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Herzmuschelfangschiff, Foto Fitis, www.fotofitis.nl

Herzmuschelfischerei

Das Wattenmeer war das bei weitem wichtigste Fanggebiet von Herzmuscheln. Auch in den Vordeltagebieten sowie der Ooster- und Westerschelde werden beachtliche Mengen Herzmuscheln aufgefischt. Gerade in den südeuropäischen Ländern ist diese Spezialität sehr gefragt. Das machte die Herzmuschelfischerei zu einer lukrative Tätigkeit mit einem durchschnittlichen Jahresumsatz zwischen 45 und 68 Millionen Euro. Aber die Saugkurren zerstören den Boden des Wattenmeeres und auch die Vögel in diesem Gebiet brauchen die Herzmuscheln.

  • Harken und Saugkurren

    Herzmuscheln werden in den Niederlanden bereits seit dem Mittelalter mit einer Art Harke gefischt und seit 1950 auch mechanisch von Schiffen. Die mechanische Fischerei verwendet eine Herzmuschelkurre, eine Art Korb auf Schlitten und zwischen den Schlitten ein Messer. Mit dem Spülrohr vor dem Messer wird der Sand zwischen den Herzmuscheln weggespült, die danach mit einer Art Staubsauger an Bord gesogen werden.
    Seit Anfang der 1970er hat die mechanische Herzmuschelfischerei stark zugenommen. Obwohl die Zahl der Genehmigungen 1974 auf 37 festgesetzt wurde, nahmen die Fänge durch die Vergrößerung der Kapazität und Verbesserung der Fangtechniken zu. 1991 wuchs die Herzmuschelfischereiflotte auf 40 Schiffe an. 1999 gab es 37 genehmigte Betriebe, die zusammen 22 Schiffe betrieben. Bis 2003 gab es bei diesen Zahlen keine Veränderung. Insgesamt waren etwa 400 Menschen in der Herzmuschelfischerei beschäftigt.

  • Paella

    Nach der Reinigung werden die Herzmuscheln gekocht und danach eingefroren oder in Dosen verpackt. In den Niederlanden werden die Herzmuscheln kaum gegessen. Die Herzmuscheln werden vor allem nach Spanien (Paella!) und Portugal exportiert. Die Herzmuschelsaison beginnt etwa Anfang September und dauert drei Monate. Herzmuschelfischer müssen eine spezielle Erlaubnis im Rahmen des Naturschutzgesetzes haben.

  • Herzmuschelbestand

    Der Bestand an Herzmuscheln schwankt von Jahr zu Jahr. Im Wattenmeer gab es 1990 rund 23 Millionen Kilo Herzmuscheln, 1991 waren es nur 5 Millionen Kilo und 1992 gab es wieder 40 Millionen Kilo. Ein paar Jahre später, 1998, gab es als Folge des milden Winters sogar 145 Millionen Kilo Herzmuscheln in den niederländischen Gezeitengewässern. Aus dem Wattenmeer wurden in dem Jahr 9 Millionen Kilo von Herzmuschelfischern weggefischt, aus der Westerschelde waren es 0,6 Millionen Kilo, die Oosterschelde dagegen war für die Herzmuschelfischerei gesperrt.
    Die Ursachen dieser Bestandsschwankungen sind noch nicht bekannt. In jedem Fall haben besonders strenge wie auch besonders milde Winter einen Einfluss auf den Herzmuschelbestand. Viele Herzmuscheln sterben in strengen Wintern. In milden Wintern überleben alle Herzmuscheln, auch die Schwachen, und ebenso überleben die Organismen, die schädlich für die Muscheln sein können.

  • EVA2

    Staatssekrtär Faber hatte inzwischen im Jahre 2000 eine Studie über die Auswirkungen der Herzmuschelfischerei in Auftrag gegeben (EVA2). Die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Studie sollten richtungsweisend für die neue Muschelfischereipolitik der kommenden zehn Jahre sein. Im Januar 2004 wurden die Ergebnisse dieser Studie vom Landwirtschaftsministerium vorgestellt. Das wichtigste Ergebnis war, dass die Herzmuschelfischerei einen beträchtlichen Schaden im Wattenmeer anrichtet, es könnte aber möglich sein, in der Zukunft in kleinem Maßstab nachhaltig zu fischen.
    Weitere Ergebnisse aus der EVA2-Studie:
    - durch die Abnahme der Nährstoffe im Wasser könnten weniger Muscheln im Wattenmeer überleben
    - die Herzmuschelfischerei beeinflusst die Ansiedlung von Seegras
    - die Miesmuschelbänke haben sich durch die Fischereipolitik einigermaßen erholt
    - in den gesperrten Gebieten gab es mehr Biomasse von Herzmuscheln als in den offenen Gebieten
    - es wurde in den letzten Jahren zu wenig Nahrung für die Vögel reserviert
    - die Zahl der Austernfischer hat abgenommen, vermutlich durch das Fehlen von Miesmuschelbänken
    - die Zahl der Eiderenten ist vermutlich durch Nahrungsmangel gesunken.
    Des weiteren wurde empfohlen, ein gutes Monitoringsprogramm zu starten, so dass das Wattenmeer systematisch beobachtet wird.

