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Search in the Encyclopedia
  • Nie: Groot zeegras
  • Lat: Zostera marina
  • Eng: Eel-grass, grass-wrack
  • Deu: Gemeines Seegras, Großes Seegras
  • Dan: Havgræs
Gemeines Seegras, Foto Fitis, www.fotofitis.nl

Seegras

Das Seegras ist eine Samenpflanze, die im Meer leben kann. Es ist keine Algenart, wie die anderen Pflanzen im Watt. Die Pflanze wächst an Orten, die selten trocken fallen und wo keine allzu starke Strömung herrscht. Vor 1930 gab es ausgedehnte Seegrasfelder in der Zuiderzee und im Wattenmeer. Diese Felder waren für die Wattenmeerfauna und für die menschliche Nutzung sehr wichtig. Seit dem Mittelalter wurde zusammengepresstes Seegras für den Bau steiler Seedeiche verwendet, den 'Wierdijken'. Aber Eindeichungen und eine Pflanzenkrankheit vernichteten die großen Seegrasfelder. Heute wird Seegras nur noch an einigen Stellen im Wattenmeer und im Deltagebiet gefunden. Seit 1993 wird mit der Wiedereinführung experimentiert.

Auf Texel


Maritiem en Juttersmuseum, Patrick Piersma

Im Naturschutzgebiet Ottersaat, etwas nördlich von Oudeschild, ist noch ein Stück Seegrasdeich erhalten geblieben. Auf dem Gelände des Maritiem & Juttersmuseum steht eine alte Seegrasscheune, in der früher Seegras gelagert wurde. In früheren Jahrhunderten hatten die Seegrasfischer von Texel und Wieringen oft Streit über die Nutzung der Seegrasfelder, die sich auf den Platen des westlichen Wattenmeeres befanden.

  • Seegraswiesen - ein Biotop für sich
    , Mike Baird, via www.flickr.com

    Seegrasfelder bilden einen eigenständigen Lebensraum. Für viele Tierarten sind sie sehr wichtig. Pfeifenten, Ringelgänse, Höckerschwäne und Bläßhühner beweiden diese Felder. Durch das Verschwinden großer Seegrasfelder wanderten viele dieser Vögel über den Deich und fressen jetzt auf dem Weideland der Bauern. Auch Meerasseln leben vom Seegras. Seenadeln sind Fische, die am besten in Seegrasfeldern gedeihen. Seegrasfelder sind als Kinderstube für junge Fische wichtig.
    Seegras braucht klares Wasser, um genügend Licht für die Photosynthese zu empfangen. Klares Wasser ist meist nährstoffarm. Um dennoch genügend Nährstoffe zu bekommen, hat diese Pflanze ein ausgedehntes Wurzelsystem, um damit die Nährstoffe aus dem Meeresboden zu holen. Eutrophierung oder Aufwirbelungen von Sinkstoffen durch veränderte Meeresströmungen können zu Trübungen des Wassers führen und damit zu einem Verschwinden dieser Art an bestimmten Orten. Von einer Zunahme des Nahrungsreichtums profitieren Algen und Seetange, die eine bessere Konkurrenzposition haben, da sie kein Wurzelsystem ausbilden müssen. Wenn mehr Algen im Meerwasser vorkommen, steht dem Seegras weniger Licht zur Verfügung. Zudem bildet das Seegras bei einer größeren Verfügbarkeit von Nährstoffen mehr Blätter und relativ weniger Wurzeln aus, so dass bei einem Sturm die Pflanze schneller abreißt.

