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Verschmutzung   Plastik- und Treibmüll   Coastwatch   

Plastik- und Treibmüll

Täglich spülen überzeugende Beweise für den Missbrauch der Nordsee als Müllkippe an den Strand. Glas, Holz, Papier, Medikamente, Blechdosen, alles mögliche fällt dem Strandwanderer ins Auge. In den letzten Jahren spült auch immer mehr Plastik an. Vieles stammt von Schiffen. Vögel, wie der Eissturmvogel, halten diesen Müll für Nahrung und fressen ihn auf. Jährlich landen rund 20 Millionen Kilo Treibmüll in der Nordsee. Niederländische Fischer haben 2004 110.000 Kilo Treibmüll im Rahmen des EU-Projektes 'Save the North Sea' aufgefischt. Im Rahmen der Coastwatchprojekte untersuchen Schüler und Freiwillige jährlich, was in den verschiedenen europäischen Ländern, u.a. den Niederlanden, an der Küste anspült.

  • Art des Treibmülls
    Treibmüll an den niederländischen Stränden, Ecomare

    Die Grafik zeigt, dass fast die Hälfte allen gestrandeten Treibmülls aus Plastik besteht. Das ergab eine Coastwatch-Untersuchung.

  • Gefahren für Tiere
    Junger Seehund mit Verletzungen durch Nylonschnüre, Ecomare

    Seevögel können Plastik für etwas Eßbares ansehen, wie man z.B. von Sturmvögeln weiß. Ein Stück Plastik im Magen nimmt den Platz von Nahrung ein, der Vogel entwickelt kein Hungergefühl mehr und nimmt darum viel zu wenig Nahrung auf. Plastikteile können die Eingeweide versperren oder verletzen. Häufig verstricken sich Vögel und andere Meerestiere in Plastikverpackungen, Geisternetzen oder in gekappten Nylon-Angelschnüren.

    Bei Basstölpeln wurde festgestellt, dass mehr als 5 % der Totfunde durch Treibmüll, Fischnetze und Angelschnüre verursacht wurde.
    2004 spülte auf Vlieland ein Buckelwal an, der an den Folgen eines Nylondrahtes um seine Lungen gestorben war. Auch Seehunde können sich in Nylondraht verheddern, wie der Seehund auf dem folgenden Foto, der im März 2005 bei Ecomare eingeliefert wurde. Der Seehund hatte schwere Verletzungen, Geschwüre und Lähmungserscheinungen und musste eingeschläfert werden.

  • Gefahren für Menschen
    Spritze zwischen Treibmüll auf dem Strand, Foto Fitis, www.fotofitis.nl

    Selbst für Menschen kann Strandgut eine Gefährdung darstellen; nicht selten stößt man auf Medikamente und Giftstoffe. Regelmäßig werden Ölkanister, Farbtöpfe und andere Chemikalien gefunden.

  • Quellen von Treibmüll an den niederländischen Stränden
    Treibmüll an den Niederländischen Stränden, Ecomare

    Die Niederländer prägten einen eigenen Begriff für diese Art Müll: zwerfvuil (Wandermüll). Die Quellen sind in großem Maße von der Jahreszeit abhängig. In der geschäftigen Sommersaison wird eine große Menge diesen Abfalls von Touristen zurück gelassen. Dennoch scheinen stets mehr Touristen ihren Abfall in (oder bei) Mülleimern zu hinterlassen. Die Insel- und Küstengemeinden versuchen in der Hochsaison ihre Strände rein zu halten.

    Die Schifffahrt ist verpflichtet, den Abfall gegen Bezahlung im Hafen abzugeben. Die größten Müllmengen werden auch vermutlich so entsorgt, dennoch geht noch zuviel kleiner Abfall, absichtlich oder unabsichtlich, über Bord. Des weiteren gelangt Müll als Folge von Schäden, wie zum Beispiel gerissenen Seilen oder gebrochenes Holz, ins Meer. Besonders kaputte Netze stellen ein großes Problem dar, sowohl für die Tiere als auch für die Schifffahrt. Einige Fischer nehmen am Projekt 'Müllfischen' teil.

  • Kosten für das Entsorgen des Treibmülls
    Schüler bei einer Aktion von Coastwatch, Stichting De Noordzee

    Die Küstengemeinden geben jährlich einen bedeutenden Betrag für die Säuberung der Küsten aus. Die Gemeinde Vlissingen zum Beispiel gibt mehr als 45.000 Euro für die Strandsäuberung aus, die Säuberung von nur 10 Kilometer Küste bei Scheveningen kostet sogar fast 1 Million. Diese Kosten beziehen sich nur auf die Sommersaison. Ein weiteres Beispiel ist die Säuberung der Deiche. Die Hoogheemraadschap Uitwaternde Sluizen verwaltet die Hondbosse zeewering. Um das Überwehen von angespültem Müll zu verhindern, wird ein fester Stab beschäftig, der die Deiche von diesem Abfall säubert. Der Großteil dieses Mülls stammt aus dem Meer.

  • Politik in Sachen Treibmüll

    In den Hafenentsorgungsvorrichtungen (HOIs) können Kapitäne ihr Altöl und ihren Abfall entsorgen. Alle Entsorgungen im Wattenmeer sind illegal. Seit April 1991 gilt für die gesamte Nordsee ein absolutes Verklappungsverbot für Abfall und andere Feststoffe, wie Staumaterial. An diesem Datum hat die Nordsee den MARPOL Annex V "special area"-Status verliehen bekommen.