  • Beratergremium Wattenmeerpolitik ('Commissie-Meijer')

    Um die Regierung über die Muschelfischerei und Erdgasförderung in Relation zur Natur beraten zu können, wurde das Beratergremium Wattenmeerpolitik ('Commissie-Meijer') eingerichtet. Die Kommission schlug u.a. vor, die Herzmuschelfischerei innerhalb von sieben Jahren bis auf ein nachhaltiges Niveau abzubauen, sowie die Erdgasförderung zu erlauben.

  • Ende der Herzmuschelfischerei

    Im September 2004 urteilte der europäische Gerichtshof, dass die Regierung nur noch eine Genehmigung für Aktivitäten wie die maschinelle Herzmuschelfischerei erteilen darf, wenn die Sicherheit besteht, dass keine schädlichen Folgen für die natürlichen Habitate sowie die wilde Flora und Fauna entstehen. Der Raad van State hat u.a. auf dieser Basis die Anfrage der Herzmuschelfischer, um 2004 im Wattenmeer fischen zu dürfen, abgewiesen. Zum 1. Januar 2005 wurde die maschinelle Herzmuschelfischerei im Wattenmeer abgeschafft. Minister Veerman verkündete zudem, dass er die Muschelfischerei auf der Nordsee ebenfalls beschränken will. Damit will er verhindern, dass die Herzmuschelfischer dort auf Trogmuscheln und Schwertmuscheln gehen. Als Ausgleich bekamen die Fischer rund 123 Millionen Euro.
    Ende 2006 erschien eine Übersicht über die Schäden, die durch die Herzmuschelfischerei verursacht wurden. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass der Bestand einiger Zugvogelarten, wie der Knutt, durch die Herzmuschelfischerei abgenommen hat. In den besten Zeiten gab es bis zu 120.000 Knutts, heute sind es nur noch 20.000. Die Ursache liegt nicht nur in dem Wegfischen der Herzmuscheln, wodurch weniger Nahrung für die Vögel zur Verfügung steht, sondern auch in der Sedimentveränderung, die durch das Umwühlen des Bodens auftritt, wodurch der Wattboden weniger schlickig und sandiger wird. Dadurch verschlechtern sich die Lebensbedingungen für die Schalentiere, die in der Folge weniger Fleisch enthalten. Die Folge für die Wattvögel ist, dass es nicht nur weniger zu fressen gibt, auch die vorhandene Nahrung hat eine schlechtere Qualität.

  • Verbot

    Seit 2005 ist die mechanische Herzmuschelfischerei im Wattenmeer für immer verboten. Zwischen 2004 und 2006 wurde auch die Herzmuschelfischerei in der Oosterschelde stillgelegt, hier aber nur für eine befristete Zeit. Die manuelle Herzmuschelfischerei ist in begrenztem Maße im Wattenmeer weiterhin erlaubt.
    Dem endgültigen Verbot für das Wattenmeer ging eine lange und zeitweilig heftige Diskussion über die wissenschaftliche Forschung voraus. Im Kapitel EVA2 wird davon eine Zusammenfassung gegeben. Beschließt die Regierung die Abschaffung einer bestimmten Form der Fischerei, dann verhindert eine Sanierungs- und Abwrackregelung für Schiffe, dass diese anderswo weiter eingesetzt werden. Das ist im Falle der mechanischen Herzmuschelfischerei nicht passiert. Die Fischer haben allerdings einen finanziellen Ausgleich empfangen, insgesamt waren dies 85 Millionen Euro.
    Die Herzmuschelfischerei war schon immer ein risikoreicher Betriebszweig. In guten Jahren gab es ausreichend Herzmuscheln, aber in schlechten Jahren konnte der Fang auf fast gar nichts bestehen. Als Folge der strengen Winter von 1995/96 und 96/97 gab es nur so wenig Herzmuscheln zu ernten, dass die Flotte kaum ausfahren konnte. Die Jahre 1998 und '99 waren dagegen ausgesprochen gute Herzmuscheljahre.