  • Die Seegraskrankheit

    Bis 1932 gab es allein im niederländischen Wattenmeer mehr als 150 Quadratkilometer Seegrasflächen, im restlichen Wattenmeer sah es ähnlich aus. 1932 wurde das Seegras von einer Infektionskrankheit befallen, es handelte sich dabei wahrscheinlich um den Schleimpilz Labyrinthula zosterae, der sowohl die Blätter als auch die Rhizome befallen kann. Ein Jahr zuvor waren beinahe alle großen Seegrasfelder an der Atlantikküste, sowohl auf europäischer als auch amerikanischer Seite, von dieser Krankheit befallen. Die schmalblättrige Variante, die im Gezeitenbereich wächst, blieb zum größten Teil von dieser Krankheit verschont, ebenso das Zwerg-Seegras. Im Laufer der 1940er Jahre erholte sich das Seegras an der Atlantikküste.
    Im Wattenmeer hat sich das Seegras überall jahrelang nicht von dieser Krankheit erholt. Insgesamt war die Seegrasfläche im niederländischen Wattenmeer kleiner als 1 Quadratkilometer. Nur im Hafengebiet von West-Terschelling und auf der Hond/Paap in der Emsmündung gab es Seegrasfelder. Das Zwerg-Seegras kam nur bei terschelling und an drei Stellen vor der Groninger Küste vor. Ende 1996 setzte hier eine Veränderung ein, als entlang der Groninger Küste, zwischen Lauwersoog und Eemshaven, auch das gemeine Seegras wieder angetroffen wurde. Dies könnte bedeuten, dass die für das Wattenmeer so typischen Seegrasfelder wieder zurückkommen könnten.
    Einige Biologen denken, dass das Verschwinden des Seegrases eine Folge verschiedener Faktoren war. Die Sommer von 1931 und 1932 waren extrem schlecht. Darüberhinaus wurde der Abschlußdeich fertiggestellt. Das Abkippen von Sand und Klei erhöhte die Trübung des Wassers. Durch die Kombination von wenig Sonne und trübes Wasser bekamen die Seegrasblätter möglicherweise zu wenig Licht. Durch den Abschluß der Zuiderzee herrschte zudem im Wattenmeer ein anderes Strömungsmuster, welches durch Erosion und Sedimentation an neuen Stellen das Wachstum des Seegrases gestört haben könnte. Die Wasserverschmutzung durch Gifte und Nährstoffe hat wahrscheinlich ebenfalls einen Teil zum Verschwinden des Seegrases beigetragen.
    Im Deltagebiet hatte die Infektionskrankheit weniger schwerwiegende Folgen. Im Grevelingen wuchsen vor dem Abschluß 1971 etwa 1000 ha Seegrasfelder. Nach dem schließen des Dammes breiteten sich die Seegrasfelder explosionsartig aus. Mögliche Ursachen könnten das Fehlen der Gezeiten (und dadurch mehr 'Ruhe') und die größere Klarheit des Wassers sein. 1978 bedeckten die Seegrasfelder im Grevelingen eine Fläche von 4 bis 5.000 ha. In der nachfolgenden Zeit nahm die Seegrasbedeckung ab, in den 1980er und 90er Jahren gab es große Schwankungen in der Seegrasbedeckung. Die Ursachen hierfür sind nicht bekannt.

  • Seegrasfischerei an der niederländischen Küste
    Ausladen von Seegras (Hafen Den Oever), Historische Vereniging Wieringen

    Früher wurde Seegras als kompakte, faserige Masse für die Deiche verwendet. Man mähte die Seegrasfelder und auch treibendes Material wurde aufgefischt. Diese Fischerei wurde Seegrasfischerei genannt, von der die ältesten Meldungen aus der Zeit um 1300 stammen. Jahrhundertelang war die Seegrasfischerei für die Bewohner der Wattenküste eine wichtige Einkommensquelle. In Seegrasscheunen wurde das Seegras getrocknet. Vorallem auf der ehemaligen Insel Wieringen wurde viel Seegras verarbeitet. Walfänger benutzten Seegrasballen um Leckagen zu stopfen. Des weiteren wurde Seegras als Füllmaterial für Matratzen und Kissen verwendet. Eine Prise Strandbeifuß jagte eventuell vorhandene Flöhe fort. 1932, nach dem Verschwinden des Seegrases aus dem Wattenmeer, ist die Seegrasfischerei als Existenzgrundlage auf den Inseln verschwunden.

  • Wiedereinführung von Seegras im niederländischen Wattenmeer

    Experimente mit Neuanpflanzungen von Seegras im Wattenmeer haben bisher nur wenige Ergebnisse gebracht. Man hoffte auf auf ein immer klareres und saubereres Wasser im Wattenmeer. Auch die Eutrophierung, der Salzgehalt des Wassers und die Fischerei spielen eine Rolle bei der Ansiedlung des Seegrases.
    Bei Alterra (jetzt IMARES) Texel wurden Überlebensexperimente mit Seegräsern verschiedener Herkunft ausgeführt. Ergebnis war, dass die Seegräser von der deutschen Wattenmeerinsel Sylt am stärksten waren. 1993 wurden darum zehntausende von Schösslingen vom Großen und Kleinen Seegras aus der Sylter Umgebung im niederländischen Wattenmeer ausgesetzt: Auf dem Balgzand, bei Texel und bei Terschelling. Die Pflanzen bei Texel kamen nicht an. An den beiden anderen Orten wächst etwas Seegras, aber besonders gut sah es zwei Jahre nach der Anpflanzung nicht aus.
    2002 und 2003 gab es erneute Versuche von Wissenschaftlern der Katholischen Universität Nijmegen, um das Große Seegras wieder einzuführen. 2002 mißglückte das Experiment zum Teil, da die Pflanzen auf einer falschen Tiefe gepflanzt wurden. Auf dem Balgzand wurde dabei Kleines Seegras angetroffen, es handelt sich vermutlich um Nachkömmlinge vom Experimet von 1993. 2004 meldete Rijkswaterstaat, dass 2003 eine stattliche Anzahl (fast 800) Pflanzen angetroffen wurden. Sie stammen von einem früheren Ansiedlungsversuch von 1999 auf dem Balgzand. Diese Population überlebt dort schon seit vier Jahren, war aber bislang noch nicht so verbreitet.