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Küstenschutz   Sandaufspülung   
Sandaufspülung auf Texel, Foto Fitis, www.fotofitis.nl

Sandaufspülung

Dünen werden von Wind und Wasser aufgebaut und auch wieder abgebrochen. Manchmal spült mehr Sand weg als wieder angespült wird. Seit 1979 gleicht Rijkswaterstaat den Küstenabbruch durch das Aufspülen von Sand auf den Strand vor der niederländischen Küste wieder aus. Seit 1990 ist dies die häufigste Form des Küstenschutzes und seit 1993 werden auch große Sandmengen auf die Vorufer gespült. Das Ziel ist die Erhaltung der Küstenlinie von 1990. Da die Sandaufspülungen sehr teuer sind, wird nach Alternativen gesucht. So wurde bei Egmond 2006 ein Testprojekt gestartet, in dem vertikale Drainageröhren im Sand für einen natürlichen Sandzuwachs sorgen müssen.

  • Woher und wohin
    Beach nourishment, Ecomare

    Der Sand wird an Stellen gewonnen, die einige Kilometer vor der Küste liegen. Auch Sand aus Fahrrinnenvertiefungen wird für Aufspülungen genutzt. Zwischen 1990 und 2000 wurden in den Niederlanden jedes Jahr rund 7 Millionen Kubikmeter Sand aufgespült. Es wird erwartet, dass durch den verstärkten Meeresspiegelanstieg noch mehr Sandaufspülungen stattfinden müssen.
    Auch auf den Ostfriesischen und Nordfriesischen Inseln müssen die Strände regelmäßig mit neuem Sand versorgt werden. So gingen bei den schweren Winterstürmen 1998/99 z. B. auf Baltrum und Wangerooge die Badestrände fast komplett verloren. Auch Sylt ist durch die ständigen Sandverluste stark gefährdet.

  • Aufgesogene Bodentiere und -schätze
    Steine am strand von Sandauspülung, Foto Fitis, www.fotofitis.nl

    Der Sand für die Aufschüttung wird in einer Tiefe von als 20 Meter an einer küstenfernen Stelle aufgesogen. Am Strand ist gut zu erkennen, dass der Sand von einem anderen Ort stammt. Mit diesem Sand gelangen auch Bodentiere an den Strand, die man normalerweise hier nicht findet. Die Küstenvögel profitieren bei jeder Sandaufspülung, denn auch leckere Bodenfische wie junge Schollen und Steinbutte landen nach einer Reise mit dem Hopperbagger am Strand! Andere aufgesogene Bodenschätze sind die fossilen Knochen eines Walrosses, frühmittelalterliche Münzen und Silberinge sowie Werkzeuge aus Feuerstein von den Bänken in der Nordsee, die früher bewohnt waren. Bei Aufspülungen in Zeeland landen auch häufig fossile Hai- und Roggenzähne mit dem Sand auf den Strand. Diese stammen von einer küstennahen Sandbank.

  • Voruferaufschüttung
    Übersicht Strand- und Vorstrandaufschüttung., Ecomare
    Übersicht Strand- und Vorstrandaufschüttung., Ecomare

    1993 wurde vor der Küste von Terschelling zum ersten Mal in den Niederlanden eine Unterwasseraufspülung durchgeführt. An der Nordküste von Terschelling war damals eine Sandaufspülung erforderlich. Voruferaufspülungen sind billiger als Strandaufspülungen, da der Sand weniger weit transportiert werden muss. Mit demselben Budget kann somit mehr Sand für den Küstenschutz eingesetzt werden. Darüberhinaus gibt es keine störenden Arbeiten am Strand.
    Zwei Millionen Kubikmeter Sand wurden kurz vor der Küste in einer Tiefe von etwa sechs Metern aufgespült. Aufgrund von Erfahrungen in Australien und den Vereinigten Staaten wurde erwartet, dass das Anbringen einer 'Verschleißschicht' kurz vor der Küste den Rückgang der Küstenlinie kompensieren kann. Die Erwartungen erfüllten sich, das Experiment der Voruferaufspülung bei Terschelling hatte derartig günstige Auswirkungen, dass Rijkswaterstaat diese Methode jetzt auch in vielen anderen Küstenbereichen anwendet.

  • Ökologische Folgen

    Auch die ökologischen Folgen der Unterwasseraufschüttung auf Terschelling wurden mit Subventionen der Europäischen Union untersucht. Diese Untersuchung konzentrierte sich auf den Umfang und die Dauer der Störung des Bodenlebens auf dem Unterwasserufer. Etwa ein halbes Jahr nach der Aufschüttung war die Dichte der Bodenfauna schon wieder etwa halb so groß wie vor dem Eingriff. Vor allem die Muscheln waren zahlenmäßig zurück gegangen. Würmer und Krebstiere erholten sich schneller.
    Zwei Jahre nach der Aufspülung war die Dichte der Bodentiere wieder mit der ursprünglichen Situation vergleichbar. Nur die Trogmuscheln, Sägezähnchen und Große Herzigel hatten sich noch nicht erholen können.
    Dieses Erholungsmuster zeigt, dass für Meeresfische nicht viele Risiken mit der Voruferaufspülung verbunden sind. Die Fische, die in Küstengewässern häufig vorkommen, ernähren sich vor allem von Würmern und Krebstieren, die sich schnell erholen. Für Tauchenten, wie die Trauerente, sind die Risiken größer. Diese Enten ernähren sich vor allem von bankenbildenden Schalentieren. Wenn eine solche Bank durch die Aufspülung zerstört wird, kann es einige Jahre dauern, bis die Enten wieder Nahrung finden können.
    Im Gebiet der Sandgewinnung traten etwa vergleichbare Effekte auf. Auch hier gab es eine schnelle Erholung bei Würmern und Krebstieren sowie eine beträchtliche Zerstörung von langlebigen Arten wie Muscheln und Seeigel.
    Da die Sandaufspülungen ökologische und geologische Folgen haben, wird diese in Zukunft unter der Natura 2000-Regelung zu prüfen sein. 2008 geht Rijkswaterstaat davon aus, dass die Aufspülung unter der Kategorie 'bestehende Aktivitäten' fällt und darum keine jährliche Genehmigung nötig sein wird. Um dies zu überprüfen, wurde 2008 eine Genehmigung für eine ergänzende Aufspülung auf Texel angefragt.