  • Harken und Saugkurren

    Herzmuscheln werden in den Niederlanden bereits seit dem Mittelalter mit einer Art Harke gefischt und seit 1950 auch mechanisch von Schiffen. Die mechanische Fischerei verwendet eine Herzmuschelkurre, eine Art Korb auf Schlitten und zwischen den Schlitten ein Messer. Mit dem Spülrohr vor dem Messer wird der Sand zwischen den Herzmuscheln weggespült, die danach mit einer Art Staubsauger an Bord gesogen werden.
    Seit Anfang der 1970er hat die mechanische Herzmuschelfischerei stark zugenommen. Obwohl die Zahl der Genehmigungen 1974 auf 37 festgesetzt wurde, nahmen die Fänge durch die Vergrößerung der Kapazität und Verbesserung der Fangtechniken zu. 1991 wuchs die Herzmuschelfischereiflotte auf 40 Schiffe an. 1999 gab es 37 genehmigte Betriebe, die zusammen 22 Schiffe betrieben. Bis 2003 gab es bei diesen Zahlen keine Veränderung. Insgesamt waren etwa 400 Menschen in der Herzmuschelfischerei beschäftigt.

  • Paella

    Nach der Reinigung werden die Herzmuscheln gekocht und danach eingefroren oder in Dosen verpackt. In den Niederlanden werden die Herzmuscheln kaum gegessen. Die Herzmuscheln werden vor allem nach Spanien (Paella!) und Portugal exportiert. Die Herzmuschelsaison beginnt etwa Anfang September und dauert drei Monate. Herzmuschelfischer müssen eine spezielle Erlaubnis im Rahmen des Naturschutzgesetzes haben.

  • Herzmuschelbestand

    Der Bestand an Herzmuscheln schwankt von Jahr zu Jahr. Im Wattenmeer gab es 1990 rund 23 Millionen Kilo Herzmuscheln, 1991 waren es nur 5 Millionen Kilo und 1992 gab es wieder 40 Millionen Kilo. Ein paar Jahre später, 1998, gab es als Folge des milden Winters sogar 145 Millionen Kilo Herzmuscheln in den niederländischen Gezeitengewässern. Aus dem Wattenmeer wurden in dem Jahr 9 Millionen Kilo von Herzmuschelfischern weggefischt, aus der Westerschelde waren es 0,6 Millionen Kilo, die Oosterschelde dagegen war für die Herzmuschelfischerei gesperrt.
    Die Ursachen dieser Bestandsschwankungen sind noch nicht bekannt. In jedem Fall haben besonders strenge wie auch besonders milde Winter einen Einfluss auf den Herzmuschelbestand. Viele Herzmuscheln sterben in strengen Wintern. In milden Wintern überleben alle Herzmuscheln, auch die Schwachen, und ebenso überleben die Organismen, die schädlich für die Muscheln sein können.

  • Krieg im Watt

    Wattvogelspezialist Theunis Piersma, 200 andere Biologen, 800 Sympathisanten und 20 Naturschutzorganisationen riefen Staatssekretär Faber bereits im Jahre 2000 dazu auf, den Herzmuschelfischern keine Genehmigungen mehr zu erteilen, da diese Art der Fischerei große Schäden an der Umwelt anrichtet. So zeigte eine längerfristige Studie der Bodenfauna rund um die Insel Griend, dass die Erholung nach einem Fischzug auf Herzmuscheln 8 Jahre dauern kann. Eine andere Auswirkung wurde in der ernormen Sterblichkeitsrate bei den Eiderenten deutlich. Durch Nahrungsmangel starben 2000 und 2001 jeweils 20.000 Vögel, 20% der Population. Dies stand im Zusammenhang mit der Herzmuschelfischerei.
    Es folgte ein jahrelanger heftiger Streit zwischen den Herzmuschelfischern und ihren Vertretern auf der einen und den Naturschutzorganisationen auf der anderen Seite. Die Aktionsgruppe 'Wilde Kokkels' (wilde Herzmuscheln) deponierte tote Eiderenten bei der UN Naturkonferenz in Den Haag. Fischer schlugen während der Fischereitage in Lauwersoog Demonstranten zu Boden, dies vor den Augen der Kameras. In Zeitungen und anderen Medien wurde die Herzmuschelfischerei vielfältig behandelt. Aber die Herzmuschelfischer bekamen jedes Jahr wieder eine Genehmigung vom Ministerium, worüber sich die Naturschutzorganisationen wieder beschwerten, häufig ohne Erfolg. Über 'Die Verschörung im Wattenmeer' drehte das Fernsehprogramm Zembla einen Dokumentarfilm.

