In den Zeiten, in denen im heutigen Wattenmeergebiet kein polwüstenähnliches Klima herrschte (also ausserhalb des Hoch-Weichsels), waren weite Gebiete Norddeutschlands, der Niederlande und auch der Nordsee von einer Tundrenvegetation bedeckt. Eine Tundra ist ein Gebiet, in dem im Sommer die Temperatur die 10 °C -Grenze (= Temperaturgrenze, unter der die Bildung eines geschlossenen Waldes nicht mehr möglich ist) nicht übersteigt und in dem es im Winter bis zu minus 50 °C frieren kann. Eine Tundravegetation besteht vor allem aus vereinzelt stehenden, niedrigen Birken und Kiefern, sowie Heidekräutern, Gräsern, Moosen und Flechten. Der Boden in der Tundra bleibt das ganze Jahr über gefroren (Permafrost), nur eine dünne Oberschicht taut im Sommer auf.
Bäume, mit Ausnahme einer einzigen Zwergform, können sich unter diesen Umständen nicht halten. Dafür wachsen auf der Tundra allerlei Sträucher, Gräser, Moose und Flechten.
Einige Pflanzenarten, die während der Weichsel-Eiszeit im Wattenmeergebiet vorkamen, kann man noch in Nord-Europa und in den höheren Lagen der Alpen finden. Sie haben sich mit den Gletschern zusammen zurückgezogen. Einige dieser Arten sind z.B. der Silberwurz (Dryas octopetala), der gegenblättrige Steinbrech (Saxifraga oppositifolia) und eine Art der Kriechweide (Salix retusa).
In der Tundra der letzten Eiszeit reichte das Pflanzenwachstum aus, um einige Arten von großen Säugetieren zu ernähren.