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Ökologie   Ökosysteme   
Die Ökosysteme Nordsee, Wattenmeer und Küste, Ecomare

Ökosysteme

Ein Ökosystem ist die Gesamtheit aus allen belebten (Pflanzen, Tiere und andere Organismen) und unbelebten Faktoren, die als System betrachtet werden können. Die Nordsee und das Wattenmeer stellen zwei verschiedene Ökosysteme dar. Die Küstenlandschaft (Strand und Dünen zusammen) wird zu einem Ökosystem gezählt.

  • Ebenen

    Ökosysteme können auf verschiedenen geographischen Ebenen unterschieden werden. Bei der Übersicht Biotope und Habitate (Ökosystem auf regionaler und lokaler Ebene) steht eine Tabelle mit Erklärungen von häufig verwendeten Begriffen.

  • Das Ökosystem Wattenmeer

    Die natürliche dynamische Salzwasser-Gezeitenlandschaft besteht aus dem Küstenmeer mit Prielen und Sandbänken (Platen). Die Priele entstehen durch die Gezeiteneinwirkungen. Die Sandbänke werden bei Flut überspült. An der Landseite wird das Küstenmeer von Salzwiesen umsäumt. Die Gezeiten bestimmen alle Prozesse. Die ökologische Dynamik in diesem Gebiet ist sehr hoch. Die hohe Dynamik wird durch eine starke Trübung, starke Temperaturschwankungen und Übergänge von salzigen zu weniger salzigen Bedingungen bestimmt. Auch der Boden unterliegt einer ständigen Veränderung durch Sedimentation und Erosion. Sand und Klei werden an einigen Stellen abgelagert (Sedimentation) und an anderen Stellen weggeschlagen (Erosion).
    Charakteristisch für dieses Ökosystem sind Kieselalgengemeinschaften auf den Platen, Seegrasfelder und eine reiche Bodenfauna. Das System ist auch für viele Fischarten wichtig, die hier aufwachsen. Auch Watvögel und Seehunde sind von diesem Gebiet abhängig.
    Die dynamische Ästuarien-Gezeitenlandschaft ähnelt der dynamische Salzwasser- Gezeitenlandschaft, aber in diesem Ökosytem macht sich auch noch der Einfluss der einmündenen Flüsse bemerkbar, so dass ein Brackwasserlebensraum entsteht. Das niederländische Deltagebiet und der Dollard sind Beispiele hierfür. Früher bildete auch die Zuidersee eine solche dynamische Ästuarien- Gezeitenlandschaft. Das einströmende Süßwasser verursacht einen Gradienten von süß nach salzig. Dieser Übergang ist für eine Anzahl von Organismen von besonderer Bedeutung. Graugänse und Schilfrohrsänger nutzen die brackigen Salzwiesen als Brutgebiet. Fische wie Aal, Stör und Lachs nutzen den Salzgradienten als Orientierungshilfe während ihres Zuges. Die Flunder ist ein typischer Brackwasserfisch.

  • Das Ökosystem der Nordsee

    Die Nordsee wird als ein Ökosystem angesehen, das in verschiedene Zonen unterteilt ist. Die Küste ist die Grenze, dahinter befindet sich der Meeresboden mit zahlreichen Bänken und Rücken. Die Unterschiede in Wassertiefe und Bodenart stellen die Kriterien für eine Unterverteilung in Zonen dar.

  • Schlickböden

    Die erste Zone ist die tiefe Sedimentationszone. Diese Zone ist liegt unterhalb von 40 Metern. Der Boden besteht aus Schlick und feinem Sand. Die geringe ökologische Dynamik hat einen großen Artenreichtum in dieser Zone zur Folge. Es ist ein wichtiger Laichplatz für den Hering. Die tiefe Sedimentationszone befindet sich nördlich des 54. Breitengrades (ausgenommen die Doggerbank).
    Die zweite Zone ist die Frontzone mit einer Tiefe zwischen 30 und 40 Metern. Sie bildet die Grenze zwischen zwei Wasserpakete. Durch unterschiedliche Temperaturen und Salzgehalte können sich zwei Wassermassen schlecht mischen. Der Ort, an dem sich die Grenze zwischen den beiden Wassermassen befindet, wird Front genannt. Der Boden besteht aus schlickigen Sand, Schluff und Klei. Diese Zone ist das Übergangsgebiet zwischen dem Erosionsgebiet im Süden und dem Sedimentationsgebiet im Norden. Die 'Friese Front' befindet sich in dieser Zone. Hier sinken viele Nährstoffe ab, wodurch sich eine reiche Bodenfauna entwickelt hat. Darum ist diese Zone auch sehr wichtig für Meeressäugetiere und Seevögel.