  • EVA2

    Staatssekrtär Faber hatte inzwischen im Jahre 2000 eine Studie über die Auswirkungen der Herzmuschelfischerei in Auftrag gegeben (EVA2). Die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Studie sollten richtungsweisend für die neue Muschelfischereipolitik der kommenden zehn Jahre sein. Im Januar 2004 wurden die Ergebnisse dieser Studie vom Landwirtschaftsministerium vorgestellt. Das wichtigste Ergebnis war, dass die Herzmuschelfischerei einen beträchtlichen Schaden im Wattenmeer anrichtet, es könnte aber möglich sein, in der Zukunft in kleinem Maßstab nachhaltig zu fischen.
    Weitere Ergebnisse aus der EVA2-Studie:
    - durch die Abnahme der Nährstoffe im Wasser könnten weniger Muscheln im Wattenmeer überleben
    - die Herzmuschelfischerei beeinflusst die Ansiedlung von Seegras
    - die Miesmuschelbänke haben sich durch die Fischereipolitik einigermaßen erholt
    - in den gesperrten Gebieten gab es mehr Biomasse von Herzmuscheln als in den offenen Gebieten
    - es wurde in den letzten Jahren zu wenig Nahrung für die Vögel reserviert
    - die Zahl der Austernfischer hat abgenommen, vermutlich durch das Fehlen von Miesmuschelbänken
    - die Zahl der Eiderenten ist vermutlich durch Nahrungsmangel gesunken.
    Des weiteren wurde empfohlen, ein gutes Monitoringsprogramm zu starten, so dass das Wattenmeer systematisch beobachtet wird.

  • Beratergremium Wattenmeerpolitik ('Commissie-Meijer')

    Um die Regierung über die Muschelfischerei und Erdgasförderung in Relation zur Natur beraten zu können, wurde das Beratergremium Wattenmeerpolitik ('Commissie-Meijer') eingerichtet. Die Kommission schlug u.a. vor, die Herzmuschelfischerei innerhalb von sieben Jahren bis auf ein nachhaltiges Niveau abzubauen, sowie die Erdgasförderung zu erlauben.

  • Ende der Herzmuschelfischerei

    Im September 2004 urteilte der europäische Gerichtshof, dass die Regierung nur noch eine Genehmigung für Aktivitäten wie die maschinelle Herzmuschelfischerei erteilen darf, wenn die Sicherheit besteht, dass keine schädlichen Folgen für die natürlichen Habitate sowie die wilde Flora und Fauna entstehen. Der Raad van State hat u.a. auf dieser Basis die Anfrage der Herzmuschelfischer, um 2004 im Wattenmeer fischen zu dürfen, abgewiesen. Zum 1. Januar 2005 wurde die maschinelle Herzmuschelfischerei im Wattenmeer abgeschafft. Minister Veerman verkündete zudem, dass er die Muschelfischerei auf der Nordsee ebenfalls beschränken will. Damit will er verhindern, dass die Herzmuschelfischer dort auf Trogmuscheln und Schwertmuscheln gehen. Als Ausgleich bekamen die Fischer rund 123 Millionen Euro.
    Ende 2006 erschien eine Übersicht über die Schäden, die durch die Herzmuschelfischerei verursacht wurden. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass der Bestand einiger Zugvogelarten, wie der Knutt, durch die Herzmuschelfischerei abgenommen hat. In den besten Zeiten gab es bis zu 120.000 Knutts, heute sind es nur noch 20.000. Die Ursache liegt nicht nur in dem Wegfischen der Herzmuscheln, wodurch weniger Nahrung für die Vögel zur Verfügung steht, sondern auch in der Sedimentveränderung, die durch das Umwühlen des Bodens auftritt, wodurch der Wattboden weniger schlickig und sandiger wird. Dadurch verschlechtern sich die Lebensbedingungen für die Schalentiere, die in der Folge weniger Fleisch enthalten. Die Folge für die Wattvögel ist, dass es nicht nur weniger zu fressen gibt, auch die vorhandene Nahrung hat eine schlechtere Qualität.