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IJsselmeer, Ecomare

Seen, Ökologie

In vielen Seen in den Niederlanden war das Wasser früher klarer als heute. Die Trübung dieser flachen Seen begann in den 1970ern und wurde durch den immer größeren Zufluss von Nährstoffen aus der Kanalisation und landwirtschaftlichen Gebieten verursacht. Die Seen können auf eine etwas besondere Art wieder klar werden: Die Fische müssen heraus.

  • Umschlag

    Die ersten Auswirkungen des Rückganges der Wasserqualität in den 1970ern waren in erster Linie unauffällig. Wasserpflanzen, die dicht am Boden wuchsen, wurden von Pflanzen ersetzt, die die ganze Wassersäule füllten wie die Wasserpest und das Laichkraut. Der Umschlag kam, als sich das klare Wasser in trübes Wasser veränderte, wodurch die Wasserpflanzen aus den Seen verschwanden und damit auch die Tiere, die von den Wasserpflanzen abhängig sind, wie Schwäne, die die Knollen des Laichkrautes fressen. Zudem kamen immer häufiger giftige Blaualgen im Wasser vor, die ein Problem für die Trinkwasseraufbereitung darstellten.

  • Lagerung im Boden

    Um die Verschmutzung des Süßwassers zu stoppen, wurden Klärwerke gebaut. Des weiteren wurde die Überdüngung des Landes vermindert. Das Wasser, das nach diesen Maßnahmen eingeleitet wurde, enthielt deutlich weniger Nährstoffe. Aber seltsamerweise wurden die Seen nicht sauberer, sie blieben noch immer trübe. Was war los? Die Böden der Seen stellten sich als Verursacher heraus. Einer der Nährstoffe, das Phosphat, bindet sich nämlich stark an die Schlickteilchen im Boden. Als das Wasser sauberer wurde, wurde der Phosphatvorrat im Boden wieder freigesetzt. Der Puffervorrat von Phosphat im Boden war so groß, dass dieser noch jahrelang die Seen ernähren konnte, so dass sich auch das Algenwachstum fortsetzte.

  • Die überraschenden Verursacher

    Als nach lange Zeit das Phosphat aus dem Boden verschwand, blieb das Wasser immer noch trübe. Die Seen befanden sich weiterhin nicht in einem guten Zustand und Biologen zerbrachen sich über die Ursachen davon die Köpfe. Die Lösung kam von tschechoslowakischen Fischzüchtern. Diese hatten beschrieben, wie ihre Zuchtteiche jedes mal klarer wurden, wenn sie den Fischbestand herausgeholt hatten. In den Niederlanden wurde darum in einigen kleinen Seen auch der größte Teil des Fischbestandes entfernt. Fische wie Karpfen und Brassen wühlen den ganzen Tag im Boden, auf der Suche nach Tubifex, Mückenlarven und anderer Nahrung. Da die Fische den Schlick durch ihre Kiemen wieder ausstoßen, hinterlassen sie eine Spur trüben Wassers. Zudem kommen mit dem Aufwirbeln des Schlickes auch wieder Nährstoffe frei, die das Wachstum des Phytoplanktons anregen. Nach der Entfernung von einem großen Teil des Fischbesatzes in den Testseen wurde das Wasser tatsächlich glasklar, ein spektakuläres Ergebnis. Das Wegfangen der Fische führt nicht nur zu saubererem Wasser, weil weniger Schlickteilchen aufgewirbelt werden, sondern sorgt auch dafür, dass Wasserflöhe die Algen wieder unter Kontrolle halten können, da sie nicht mehr von den jungen Fischen gefressen werden.

  • Konstant klares Wasser

    Man könnte erwarten, dass nach einigen Jahren, wenn der Fischbestand wieder angewachsen ist, die Wasserflöhe wieder vom jungen Fisch gefressen werden und das klare Wasser erneut eintrübt. Dem ist aber nicht so. Es scheint, dass das klare Wasser weiterhin klar bleibt, solange es nicht mehr die kritische Menge an Nährstoffen enthält. Das Geheimnis sitzt in den Wasserpflanzen. Die Wasserpflanzen am Boden bekommen bei klarem Wasser wieder die Chance zum Wachsen. Diese Wasserpflanzen, wie Weiße Seerose, Krebsschere und Raues Hornblatt halten den Boden fest und sorgen dafür, dass der Wind nicht so starke Wellen verursachen kann. Dadurch wirbelt weniger Schlick auf. Über ihre Stängel und Blätter holen diese Pflanzen darüber hinaus die Nährstoffe für das Phytoplankton weg. Zwischen den Pflanzen können Wasserflöhe sich besser vor den Fischen verstecken. Sie kommen nur in der Nacht zum Vorschein und filtern dann das Wasser. Die Wasserpflanzen sorgen somit für eine positive Rückkoppelung: das klare Wasser wird durch die Anwesenheit der Wasserpflanzen noch klarer.