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Andere Bodenschätze   Muschelschill   

Gewinnung von Muschelschill

Bereits im zehnten Jahrhundert n. Chr. wurde Muschelschill gewonnen, vornehmlich durch das Zusammenharken und Einsammeln der Muschelschalen auf den trockengefallenen Bereichen des Meeres. Heute wird Muschelschill von Betrieben gewonnen, die sich auf die Gewinnung von sauberem Muschelschill aus Sand- oder Kleiablagerungen spezialisiert haben. Auch Betriebe, die Muscheln für den Verzehr kochen, liefern Schalen. Muschelschill wird verwendet für Drainagen, der Härtung von Fahrradwegen, in Kalkmehl, in der Mischfutterindustrie, für die Bodenisolierung etc.

  • Wattenmeerinseln
    Schillgewinnung im Wattenmeer, Ecomare

    Bei dem Muschelschill aus dem Wattenmeer, der seit den 1980ern als Isoliermaterial für Fußböden sehr beliebt ist, handelt es sich zum größten Teil um fossile Herzmuscheln (75%), die von fossilen Herzmuschelbänken abgefischt werden. Der Anteil von Baltischen Plattmuscheln beträgt 4%.
    Früher trug die Muschelschillgewinnung zum Lebensunterhalt der Inselbewohner bei. Der größte Teil der Schalen wurde ans Festland verkauft. Dort wurden die Schalen u.a. zur Kalkproduktion genutzt. Hierfür wurden die Schalen in größen Öfen verbrannt.

  • Politik
    Berg aus Miesmuschelschalen, Ecomare

    Um der Ausbeutung von Muschelbänken vorzubeugen, wurden Quoten eingeführt. Bis 1998 durften niederländische Muschelschillförderer im Wattenmeer jährlich 178.000 Kubikmeter fossile Muschelschalen gewinnen. 1998 wurde die Quote auf 200.000 Kubikmeter erhöht. Diese Quote beruht auf Berechnungen des NIOZ, wo man davon aus geht, dass rund 250.000 Kubikmeter Muschelschalen per Jahr nachwachsen. 1998 wurden 160.000 Kubikmeter Muschelschalen gefördert.
    Die heutige Politik für die Muschelschillgewinnung ist in der Landelijke Beleidsnota Schelpenwinning von 1998 festgelegt, sie wurde 2004 überarbeitet. In den Niederlanden werden die Schalen in den Seegatts des Wattenmeeres, der Westerschelde, im Voordelta und in der Nordsee gewonnen. Pro Jahr dürfen 290.000 Kubikmeter Muschelschalen gewonnen werden, davon 210.000 im Wattenmeer (90.000 Kubikmeter im Gebiet der PKB) und 80.000 Kubikmeter in den zeeländischen Gewässern. Im Wattenmeer konzentriert sich die Muschelschillgewinnung auf drei Seegatts (Marsdiep, Vlie und Friese Zeegat).
    In den deutschen Nationalparks im Wattenmeer und im dänischen Wattenmeer ist die Muschelschillgewinnung nicht erlaubt.

  • Küstenerosion durch Schillgewinnung?

    Ende 1999 wurde im Auftrag des Wattenmeer-Beraterausschusses untersucht, wie sich der mögliche Einfluss der Schillgewinnung auf das Verhalten der Wattenmeerinseln auswirkt. Die wichtigste Schlußfolgerung der Studie war, dass die Auswirkungen der Schillgewinnung - mit den heutigen Fördermengen - unbedeutend sind. Für die westlichen Inseln wurde eine zusätzliche Küstenerosion von höchstens 18 cm pro Jahr berechnet, für die östlichen Inseln sind es höchstens 8 cm im Jahr. Bei einer konzentrierten Gewinnung oder einer Gewinnung während mehrerer Jahre auf derselben Stelle, könnten dagegen sehr wohl deutliche Auswirkungen an den Inselküsten auftreten.