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Schleswig-Holstein   Pellworm   

Mens en Milieu

Pellworm, Lechtturm und Warfthäuser, Ecomare

Pellworm

Pellworm liegt im nordfriesischen Wattenmeer westlich von Nordstrand. Die 36 qkm große Marscheninsel ist von einem 8 m hohen und 25 km langen Deich umgeben und besteht aus 13 Kögen. Auf Pellworm leben etwa 1200 Menschen.

  • Entstehung
    Watt bei Pellworm, foto fitis, sytske dijksen

    Pellworm war früher ein Teil der Insel Strand, die einen Teil der reichen und fruchtbare Utlande bildete und 1198 zum ersten Mal schriftlich erwähnt wurde. Die anhaltende Zerstörung aufgrund des steigenden Meeresspiegels hatte zur Folge, dass die Utlande nach der Sturmflut von 1362 zerstört wurden. Von Strand blieb die Insel Alt-Nordstrand übrig. Weitere Sturmfluten in den folgenden Jahren nagten ständig an der Insel und führten 1634 während der Zweiten Großen Mandränke zur endgültigen Zerstörung Alt-Nordstrands. In dieser Sturmflut gingen große Teile der Pellworm-Harde verloren. Übrig blieben die Inseln Pellworm und Nordstrand, sowie die Hallig Nordstrandischmoor. Nach der Zerstörung der Insel Alt-Nordstrand begannen die Einwohner in den Folgejahren das übrig gebliebene Marschland einzudeichen.

  • Verkehr

    Pellworm hat eine Fährverbindung mit dem Hafen Strucklahnungshörn auf Nordstrand. Die Fähre zwischen Strucklahnungshörn und Pellworm ist eine Autofähre. Es gibt auch eine Schiffsverbindung nach Husum (Außenhafen). Seit 1993 ist die Fährverbindung durch den Bau des Anlegers in der Mündung des Hafenpriels weitgehend tideunabhängig.
    Bei Niedrigwasser kann vom Deich beim Westerkoog zu Fuß die circa fünf Kilometer südwestlich von Pellworm gelegene Hallig Süderoog erreicht werden. Die Wanderung ist allerdings nur mit orts- und fachkundiger Leitung möglich und wird u.a. von der Schutzstation Wattenmeer durchgeführt.

  • Die Vogelkoje Pellworms

    Neben den wenigen Einzelgehölzen gibt es um die einzige Vogelkoje Pellworms ein Wäldchen mit windgeschorenen Bäumen. Die Vogelkoje liegt im Ütermarker Koog. Der Gehölzbestand setzt sich hauptsächlich aus Esche und Weißdorn zusammen.
    In dieser Vogelkoje wurden ab 1905 von Mitte August bis Ende September Wildenten gefangen. Das Fangglück schwankte jedoch sehr und kam in den 1930er Jahren fast ganz zum Erliegen. 1953 erfolgte der Abbruch des Kojenwärterhauses. Die Vogelkoje wurde als Anschauungsobjekt von der Kurverwaltung gepachtet und durch den Verein für Naturschutz und Landschaftspflege Mittleres Nordfriesland e.V. im Jahre 1988 renoviert.

  • Pütten

    Pütten sind ehemalige Kleientnahmestellen für den Deichbau in unmittelbarer Nähe des Deiches. In den Pütten zeigt sich ein Vegetationsmosaik aus Röhricht mit vereinzelten Salzwiesenbeständen. Das Gebiet steht unter Naturschutz.

  • Die Tiefs auf Pellworm

    Das Waldhusener Tief gehört zu einem schon vor 1634 vorhandenen Prielsystems und befindet sich im Nordwesten des Großen Kooges. Es ist eine der tiefsten Stellen der Insel. Zentral liegt eine mehrere Hektar große Wasserfläche mit zu- und abwässernden Prielen. Bei dem bis zu einem Meter tiefen Wasser handelt es sich um Brackwasser, dessen Salzgehalt von der Menge der Niederschläge und der Salzwasserzufuhr durch das Grundwasser bzw. der Verbindung zum Hafen abhängig ist. Im Winter beeinflusst das gesamte Tief durch Überschwemmungen das umgebende Leegland.
    Die Ufer des Süderkoogstiefes erreichen erst in Deichnähe einen naturnahen Zustand. Sie werden von einem mehrere Meter breiten und durchgehenden Schilfsaum begleitet. Die höher gelegenen Flächen werden landwirtschaftlich genutzt.

  • Das Leben auf Pellworm

    Es gibt auf Pellworm heute etwa 60 Bauernhöfe mit einer Betriebsgröße von durchschnittlich 50 ha, die Ackerbau und Weidewirtschaft betreiben. 75% der landwirtschaftlichen Fläche sind Grünländer. Mit etwa 12% ist der ökologische Landbau hier überdurchschnittlich stark vertreten. Pellworm hat seit kurzem auch wieder eine eigene Molkerei. Die 'Pellwormer Inselmilch' ist inzwischen weit über Pellworm hinaus bekannt.

