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Umweltqualitäten in der Nordsee

Die Nordsee wird an einige Fronten bedroht: Durch Verschmutzung mit Schwermetallen und anderen Schadstoffen, durch Eutrophierung und durch Störungen durch Fischerei, Sanggewinnung und Treibmüll. Einige Bedrohungen nehmen als Folge von (inter)nationalen Maßnahmen ab, wie zum Beispiel der Gehalt an Schwermetallen. So ist der Boden der Nordsee ab Mitte der 1980er ein Stück sauberer geworden. Zudem wurde in den letzten Jahren der Phosphatausstoß um 50% verringert und inzwischen gibt es eine EU-weite Fischereipolitik, die die schädlichen Auswirkungen der Fischerei reduzieren soll.

  • Verschmutzende Stoffe

    Nach der Vierten Note zum Wasserhaushalt durften im Jahr 2000 keine nachteiligen Auswirkungen von verschmutzenden Stoffen, darunter Schwermetallen, im Nordseewasser mehr gefunden werden. Dieses Ziel wurde nicht erreicht. Obwohl für die Schwermetalle, wie Cadmium, Nickel, Zink und Quecksilber ein sinkender Trend zu verzeichnen ist, gib es andere Stoffe, deren Konzentration noch zunimmt, wie Brandhemmer und Weichmacher. Um die Normanforderungen, wie sie in den OSPAR-Verträgen genannt sind, in 2020 einzuhalten, müssen vor allem die Quellen in der Landwirtschaft und der Industrie angepackt werden. Beispiele von anderen verschmutzenden Stoffen sind Öl, PCB, PAK, TBT und Schädlingsbekämpfungsmittel.

  • Eutrophierung

    In den OSPAR-Verträgen steht, dass der Ausstoß von Stickstoff und Phosphat im Jahr 2000 nur noch 50% des Wertes von 1985 betragen sollte. Inzwischen wurde der Wert für Phosphat erreicht, aber für Stickstoff betrug die Verminderung 2002 nur 30%. International gesehen sind die Verminderungen noch lange nicht erreicht. Dadurch sind die schädlichen Auswirkungen der Eutrophierung, wie Algenpest, Giftalgen, Sauerstoffmangel und das Absterben von Bodentieren und Fischen, noch immer zu groß. Die Landwirtschaft ist die größte Quelle des Ausstoßes von Phosphat und Stickstoff, aber auch Klärwerke und die Industrie tragen dazu bei.

  • Störungen durch Fischerei, Sandgewinnung, Treibmüll und Lärm

    Die Meeresumwelt wird besonders von der Fischerei gestört, aber auch durch Sandgewinnung und Treibmüll. Die Intensität der Fischerei hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. In der Küstenzone ist vor allem die Garnelenfischerei zu finden, während auf hoher See die Baumkurren-, Industrie- und Rundfischfischerei eine Rolle spielt. Durch die Fischerei befinden sich diverse Fischarten unterhalb des sicheren biologischen Niveaus, wie Kabeljau und Scholle. Zudem gibt es keinen ausgeglichenen Aufbau der Fischgemeinschaften: Große Fische werden immer seltener und Arten wie Rochen verschwinden. Eine Maßnahme ist, junge Fische sicher in der Schollenbox aufwachsen zu lassen.
    Durch die Baumkurrenfischerei wird der Boden umgewühlt, wodurch langlebige Bodentiere, wie Islandmuscheln, verschwinden und Platz machen für kurzlebige, opportunistische Arten. Und schließlich wird viel Fisch als Beifang gefangen und wieder über Bord geworfen. Andere Organismen, wie Schweinswale, verstricken sich in den Fischnetzen.
    Die EU hat die Ökosystemsicht in die Gemeinschaftliche Fischereipolitik übernommen und der Fischereisektor untersucht umweltfreundliche alternative Fischereitechniken, wie die Elektro-Fischerei.
    Eine andere Störung ist die Sandgewinnung, bei der das Bodenleben zerstört und Schlick aufgewirbelt wird, wodurch das Wasser trübe wird. Treibmüll ist ebenfalls ein Problem. Jährlich gelangen mehr als 600 Tausend Kubikmeter Treibmüll in die Nordsee, vor allem durch Schifffahrt, Fischerei und Tourismus. Vögel, wie der Eissturmvogel halten Plastik für Nahrung und so sammelt sich der Müll in ihnen an. Die Politik ist darauf gerichtet, das Problem an der Wurzel zu lösen.
    Weitere Probleme sind die Lärmverschmutzung, konkurrierende Nutzungsinteressen, die Einführung fremder Arten sowie die Klimaveränderung. Für diese Probleme ist es nicht so einfach, Richtwerte für die Zukunft aufzustellen.

