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Ecomare   Seehundbetreuung   
Ecomare, Foto Sytske Dijksen, Ecomare

Seehundbetreuung bei Ecomare

Ecomare ist das reginonale Krankenhaus für hilfsbedürftige Seehunde, die in Noord-Holland gefunden werden. Im Sommer, wenn die Fähre zwischen Texel und Vlieland verkehrt, kommen noch die Seehunde von Vlieland hinzu. Seit 1952 werden auf Texel Seehunde aufgenommen. Anfangs blieben alle aufgenommenen Tiere im damaligen Texels Museum. Aussetzen war damals unverantwortlich, weil noch auf Seehunde gejagt wurde. Heute setzen Ecomare-Mitarbeiter jährlich etwa 30 aufgepäppelte Seehunde wieder im Wattenmeer aus.

  • Anfang der Seehundbetreuung
    Ehepaar De Haan (Ende der 50-er Jahre), Ecomare

    Im Jahr 1951 begann Herr De Haan, der damalige Direktor des Texels Museum, mit der Aufzucht sogenannter "Heuler" (neugeborene Seehunde, die ihre Mutter verloren haben) und der Pflege kranker Seehunde, die an der Küste der Insel oder des Festlandes gestrandet waren. Nach vielen Rückschlägen gelang es, die Tiere zu retten und gesund zu pflegen. Sie wurden nicht ausgesetzt, weil die Jagd auf Seehunde noch lange nicht vorbei war.
    Die Abnahme der Anzahl Seehunde in den fünfziger Jahren machten die Bemühungen der Auffangstation besonders wichtig; einerseits blieben Seehunde am Leben, die sonst sicherlich gestorben wären, andererseits wurde die Öffentlichkeit im Texels Museum durch die Seehunde auf die Probleme im Wattenmeer aufmerksam gemacht.

  • Auffangen, züchten und aussetzen
    Seehunde aussetzen, Ecomare

    Im Laufe der Zeit änderte sich die allgemeine Haltung gegenüber den Seehunden. Die Jagd war vorüber und anstatt alle Seehunde im Texels Museum permanent zu halten, wurden aufgefangene Seehunde jetzt im Wattenmeer ausgesetzt, sobald sie sich völlig erholt hatten.
    Hinsichtlich der umfangreiche Gruppe von Seehunden, die schon seit mehreren Jahren in der Station lebte, war dies nicht gerade einfach. Das Durchschnittsalter der Gruppe liegt jetzt bei etwa 30 Jahren, d.h. sie sind etwa dreimal so alt wie die Artgenossen im Wattenmeer! Manche sind blind und manchen fehlen die Zähne. Diese Tiere sind so sehr an das Leben bei Ecomare gewöhnt, dass es ihnen schwerfallen würde, sich wieder dem Leben in der freien Natur anzupassen.

  • Die Adoption von Seehunden bei Ecomare

    1990 wurde bei Ecomare ein Seehundadoptionsprogramm gestartet. Wer einen Seehund adoptiert (für 35 Euro im Jahr) bekommt ein Farbfoto von dem Seehund und ein Informationspaket. Die Zahl der Adoptiveltern ist 2010 auf inzwischen 10.000 Privatpersonen und Organisationen gestiegen.

  • Die Geburt eines Gemeinen Seehundes
    Der Geburt eines Seehundes, Ecomare

    Im Juli 1994 war Salko de Wolf Augenzeuge bei der Geburt eines Seehundes.

  • Ein zweites Zentrum in Groningen

    Anfang der siebziger Jahre wurde neben der Auffangstation auf Texel ein zweites Zentrum in Pieterburen gegründet. Auf Texel wurden damals immer weniger "Heuler" und kranke Seehunde betreut, weil die Anzahl Seehunde im westlichen Wattenmeer noch stärker als im östlichen Teil abgenommen hatte. In den achtziger Jahren stieg die Anzahl im westlichen Wattenmeer wieder leidlich an, wodurch die Auffangfunktion neben der Zucht dieser Tiere bei Ecomare wieder an Bedeutung gewann. Im Jahre 1988, nach dem Ausbruch der tödlichen Epidemie des Seehundevirus, spielten die beiden Auffangstationen eine große Rolle bei der Forschung nach den Ursachen dieser Krankheit.

