In der Sargassosee, im westlichen Atlantik, werden die kleinsten Larven der Aale gefunden. Darum wird angenommen, dass sich der Ort der Fortpflanzung ganz in der Nähe befindet. Ganz genau ist diese Ortsbestimmung nicht, denn die Sargassosee ist größer als ganz Europa. Jeder weibliche Aal legt Millionen Eier. Das Larvenstadium dauert ein bis drei Jahre. In dieser Zeit treiben die Larven mit den Meeresströmungen an die europäische Küste, eine Reise von 6000 km. Die Larven ernähren sich vom Zooplankton und entwickeln sich zu durchsichtigen Glasaalen mit einer Länge von 7 cm. Glasaale fressen nicht.
Im Winter und Frühjahr kommen die Glasaale in den Flussmündungen an. Bei Flut lassen sie sich den Fluss hinauf treiben, bei Ebbe schützen sie sich in Bodennähe, so gelangen sie ohne zu schwimmen ein ganzes Stück weit den Fluss hinauf. Diese Art der Wanderung nennt man selektiven Gezeitentransport. Erst ab einer Temperatur von 10 bis 12 Grad können Aale aktiv schwimmen. Im Winter, wenn das Wasser noch kalt ist, entstehen große Ansammlungen von Glasaalen in Flussmündungen und vor Schleusentoren. In England und einigen Mittelmeerländern wird der Glasaal an solchen Stellen kommerziell gefangen.
Nach dem nächsten Wachstumsschritt ernähren sie sich von Insektenlarven, Krebsen, Würmern und Wasserflöhen. Ab einer Länge von 25 cm fressen Aale auch Fische. Im Frühjahr schwimmen die meisten Jungaale in die Flüsse, in diesen Süßwasser bleiben sie, bis sie erwachsen sind. Ein Teil der Jungaale macht diesen Zug jedoch nicht und bleibt somit das ganze Leben lang im Brack- bzw. Salzwasser.
Aufgrund der niedrigen Temperaturen in unseren Gewässern wächst der Aal nur sehr langsam. Ein 30 cm langer Aal, den man auf dem Markt kaufen kann, ist 8 bis 10 Jahre alt. Die Wanderung zur Fortpflanzung beginnt, wenn die Männchen etwa 35 bis 45 cm und die Weibchen mehr als 45 cm lang sind. Die Tiere sind dann noch nicht geschlechtsreif: das werden sie erst unterwegs, auf ihrem Zug zu den Laichplätzen.
Der Zug beginnt im späten Frühjahr und Sommer. In dieser Zeit verändern sich die Aale, sie werden jetzt 'Silberaale' genannt. Die Farbe des Rückens wechselt von grün-braun zu schwarz und die Bauchseite wechselt von einem gelblichen Ton in eine metallische silberne Farbe. Auch die Augen werden größer, die Brutflossen länglicher, die Schnauze schmaler und die Aale stoppen mit der Nahrungsaufnahme. Es ist bekannt, dass Aale auf der Wanderung aus den Gräben über feuchte Weiden kriechen können. Dabei hat der Aal seine Kiemen geschlossen und nutzt die Hautatmung. Im Herbst ziehen Millionen dieser Silberaale durch die Nordsee. Man nimmt an, dass die erwachsenen Aale nach dem Laichen sterben.