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Förderung von Bodenschätzen   Förderplattformen   
Standorte der größeren Bohrplattformen, Ecomare

Förderplattformen

2007 standen 982 Öl- und Gasförderplattformen in der Nordsee. Diese Zahl beinhaltet neben den eigentlichen Bohrplattformen auch die Serviceplattformen und nicht mehr genutzte Plattformen. Großbritannien und Norwegen besaßen die Mehrheit der Öl- und Erdgasplattformen: 590 beziehungsweise 193. Die Niederlande hatten 143 Plattformen in der Nordsee, Dänemark hatte 53 und Deutschland 3.

  • Produktionsplattformen
    Forderplattform, Marijke de Boer

    In der südlichen Nordsee findet vor allem Erdgasförderung statt. In der mittleren und nördlichen Nordsee stehen sowohl Erdöl- als auch Erdgasförderplattformen.
    Auf den Produktionsplattformen stehen die Installationen, die das Öl oder Gas aus den Boden fördern. Auf diesen Plattformen befinden sich manchmal auch die Unterkünfte für die Besatzung, sie können aber auch unbemannt sein. Andere Plattformen sind speziell für den Umschlag von Erdöl oder für die Behandlung von Erdgas für den Transport durch Pipelines zum Festland eingerichtet. Für Probebohrungen gibt es ebenfalls spezielle Bohrinseln.

    Zwischen 1980 und 2006 stieg die Anzahl der Produktionsplattformen auf dem niederländischen Teil der Kontinentalplatte (NCP) von 22 auf 156. Jährlich werden auf der Niederländischen Kontinentalplatte, abhängig vom Bedarf und der Genehmigungspolitik, zwischen 4 und 30 Erkundungsbohrungen nach Bodenschätzen durchgeführt. Insgesamt wurden mehr als 2500 Kilometer Pipelines verlegt.

  • Verschiedene Typen von Bohrinseln

    Verschiede Typen Förderplattformen Auf der Nordsee finden zwei Grundtypen von Förderplattformen Verwendung: Bei den einen steht der Aufbau auf einem Stahlfuss (Jacket), bei den anderen auf einem Betonfuss.
    Die Unterteile der Stahlplattformen werden an Land hergestellt. Dann wird die ganze Konstruktion auf dem Wasser liegend zum Bestimmungsort - einen Öl- oder Gasfeld - geschleppt. Dort wird der Fuss verankert, manchmal bis hundert Meter tief. Danach werden mit Hilfe von Schwimmkänen die Aufbauten gefertigt, die in Einzelstücken mit Frachtschleppern herbeigeschifft werden. Eine Stahlplattform hat praktisch keine Speicherkapazitäten, deshalb ist sie für Ver- und Entsorgung auf schwimmende Tanker oder Pipelines angewiesen.
    Betonplattformen werden in geschützten Gewässern konstruiert und dann vertikal schwimmend und bereits mit einem Großteil der Apparatur ausgestattet zum Bestimmungsort geschleppt. Dort werden sie versenkt. Betonplattformen werden nicht verankert, weil sie durch ihr Eigengewicht auch Stürmen widerstehen sollen. Dieser Plattformtyp hat gewöhnlich auch Speicherkapazitäten.
    Oftmals erreichen diese Plattformen gigantische Ausmaße. Im Jahr 1995 ist auf dem norwegischen "Trollfeld" eine Betonplattform installiert worden, die 400 Meter hoch uns 150 Meter lang ist.
    Für eine optimale Ausnutzung der Rohstofffelfelder müssen von der Plattform aus verschiedene Bohrbrunnen angelegt werden. Durch eine spezielle Bohrtechnik kann selbst in mehrere Kilometer Entfernung Erdgas oder -öl aus dem Boden angezapft werden. Wenn auch mit Hilfe dieser Technick das Einzugsgebiet einer Plattform recht groß sein kann, so mehrere Plattformen für die Nutzung eines Rohstofffeldes nötig.