  • Seehundaufzuchtzentren international
    , Sandra Niën/Jaco Spek

    In Deutschland gibt es zwei Seehundaufzuchtstationen: in Norden-Norddeich und in Friedrichskoog. Die Seehundaufzuchtstation in Norden-Norddeich nimmt jährlich zwischen 20 und 50 Meeressäugetiere auf, neben Seehunde sind es auch Walartige. In Dänemark ist das Fiskeri- og Søfartsmuseet in Esbjerg für die Seehundaufzucht ausgerüstet. Allerdings nimmt man hier, mit Ausnahme für die wissenschaftliche Forschung, keine Seehunde mehr auf. Gestrandete Tiere werden in Dänemark heutzutage getötet oder an einen Zoo verkauft, da man der Meinung ist, dass der Mensch nicht in die natürliche Selektion eingreifen darf.
    Im belgischen Blankenberge, im Sea Life Centre, wurde 1998 eine Seehundaufzuchtstation eingerichtet.

  • Die Botschafter des Wattenmeeres
    Seehundfütterung bei Ecomare, Ecomare

    Die Seehunde spielen bei Ecomare eine wichtige Rolle als Botschafter des Wattenmeeres. Währends des Fütterns und im Ausstellungsraum erzählen wir viel über Seehunde, wobei selbstverständlich auch Probleme im Wattenmeer und deren Ursachen zur Sprache gebracht werden.

  • Die Zukunft der Seehundaufzucht in den Niederlanden
    Junge Kegelrobbe am Strand von Texel, Ecomare

    Jedes Mal, wenn der Seehundbestand im Wattenmeer hoch ist, flackert die Diskussion über die Notwendigkeit der Hilfe für schwache Seehunde wieder auf. 2002 wurde der Abschlussbericht der 'Wissenschaftlichen Plattform Seehunde im Wattenmeer' präsentiert. An diesem Bericht haben Ministerien, Wissenschaftler, Seehundaufzuchtstationen und Naturschützer mitgearbeitet. Sie kommen zu dem Schluss, dass "für den Erhalt der Seehundpopulation (…) das Wegholen, Versorgen und wieder Aussetzen von kranken, schwachen oder verlassenen Seehunden (Heuler) nicht notwendig ist". Anders gesagt, es gibt genug Seehunde im Wattenmeer. Es ist nicht mehr nötig, sie aufzuziehen.
    Peter Reijnders, Seehundsachverständiger beim IMARES, findet die neue Regelung logisch. Das Risiko des Aussetzens von gesund gepflegten Tieren besteht darin, dass geschwächte Tiere erneut Krankheiten verbreiten können. IMARES ist auch der Meinung, dass die Seehunde keine Medikamente mehr bekommen sollen. "Das ganze rumgedoktore ist schlecht für die Population im allgemeinen", so Han Lindeboom von IMARES.
    Für Ecomare gibt es jedoch noch zwei Gründe, um vorläufig weiterhin Tiere aufzunehmen. Vom Standpunkt des Tierschutzes ist die Rettung eines jeden Tieres sinnvoll. Zumal deutlich wurde, dass die aufgenommenen Tiere sich nach dem Aussetzen in der Freiheit gut behaupten können. Aber was noch viel wichtiger ist: mit der Aufnahme von Seehunden können viele Menschen erreicht werden. Nur mit schönen Fotos gelingt das nicht. Jedes Jahr wird die Geschichte des Seehundes und des Wattenmeeres an mehr als eine Viertelmillion Besucher erzählt. Damit wird ein beträchtlicher Beitrag an der Bekämpfung der Ursachen der Probleme im Wattenmeer geleistet.

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