutung als Fährhafen, v.a. nach Pellworm. Ein Seenotrettungskreuzer ist hier ebenfalls stationiert. Der alte Süderhafen dient heute überwiegend den Sportbooten. Bis 1935 war dies der Fährhafen nach Husum

  • Verkehr

    Da Nordstrand durch einen Autodamm mit dem Festland verbunden ist, kann man mit dem Auto dorthin fahren. Eine weitere Möglichkeit der Anreise ist mit der Bahn bis Husum, von dort aus verkehren regelmäßig Linienbusse nach Nordstrand. Oder aber mit dem Fahrrad über ein gut ausgebautes Radwegenetz.
    Bei Niedrigwasser kann man von Faulehörn zu Fuß oder mit dem Wattwagen die gut fünf Kilometer westlich von Nordstrand gelegene Hallig Südfall erreichen. Zur Sicherheit sollte man sich aber einer Führung durch einen Nationalpark-Wattführer anschließen. Der Zutritt zur Hallig ist nur mit ortskundiger Führung möglich.

  • Fremdenverkehr auf Nordstrand

    Auch auf Nordstrand, wie an der gesamten Nordseeküste, ist der Fremdenverkehr zu einem wichtigen Wirtschaftszweig geworden. Seit 1991 ist Nordstrand annerkanntes Seeheilbad.

  • Kirchen

    Die evangelische St. Vinzenz-Kirche zu Odenbüll wurde im 13. Jahrhundert erbaut und ist in Resten noch in ihrem ursprünglichen Bild vorhanden.
    Die alt-katholische St. Theresia-Kirche auf der Deichwarft Süden-Osterdeich ist die ursprüngliche Pfarrkirche der flämischen und niederländischen Katholiken, die sich 1652 auf Nordstrand niedergelassen hatten. Der Kirche unmittelbar angeschlossen liegt das 1680 erbaute, reetgedeckte Pastorat mit seiner kostbaren Bibliothek von niederländischen und französischen theologischen Werken aus dem 17. und 18. Jahrhundert sowie einem reichhaltigen Archiv mit Dokumenten aus der Kirchengeschichte Nordstrands. Am Deichhang vor der Kirche befindet sich der Friedhof, auf dem noch bis 1953 auch die römisch-katholischen Gemeindemitglieder bestattet wurden.
    Die 1866 erbaute römisch-katholische St. Knud-Kirche liegt ebenfalls auf der großen Deichwarft Süden. Nahe der Kirche wurde 1953 ein neuer Friedhof angelegt und 1976 neben dem Gotteshaus ein umfangreicher Neubau des St. Franziskus-Kinderheimes.

  • Mühlen

    Nachdem in der Sturmflut von 1634 28 Windmühlen weggerissen wurden, sind erst nach der Wiederbedeichung der Inselreste neue Windmühlen erbaut worden. Südlich der Kirche zu Odenbüll wurde die nach dem Besitzer benannte Kühlmannsche Windmühle errichtet. Bis zu einem Blitzeinschlag im Jahre 1909 tat sie ihren Dienst. Heute ist die älteste Mühle zugleich auch die letzte, die auf Nordstrand - wenn auch eingeschränkt - ihren Zweck erfüllt.
    Im Süderhafen befindet sich die 1890 errichtete Engländer Mühle. Sie war bis 1970 noch in Betrieb und ist heute mit Galerie, Kappe und Flügel renoviert und Teile des unteren Betriebsgebäudes sind zu einem Cafe umgebaut.

  • Vogelkojen

    In der Vogelkoje im Alten Koog wurde ab 1905 von Mitte August bis Ende September der Fang von Wildenten betrieben. Gegen Ende des 2. Weltkrieges wurde der Fang eingestellt. Die Vogelkoje wurde in der Folgezeit restauriert und kann besichtigt werden. Eine Ausstellung zeigt, wie die Vogelkoje früher betrieben wurde.
    Die zweite Vogelkoje am Seedeich der Trendermarsch wurde 1907/08 angelegt, die in den 1920er Jahren mit um die 20.000 Enten pro Saison ihren besten Ertrag hatte. Da die Fänge in den folgenden Jahrzehnten immer mehr zurückgingen, wurde der Fangbetrieb in den 1960er Jahren eingestellt.