  • Orte auf Pellworm

    Tammensiel ist eigentlich der Name für die Entwässerungsschleuse am Hafen. Heute ist Tammensiel der zentrale Ort von Pellworm. Hier befinden sich die Kurverwaltung, das Inselmuseum, das Kurzentrum, Post und Banken, der Inselarzt etc.. Auf Pellworm gibt es noch weitere kleine Ortschaften und viele Einzelsiedlungen entlang der Straßen.

  • Infrastruktur auf Pellworm

    Zwischen 1965 und 1967 wurden Wasserleitungen vom Festland auf die Insel gelegt. Die Versorgung mit Elektrizität wird ebenfalls durch ein Kabel vom Festland aus gewährleistet. Zudem wird Strom aus Windkraft und Sonnenenergie eingespeist. Auf Pellworm befindet sich Europa's größtes Hybridkraftwerk, das aus Sonne und Wind Strom gewinnt. In einem Informationszentrum kann man sich über diese Art der Energiegewinnung informieren.

  • Fremdenverkehr auf Pellworm

    Neben der Landwirtschaft entwickelte sich auf Pellworm auch der Fremdenverkehr. Dies geschah jedoch erst um 1900, also viel später als auf den Inseln Sylt, Föhr und Amrum. Die Gästezahlen stiegen nach dem 2. Weltkrieg immer weiter an. Die Wasserleitungen vom Festland und eine verbesserte Fährverbindung in den 1960ern erlaubten den Aufbau eines Kurbetriebes. 1974 wurde das Kurzentrum auf Pellworm in Betrieb genommen. Heute ist Pellworm ein anerkanntes Nordseeheilbad und der Fremdenverkehr ist auch auf Pellworm der Hauptwirtschaftsfaktor.

  • Kirchen

    Weithin sichtbar erhebt sich im Alten Koog im Westen der Insel die braunrote und 26 m hohe Turmruine der Alten Kirche St. Salvator, das Wahrzeichen der Insel und Landmarke für die Seefahrer. Seit 1611 steht die Turmruine frei vor dem Kirchenschiff, nachdem die östliche Turmhälfte in sich zusammengefallen war. Die Grundsteinlegung für die nachweislich älteste Kirche in Nordfriesland erfolgte bereits im Jahre 1095. Der Platz, auf dem die Kirche steht, ist der alte Thingplatz.
    Die 1622 errichtete Neue Kirche St. Crucius steht, von hohen Bäumen umgeben, im Großen Koog, etwa in der Inselmitte. Das heutige Bild der Neuen Kirche stammt aus dem Jahre 1867. Neben der Kirche steht auf einer eigenen Warft ein reetgedecktes Friesenhaus - das ehemalige Pastorat und heutige 'Anton-Heimreich-Haus'.
    Im Großen Norderkoog steht seit 1978 die katholische Kapelle 'Momme-Nissen-Haus'. Die Kapelle befindet sich in einem ehemaligen Bauernhaus, an dem besonders die 14 Fenster mit Motiven zur Geschichte von Alt-Nordstrands und der Sturmflut von 1634 zu erwähnen sind.

  • Mühlen

    Bei der Zerstörung der Insel Alt-Nordstrands wurden 28 Windmühlen weggerissen, davon allein 14 in dem Gebiet der heutigen Insel Pellworm. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert sind nach der Wiederbedeichung auch wieder Windmühlen auf Pellworm gebaut worden. Die meist achteckigen oder runden Mühlenkörper stehen fest auf dem Boden, der Unterbau ist gemauert oder besitzt eine Rundumgalerie.
    Die Nordermühle war durch Windkraft noch bis 1959 in Betrieb und wurde dann auf Elektrobetrieb umgestellt. 1967 wurde sie wegen Baufälligkeit stillgelegt. Mitte der 1970er Jahre wurde die Mühle restauriert. Der Mühlenkörper erhielt sein ursprüngliches Zwickgestell, den Galerierundgang und die Flügel wieder. Die Mühlenräume dienen heute als Restaurant.

  • Landschaften und Naturgebiete auf Pellworm

    Pellworm ist eine Marscheninsel, die gesamte Oberfläche liegt nur etwa 1 m unter dem mittleren Tidenhochwasser.
    Die Wattbereiche um die Insel Pellworm fallen fast überall während der Niedrigwasserzeit bis zu mehrere Kilometer vor der Deichkante trocken. Eine Ausnahme bildet die Norderhever, die bei Junkernhallig bis an die Insel reicht. Südlich vom Hafen wurde ein Anleger dammartig bis zur Norderhever gebaut, um eine tideunabhängige Fährverbindung zwischen Pellworm und Nordstrand zu gewährleisten.
    Ein breiter Salzwiesenabschnitt mit vorgelagerten Lahnungsfeldern befindet sich vor dem Bupheverkoog. Dieses Gebiet ist als Folge der Eindeichung des Kooges entstanden und wird sehr intensiv von Schafen beweidet.
    Das breite Vorland 'Junkernhallig' befindet sich südlich des Hafens. Auch hier ist die Schafbeweidung sehr intensiv.