  • Sandböden

    Die Gebiete, die nicht tiefer als zwanzig Meter sind und einen sandigen Boden haben, werden zur flachen Erosionszone (dritte Zone) gerechnet. Die Doggerbank und die südliche Nordsee fallen in diese Zone. Im Winter kommen hier viele Alkenvögel und See-Enten vor. Das Gebiet ist auch ein Laichplatz für Stint, Scholle und Hering.
    Die vierte Zone ist die flache Sandküste. Diese Zone ist nicht tiefer als 30 Meter und der Boden besteht aus Sandrippel und Sandbänken. Ab und zu bildet sich im Küstengewässer eine oberflächliche Süßwasserschicht, die aus den Flüssen stammt. Diese Zone ist als Kinderstube für viele Arten wichtig.

  • Kiesbänke
    Seeringelwurm auf Kiesboden, Ecomare

    Die flache Kieszone ist die fünfte Zone, die aus den flachen Bereichen der Nordsee mit als Boden Kies, groben Sand oder Geschiebelehm besteht. Sie ist wichtige für langlebige Schalentiere, wie die Islandmuschel. Die Klaverbank liegt in einer flachen Kieszone.
    Kiesbänke sind die Reste von Flussläufen aus der Zeit, als die Nordsee noch trocken war. Die Flora und Fauna auf und in dem Kies unterscheidet sich von den umgebenden Sand- und Schlickböden. Es sind häufig typische Arten des harten Untergrundes, wie z.B. Seeanemonen und Hydropolypen. Die Wurmfauna ist anders als die der weichen Böden in der Umgebung, und Muscheln sind dort zahlreich und haben eine hohes Gewicht. Schnecken, Seesterne, Seegurken und Seeigel, aber auch Fische, wie der Sandaal, leben in großen Mengen auf, in und über dem Kiesboden. Für den Hering sind einige Kiesbänke Laichplätze.
    Die Klaverbank im niederländischen Teil der Nordsee ist eine flache Kieszone, 200 km nordwestlich von Den Helder. Diese Bank besteht aus einem harten Untergrund und hat dadurch ein für die niederländische Nordsee einzigartiges Ökosystem mit einer hohen Biodiversität. Kaltwasserkorallen, besondere Seeanemonen und Sepias sind hier zu finden. 2001 hatte das Ministerium für Verkehr und Wasserbau den Plan, auf der Klaverbank eine eingeschränkte, ökologisch verantwortliche Sand- und Kiesgewinnung zu erlauben. Da dies aber einen beträchtlichen Schaden am Ökosystem anrichten würde und die zu fördernde Menge nur den Bedarf eines Jahres decken würde, haben Umweltschutzorganisationen dagegen protestiert. Mit Erfolg. Im August 2003 wurde aus einer Umweltverträglichkeitsprüfung deutlich, dass eine Restschicht übrig bleiben müsste, dadurch waren die förderbaren Mengen kleiner als erwartet. Letztendlich hat die Regierung von diesen Plänen abgesehen.

  • Das Ökosystem der Küsten

    Das Ökosystem der Küsten ist sehr unterschiedlich. Es enthält viele Elemente: Strand, Dünengrasländer, offene Dünenvegetation, Seen, Bäche, feuchte Täler, Gestrüpp, Wälder, Salzwiesen und Watten. Die typischen Prozesse für alle Elemente sind die Dünenbildung, Vegetationsentwicklung und eine ungestörte Hydrologie. Da viele Elemente in dem Ökosystem enthalten sind, ist die Diversität der Arten sehr hoch. Diese Elemente werden im Kapitel 'Landschaft' weiter beschrieben.