  • Landschaften und Naturgebiete auf Nordstrand

    Die Natur von Nordstrand ist vor allem durch die Marsch und den kleinen Wäldern geprägt. Natürliche Strände gibt es hier nicht. Nordstrand ist von einem 28 km langen Deich umgeben. Die Eindeichung der Nordstrander Bucht und der so entstandene Beltringharder Koog brachten tiefgreifende Veränderungen für die Tier- und Pflanzenwelt des Wattenmeeres mit sich.
    Die Wattbereiche im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer rund um die Halbinsel Nordstrand fallen fast überall während der Niedrigwasserzeit bis zu mehrere Kilometer vor der Deichkante trocken. Eine Ausnahme bildet die Norderhever, ein Priel, der von der offenen See kommend zwischen Pellworm und Nordstrand verläuft.
    Einen natürlichen Strand gibt es auf dieser ehemaligen Marscheninsel zwar nicht, aber als touristisches Angebot ist westlich und südlich von Trendermarsch Sand aufgeschüttet worden. Die Badestrände befinden sich bei Faulehörn und östlich von Grünen Wegshörn.
    Nach der Eindeichung der Nordstrander Bucht sind heute um Nordstrand nur noch Salzwiesenbereiche von Nordstrand-Süd bis Wobbenbüll zu finden. Es handelt sich hierbei um ein 400 ha großes und bis ein Kilometer breites Gebiet, das größtenteils landwirtschaftlich genutzt wird.
    Nach der Zerschlagung der Insel Strand im Jahre 1634 erfolgte ab 1654 die Neubedeichung Nordstrands. Die Menschen bauten ihre Siedlungen als Häuserzeilen auf den Deichen und nutzen den guten Boden der Köge als landwirtschaftliche Nutzflächen. Nordstrand besteht heute aus sieben bewohnten Kögen.
    Neben den wenigen Einzelgehölzen gibt es um die zwei Vogelkojen Nordstrands je ein in sich abgerundetes Wäldchen mit windgeschorenen Bäumen. Die beiden Vogelkojen liegen an den Deichen des Alten Koog bei Dickehörn und der Trendermarsch bei Grüne Wegehörn. Der Baumbestand setzt sich hauptsächlich aus Ulmen und Eschen zusammen.

  • Sehenswürdigkeiten

    Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer unterhält auf Nordstrand im Kurzentrum Norderhafen ein Infozentrum mit einer attraktiven Ausstellung über das Wattenmeer. Im Pharisäerhof gibt es ein Heimatmuseum. Weiterhin gibt es auf Nordstrand ein Hallenbad mit Warmwassersprudelbad (34°) und ein Kaltbad und zwei Häfen (Süderhafen mit den Sport- u. Segelbooten, Strucklahnungshörn mit den Ausflugsschiffen, Kuttern und dem Seenotrettungskreuzer).

  • Beltringharder Koog - die eingedeichte Nordstrander Bucht

    1987 wurde nach fünfjähriger Bauzeit der 9 km lange Deich zwischen Nordstrand und dem Festland geschlossen und damit die ehemalige Nordstrander Bucht eingedeicht. Es entstand der 3.340 ha große Beltringharder Koog. Mit der Nordstrander Bucht sind etwa 845 ha Salzwiesen, 2459 ha Wattflächen sowie 140 ha Wasserflächen dem Gezeiteneinfluss auf Dauer entzogen worden.
    Der Beltringharder Koog steht unter Naturschutz. Andersartige Nutzung gibt nur an den Badestellen am Lüttmoordamm und Holmer Siel, sowie an einigen Dämmen, Deichen und dem Speicherbecken. Die Naturschutzfläche im Koog teilt sich in drei verschiedenartige Zonen: Salzwasserbiotop, Sukzessionsflächen und Feuchtwiesen.
    Das Salzwasserbiotop erhält Wasser aus dem Wattenmeer. Durch zwei Siele kann in diese Zone, die sich im zentralen Bereich des Kooges befindet, das Wasser im natürlichen Gezeitenrhythmus ein- und ausströmen. Der Tidenhub beträgt allerdings nur 20 bis 40 cm. Die Sukzessionsfläche befindet sich im Südteil des Kooges. Im ehemaligen Vorland wurden einige Gewässer angestaut, die Tier- und Pflanzenwelt bleibt sich selbst überlassen. Im zentralen und nördlichen Bereich des Kooges liegen die Feuchtwiesen. Es ist das Vorland des ehemaligen Festlanddeiches. Diese Feuchtwiesen werden beweidet.