  • Sicherheitsmaßnahmen für Bohrplattformen
    Bohrplattformen und Schifffahrtsrouten (NCP), Ecomare

    Förderplattformen können ein Hindernis für die Schifffahrt darstellen, aber Schiffe bilden gleichzeitig auch eine Gefahr für die Plattformen. Rund 20 der 71 Plattformen liegen nahe an wichtigen Schifffahrtsrouten. Die Schifffahrtsrouten selbst müssen nach internationalen Seefahrtsverordnungen von festen Konstruktionen frei gehalten werden.
    Das größte Risiko stellt die Havarie eines steuerlosen Schiffes mit einer Plattform dar. Etwa 30 mal im Jahr passiert es, dass ein Seeschiff auf der Nordsee steuerlos wird. Im letzten Jahrzehnt ist es ein paar Mal vorgekommen, dass eine Offshoreplattform aufgrund einer drohenden Havarie evakuiert werden musste.
    Rund um die Plattformen gibt es permanente und zeitliche Sicherheitszonen. Diese haben einen Radius von 500 Metern, gemessen von der Außenkante der Plattform. Innerhalb dieser Zone herrscht außer für die Versorgungsschiffe ein Fahrverbot für alle Schiffe, auch darf hier nicht gefischt werden.
    Aus Statistiken, die von den Plattformbetreibern beigehalten werden, geht hervor, dass diese Sicherheitsmaßregeln häufig übertreten werden. Vor allem Fischereischiffe versuchen so dicht wie möglich an den Plattformen zu fischen, wegen des Fischreichtums dort. Das ruft gefährliche Situationen hervor.
    Auf der Basis des niederländischen Rohstoffförderungsgesetzes sind bestimmte Gebiete auf dem niederländischen Teil der Kontinentalplatte mit Rücksicht auf die Schifffahrtsbelange von der Rohstoffförderung ausgenommen. In solchen Gebieten ist die Förderung entweder untersagt oder an bestimmte Bedingungen gebunden.

  • Ausgediente Plattformen

    Die ersten Bohrplattformen sind zwischen 1970 und 1980 in der Nordsee installiert worden. Sie haben in den vergangenen 30 Jahren alles Erdgas oder Erdöl aus den Feldern gefördert und sind deshalb heute überflüssig geworden. Einige Plattformen sind schon seit Jahren verlassen. Seit 1996 werden alljährlich alte Plattformen stillgelegt und müssen demontiert werden. Im niederländischen Teil der Nordsee ist 1996 die erste Plattform entfernt worden und zukünftig werden jedes Jahr einige Plattformen demontiert.
    Die größten Plattformen stehen in der zentralen und nördlichen Nordsee, einige haben ein Gewicht bis zu 800.000 Tonnen. Die Demontage einer derart massiven Konstruktion erfordert große Kapazitäten, Transportmöglichkeiten und Sicherheitsvorschriften. Das macht die Entsorgung von Bohrplattformen sehr teuer.
    Das klassische Beispiel ist die Brent Spar. Shell wollte diese ausrangierte Ölplattform 1995 im Meer versenken, aber durch Aktionen von Greenpeace wurde dies verhindert. Im Internet sind ausführliche Dokumente über diesen Vorgang zu finden.
    Im südlichen Teil der Nordsee stehen überwiegend kleinere Plattformen und eine Demontage und Abtransport der Unterteile ist relativ einfach. Gemäß dem niederländischem Bergbaugesetz müssen Plattformen, die nicht länger in Gebrauch sind, vollständig demontiert werden müssen. Dreiviertel aller Plattformen in der Nordsee stehen in relativ flachem Wasser bis zu 55 Meter Tiefe, aber gerade der norwegische und britische Teil der Nordsee ist tiefer.
    Die Groninger Autoritäten machen sich für eine Demontage von Plattformen im Emshafen (Eemshaven) stark und 1997 gab die Deichacht Delzijl/ Eemshaven grünes Licht für die Verschiebung der Seedeichlinie, sodass etwa 180 Hektar Industrieterrain im Aussendeichbereich zur Verfügung stehen. Damit sollen sich Schiffswerften und chancenreiche Betriebe aus dem Umwelt-, Energie-, Recycling- und Abfallsektor hier ansiedeln können, darunter auch Demontagewerke für Plattformen.

  • Seltene Korallen auf den Füßen von Förderplattformen

    1999 wurden in der Nordsee eine Anzahl von Kolonien der seltenen Koralle Lophelia entdeckt. Sie saßen an den Jackets von Ölplatformen. Die erste Kolonie wurde entdeckt, als die Brent Spar aus dem Meer gehohlt wurde. Davor kannte man die Koralle nur aus dem atlantischen Ozean, wo sie in einer Tiefen zwischen 150 und 1500 Meter vorkommt.