  • Messung der Umweltqualität auf der Nordsee

    Verschiedene Meßnetze nehmen regelmäßig ein Bild von der Umweltqualität der Nordsee auf. Ein aktueller Report über die Verschmutzung der Nordsee mit chemischen Stoffen ist in der Umweltbilanz 2006 vom RIVM nachzulesen.

  • Messung der Umweltqualität in den Küstengewässern

    Im Rahmen des Projektes Wassersystemerkundung (die Vorbereitung zur Vierten Note Wasserhaushalt) wurde abgesprochen, welche Stoffe, Arten und Erscheinungen Informationen über die Qualität der Umwelt in den Küstengewässern der Nordsee verschaffen. Berichte über diese 'Zielvariablen' sollen angeben, ob die Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität auch greifen.
    Es geht dabei um die folgenden chemischen Stoffe: Stickstoff, Phosphat, Schwermetalle (Cadmium, Kupfer, Blei, Quecksilber und Zink), PCBs, Dioxine, PAKs, Schädlingsbekämpfungsmittel (Tributylzinn, Atrazin, Simasin, DNOC, 2,4D, Diuron, Lindan, Dichlorvos, Parathion-Ethyl und Mevinvos) und radioaktive Stoffe (H-3, SR-90, I-131, CS-137 und Po-210).
    Die Pflanzen, die im Meßsystem eine Rolle spielen, sind: der Gesamtgehalt an Chlorophyll (als Maß für das Planktonwachstum), die Algen Dinophysis und Phaeocystis und Strauchalgen (Ceramium, Chondus, Gigartina stellata, Cladophora caespitosa, Catenella, Polysiphonia).
    Auch Fischarten spielen eine Rolle: die Schicksale von Hering, Kabeljau, Nagelrochen, Scholle und Stint werden als Indikatoren für eine gesunde Umwelt betrachtet.
    Von der Bodenfauna sind die Schicksale der Garnelen und der Baltischen Plattmuscheln bestimmend für die Umweltqualität.
    Eiderente, Brandseeschwalbe und Seeregenpfeifer sind von den Vögeln in das Meßsystem aufgenommen worden. Der Schweinswal, die größeren Delphinartigen und der Gemeine Seehund sind es bei den Säugetieren.
    Auch physische Variablen gehören zum Meßsystem: Die Sichtweite als Maß für die Trübung, die gesamte Oberfläche des Gezeitengebietes, die gesamte Oberfläche an Salzwiesen, die gesamte Länge des Ufers und die Länge der natürlichen Ufer sind bestimmend.
    Letztendlich werden auch die menschlichen Aktivitäten mitgewogen: die Intensität der Schifffahrt, die Fischerei auf Scholle, Seezunge und Garnelen, die Förderung von Erdöl und Erdgas, die Zahl der Urlaubstage und die Badewasserqualität. Zudem gibt es eine lange Liste von Stoffen die wichtig sind bei der Kontrolle von illegalen Einleitungen, von denen natürlich Öl einer der wichtigsten ist.