  • Geschichte von Pellworm

    Im 7. und 8. Jahrhundert zogen die Friesen von der südlichen Nordsee in das Gebiet des nordfriesischen Wattenmeeres. Die Besiedelung erfolgte wahrscheinlich vom Meer aus.
    Nach der verheerenden Sturmflut von 1634 und der Zerstörung Alt-Nordstrands wurde der ehemalige Westteil der Insel, das heutige Pellworm, relativ schnell wieder eingedeicht. Dies geschah u.a. mit Hilfe des kapitalstarken Niederländers Cornelius Jansen Allers. In den 2 Folgejahren konnten bereits 1800 ha wiedergewonnen werden, bis 1687 waren es schon 2800 ha. 1637 entstanden der Große Koog, der Kleine Koog, der Johann-Heimreichs-Koog (ehem. Wester Neuen Koog), der Mittelster Koog und der Alte Koog. Es folgten der Kleine Norderkoog (1657), der Westerkoog (1663), der Hunnenkoog (1672), der Süderkoog und der Ütermarkerkoog (1673), der Große Norderkoog (1687) und der Ostersielskoog (1798). Der jüngste Koog ist der Bupheverkoog aus dem Jahre 1938/39.
    Von 1660 bis 1717 erlebte Pellworm eine neue Blütezeit. Zwar nahm die Bevölkerung durch Krankheiten stetig ab, die Abnahme wurde allerdings durch Zuzug ausgeglichen. Die Menschen lebten von der Landwirtschaft mit Hofgrößen zwischen 5 und 50 ha. Vor allem Viehmast und Getreideanbau wurden betrieben, die Überschüsse hiervon wurden exportiert. Milchwirtschaft und Fischerei dienten lediglich dem Eigenbedarf, da die leicht verderblichen Produkte aufgrund der schlechten Verkehrsanbindung nicht schnell genug transportiert werden konnten. Es gab zu der Zeit zwei Häfen: einen in Tammensiel, der auch heute noch der Hafen von Pellworm ist, und das Tief am Tilli wurde bis 1673 (Eindeichung) als Hafen gebraucht.
    Die Weihnachtflut von 1717 brachte einen Rückschlag für Pellworm. Auch in den Folgejahren hatten die Insulaner immer wieder mit Wassereinbrüchen zu kämpfen. Krankheiten breiteten sich aus und nur neuer Zuzug verhinderte, dass die Bevölkerung zu stark abnahm. Die friesische Sprache starb zu dieser Zeit auf Pellworm aus.
    Ab 1771 wurde der Deichbau, der zuvor in privater Hand war, von Fachleuten ausgeführt. Dennoch mussten 1793 im Westen und im Süden der Insel Gebiete aufgegeben werden. Nach der Sturmflut von 1825 mussten ein Drittel der Landeigentümer Konkurs anmelden. Der dänische Staat übernahm die Ländereien und wurde somit in die Deichpflicht eingebunden. 1830 wurde Harm von Petersen als Deichkommissar eingesetzt. Er erkannte die Wichtigkeit Pellworms als Wellenbrecher für die schleswig-holsteinische Küste und beschaffte Gelder von der Regierung für die Wiederherstellung der Deiche.
    Von 1882 bis 83 lebte Detlev von Liliencron als Hardesvogt auf Pellworm. Auf einer Schiffsreise von Husum nach Pellworm schrieb er das bekannte Gedicht 'Trutz, Blanke Hans'.
    Die Menschen lebten von der Landwirtschaft. Anders als auf den Geest- und Düneninseln konnten die Menschen gut von den Marschböden leben. Es wurde sowohl Ackerbau als auch Viehzucht betrieben. Bis in das 19. Jahrhundert überwog der Ackerbau, heute gibt es auf der Insel vornehmlich Weidewirtschaft. Die Fischerei spielte auf Pellworm keine so große Rolle, auch wenn es eine Zeit lang einige hauptberufliche Fischer gab. Erst ab dem 19. Jahrhundert gab es auf Pellworm Flachsiedlungen im Schutz der Deiche.

  • Sehenswürdigkeiten

    Der 35 m hohe und 90 Jahre alte Leuchtturm, ist bereits von Weitem zu sehen. Er gleicht den Leuchttürmen von Westerheversand/Eiderstedt und von Hörnum/Sylt. Der Leuchtturm kann besichtigt werden.
    Das Inselmuseum in Tammensiel erzählt mehr über die Geschichte der Insel. Das Wattenmuseum und das Rungholt-Museum in Schütting informieren über die untergegangenen Besiedlungen rund um Pellworm und über das Wattenmeer.
    Aufgrund der verheerenden Sturmflut von 1634 ist Pellworm nicht mehr sehr reich an Kulturstätten, denoch gibt es einige historische Kirchen und Windmühlen zu besichtigen.

  • Tradition

    Wie auf allen anderen nordfriesischen Inseln, so gibt es auch auf Pellworm die Tradition des Biikebrennens am 21. Februar. Am Silvesterabend laufen Kinder und Erwachsene 'Rummelpott'. Sie klopfen an die Türen und singen, dafür bekommen sie Süßigkeiten oder Geld. Das Ringreiten wird auf Pellworm noch betrieben und das Boßeln im Winter ist hier ebenfalls sehr beliebt.