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Wattflora, Foto Fitis, www.fotofitis.nl

Wattenmeerflora

Auf den ersten Blick erscheint das Watt, mit Ausnahme der Orte, an denen Meersalat oder Darmtang wächst, ziemlich kahl. Aber der Schein trügt: Das reiche Pflanzenleben auf dem Watt ist mikroskopisch klein. Einzellige Algen, vor allem Kieselalgen, sind hier die häufigsten Pflanzen. Vor 1930 kamen, angrenzend an die Wattplaten, auch ausgedehnte Seegrasfelder vor.

Auf Texel


, Sytske Dijksen, www.fotofitis.nl

An Stellen, an denen der Deich einen Bogen macht, können sich im Sommer große Mengen von Meersalat und Darmtang anhäufen, je nach Wind und Meeresströmung. Auf Texel ist das auf dem Watt bei De Cocksdorp der Fall. In manchen Jahren können die Algenmassen anfangen zu verrotten. Durch Sauerstoffmangel sterben die Bodentiere in der Umgebung der rottenden Algenhäufen ab.

  • Der Algenfilm auf dem Watt

    Zwischen der Grenze von Wattboden und Wasser (oder bei Ebbe Luft) lebt die wichtigste Pflanzengesellschaft: ein "Biofilm" aus einzelligen Algen, Cyanobakterien (Blaualgen) und anderen Bakterien. Dieser Biofilm ist auch für das Auge als grünlich-brauner Belag auf dem grauschwarzen Schlick sichtbar.
    Dieser unscheinbare Biofilm ist für das Ökosystem im Watt von großer Bedeutung. Hier wird aus Sonnenenergie und Mineralien Biomasse erzeugt, hier ist der Anfang der Nahrungskette. Wattschnecken, Muscheln mit ihren Siphonen, Kleinkrebse und Würmer grasen diesen Algenteppich ab. Sie bilden ihrerseits die Nahrung für Fische und Vögel des Wattenmeeres. Der Prozess von wachsen und gefressen werden geht so schnell, dass die Algenmenge klein bleibt. Etwa Vierfünftel der gesamten Nahrungsproduktion im Wattenmeer stammt aus diesem Algenfilm. Das Phytoplankton im Wasser des Wattenmeeres sorgt für das restliche Fünftel. Der Anteil von Tangen und Seegras in der Gesamtproduktion ist zu vernachlässigen, aber diese Gruppen spielen sehr wohl eine Rolle in der Sauerstoffversorgung.
    Auch als Fänger für Schlickteilchen spielt dieser Biofilm eine Rolle: die Algen scheiden klebrige Stoffe aus, die den Schlick verkitten. Wattplaten mit vielen Algen sind darum weniger gefährdet für Erosion als algenarme Platen. Durch Stürme kann übrigens ein beträchtlicher Teil des Films weggeschlagen werden. Die Algengemeinschaft muss dann wieder aus Algen aus tieferen Schichten des Wattbodens aufgebaut werden. Die Algen des Biofilms können sich in tiefere Bodenlagen zurückziehen und so im sauerstofflosen Wattboden einige Jahre überleben.