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Energie   Gezeiten- und Wellenenergie   
Wave Dragon, www.wavedragon.net

Gezeiten- und Wellenenergie

An Orten mit einem großen Tidenhub (Höhenunterschied zwischen Hochwasser- und Niedrigwasserstand) ist es möglich, aus den bewegenden Wassermassen Energie zu erzeugen. Das Meerwasser passiert bei der Ebb- und Flutbewegung einen Staudamm mit eingebauten Generatoren. Weltweit könnten auf diese Art und Weise 60.000 Megawatt erzeugt werden. Das ist vier mal so viel, wie die gesamte Kapazität aller niederländischen Kraftwerke. Die Stromerzeugung durch Gezeitenenergie ist aber nur an einigen Standorten rentabel.

  • Nordsee

    In den Niederlanden ist der Tidenhub nicht groß genug, aber in der Flussmündung der Rance bei St. Malo in Frankreich (zwischen der Normandie und der Bretagne) beträgt dieser 13 Meter. Seit 1966 steht hier ein Gezeitenkraftwerk, das jährlich 300.000 Haushalte mit Energie versorgen kann. Auch im englischen Fluss Severn kann durch den großen Tidenhub Energie aus den Gezeiten erzeugt werden.

  • Niederlande

    Anfang 2000 hatte die Provinz Zeeland den Plan für eine Studie über die Möglichkeiten der Energieerzeugung aus den Gezeiten in der Oosterschelde. Der Fischereiverband von Zeeland war dagegen. Erwartet wird, dass ein Gezeitenkraftwerk die Gezeiten noch mehr abschwächen wird, wodurch die Oosterschelde noch schneller verschlicken wird.
    Es gab auch Pläne für ein großes Kraftwerk im Marsdiep, zwischen Den Helder und Texel. Dieses ließen sich aufgrund der strengen Umweltvorschriften der PKB Waddenzee nicht realisieren. Letztendlich wurde eine Unterwasserturbine in einem der 25 Staubecken im Schleusenkomplex von Den Oever im Abschlussdeich eingebaut. Die Waddenvereniging und Sportfischer denken, dass dieser Versuchslauf Schäden am Fischbestand anrichten wird, indem die Turbinen die Fische lebend zermahlen. In den Wasserkraftwerken in der Lek, Maas und im Niederrhein werden heute schon 10 bis 30% der Fische getötet. Die Abgeordnetenkammer machte 2002 den Bau von Fischleitsystemen zur Pflicht, aber bis heute hat sich noch nicht die beste Technik herausgestellt.

  • Röhren, Mixer und Drachen
    Pelamis, http:\www.oceanpd.com

    Neben Turbinen gibt es eine Anzahl von anderen Möglichkeiten der Energieerzeugung. Wichtig dabei ist, dass die Apparate sehr robust sind, denn die Kräfte des Meeres sind enorm. Vor der Küste von Portugal wurde 2004 mit einem Test der Archimedes Waterwing begonnen. Dies ist eine Art Riesenröhre mit einem Durchmesser von 10 Meter, die von der niederländischen Firma Teamwork Technology entwickelt wurde. Der Apparat besteht aus zwei Zylindern. Der obere Zylindern bewegt sich unter dem Einfluss der Wellen auf und nieder, da er mit Luft gefüllt ist. Er schiebt sich über den zweiten Zylinder, der auf dem Boden steht. Magnete setzen die Bewegung in Elektrizität um. So ein Gerät hat eine Höhe von insgesamt 35 Metern und kann 2 Megawatt produzieren. Seit September 2001 wurden 3 Versuche unternommen, um den Prototyp abzusenken, aber erst 2004 ist dies gelungen. Verläuft das Experiment erfolgreich, dann wollen die Produzenten einen ganzen Park mit Wellenkraftwerken anlegen.
    Vor der dänischen Küste wurde 2002 der Wave Rotor installiert, eine Art umgedrehter Mixer. Die Meeresströmung sorgt dafür, dass sich die 'Mixerstäbe' drehen, unabhängig von der Strömungsrichtung, während die Wellen eine vertikale Bewegung generieren. Der Apparat wurde vom Planungsbüro Ecofys in Utrecht entwickelt. Das Projekt wird vom Danish Wave Energy Program unterstützt, das jedoch von der konservativen dänischen Regierung wieder gestoppt wurde. Ebenfalls in Dänemark wurde der Wave Dragon entwickelt. Dies ist eine Art Boot, über das die Wellen hinweg schlagen. Durch einen Ausguss, in dem eine Turbine sitzt, läuft das Wasser wieder heraus. 2004 begann das erste Testexemplar mit seiner Arbeit.

    In Schottland wurde ein ganz anderer Apparat entwickelt, der Pelamis. Das ist eine bewegliche Schlange von 120 Metern, die auf den Wellen treibt. Die Bewegung der Scharniere wird in Elektrizität umgesetzt, wodurch 0,75 Megawatt produziert werden können.

  • Nutzung der Wasserkraftenergie
    Jahr % des gesamten niederländischen Energieverbrauches
    1995 0,10
    2000 0,14
    2003 1,44 (0,07 aus den Niederlanden + 0,59 aus dem Ausland)
    2004 2,32 (0,08 aus den Niederlanden + 2,24 aus dem Ausland)
    2005 7,32 (0,08 aus den Niederlanden + 7,34 aus dem Ausland)
    Quelle: Statistisch Jaarboek 2006