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Windpark vor der Küste bei Egmond, Han Lindeboom, Wageningen IMARES

Windparks auf dem Meer

Auf dem Meer weht der Wind viel stärker als an Land, wodurch Windparks sich dort besser rentieren. Die niederländische Regierung will 2030 6000 Megawatt an Windenergie auf dem Meer erzeugen, um den Kyoto-Zielen für eine nachhaltige Energieerzeugung zu genügen, was etwa 15% des niederländischen Energiebedarfes entspricht. In Dänemark besteht bereits ein ähnlicher Park. Auch in den Niederlanden wird flott gebaut: Der erste Park vor der Küste bei Egmond ist schon fertig, ein zweiter bei IJmuiden wurde 2008 eröffnet und es gibt Pläne für dutzende weiterer Parks. In Deutschland wird der erste Windpark im Meer 2009 gebaut werden.

  • Letztlich 1000 Quadratkilometer

    Ein Windpark auf See wird aufgrund der höheren Windgeschwindigkeiten ein höheres Rendement haben. 2010 sollen, nach Wünschen der niederländischen Regierung, bereits 700 Megawatt aus den Windparks auf der Nordsee stammen, was sich dann auf 6000 MW im Jahre 2020 steigern soll. Abhängig von der Leistung der Windenergieanlagen müssen dafür 1200-2000 Windmühlen aufgestellt werden. Hierfür werden etwa 1000 Quadratkilometer Fläche benötigt.
    Die Windräder werden über 100 Meter hoch und haben 60 bis 70 Meter lange Rotorblätter. Sie werden gruppenweise in langen Reihen aufgestellt. Die Windparks selber sowie eine 500 Meter breite Zone darum herum sind Sperrgebiet für die Schifffahrt, so sollen Unfälle verhindert werden. Derzeit muss noch sehr viel subventioniert werden, aber um 2030 sollen sich die Windparks auf dem Meer rentieren. Mit Ausnahme des Windparkes bei Egmond aan Zee müssen die Windparks außerhalb der 12-Meilen-Zone liegen.

  • Gefahr für die Schifffahrt?

    TNO hat untersucht, ob Windparks eine Gefahr für die Schifffahrt darstellen. Die Studie zeigte, dass das Risiko von Unfällen nicht durch die Anwesenheit von Windrädern zunimmt, sondern durch den stärkeren Verkehr auf den Fahrrouten, da die Schiffe dann die Windparks umfahren müssen. Dadurch steigt das Risiko auf Schiffsunglücke zwischen den Schiffen. Auch das Risiko, dass ein unmanövrierbares Schiff gegen ein Windrad stößt, steigt.
    Die Umweltbewegung ist für Windparks auf dem Meer. Allerdings müssen die Standorte sehr sorgfältig ausgewählt werden, so dass das Meeresleben so wenig wie möglich gestört wird und das Unfallrisiko mit Schiffen so gering wie möglich ist. Die Fischer befürchten, dass die Windparks auf Kosten ihrer Fischereigebiete gehen.

  • Folgen für die Natur

    Die Folgen für die Natur werden erst bekannt sein, wenn die Windräder stehen. Es wurde in großem Maßstab die Situation vor dem Bau der Windräder kartiert, so dass die Verbreitung der Bodentiere, Fische, Meeressäugetiere und Vögel bekannt ist. Nach dem Aufstellen der Windräder wird die Studie wiederholt werden. Da rund um die Windräder nicht gefischt werden darf, werden die Fische in einen solchen Windpark vermutlich einen sicheren Zufluchtsort finden.
    Beim Bau der Windparks können möglicherweise Schäden am Gehör von allerlei Tieren auftreten. So können Schweinswale in großen Mengen Opfer der Rammarbeiten werden, die für ein gutes Fundament der Windräder nötig sind. Die Pfähle werden dabei 30 Meter tief in den Meeresboden gerammt. Der Unternehmer setzt zwar Pinger ein, um die Schweinswale zu verjagen, aber es ist nicht sicher, dass keine Schweinswale durch den Lärm der enormen Schläge beim Rammen getötet werden.
    Es ist noch nicht bekannt, welche Auswirkungen die Windräder auf die Vögel haben, die über die Nordsee fliegen. Eine Möglichkeit ist, dass sie in die Rotorblätter kommen und zerhackt werden. In Dänemark, wo seit 2002 Windparks im Meer stehen, wurde ein Jahr nach der Inbetriebnahme ein Zwischenstand aufgenommen: Tagsüber bleiben die Vögel in einem großen Abstand zu den Windrädern. Nachts wird der Abstand jedoch kleiner, da die Vögel die Windräder dann nicht sehen. Eine gewisse Anzahl von Vögeln fliegt tatsächlich gegen die Rotorblätter, aber das ist vermutlich nicht dramatisch. Eine andere Auswirkung ist, dass die Zugvögel einen Umweg fliegen müssen und dadurch extra Energie verlieren, und somit vermutlich einem geringeren Bruterfolg haben.
    In den Niederlanden läuft eine Testanlage, mit der registriert werden soll, ob Vögel gegen die Windräder fliegen. Vier Mikrofone registrieren dabei das Geräusch der Windräder und eine Videokamera springt an, wenn ein unbekanntes Geräusch registriert wird. Die Bilder werden an einen Computer an Land geschickt, an dem ein Vogelkundler sieht, um welchen Vogel es sich handelt.

  • Technische Probleme

    Die wichtigsten technischen Probleme beim Bau eines Windparks auf dem Meer sind die Kräfte, die auf die Windräder wirken, die starke Korrosion durch das Salzwasser, die höhere Wahrscheinlichkeit eines Blitzschlages sowie die Reparaturanfälligkeit. Da ein Windpark auf dem Meer sehr weit weg liegt, wird probiert, Wartungsarbeiten auf ein Minimum zu beschränken.

  • Ist die Windenergie rentabel?

    Das Amt für Statistik hat im Auftrag der niederländischen Regierung eine gesellschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt. Das Ergebnis der Studie war, dass bei einer Realisierung von 6000 Megawatt-Windkraftanlagen auf der Nordsee die Kosten höher sein werden als der Nutzen. Das bedeutet: Der Bau der Windkraftanlagen kostet Milliarden Euro an Subventionen, bringt aber wenig für die Ökonomie und das Klima. Die Windenergie wird viel vorteilhafter in einem Szenario, bei dem die Windparks in Phasen eingeführt werden, in Kombination mit einer strengen internationalen Klimapolitik. Denn wenn wenig CO2 abgegeben werden darf, dann wird die Nutzung von Erdöl zurück gedrängt und ist die Windenergie eine bessere Alternative, wodurch das Kosten-Nutzen-Verhältnis in eine bessere Balance gebracht wird.