Es besteht die Möglichkeit, dass sich der Kabeljaubestand überhaupt nicht mehr erholen wird. Durch die starke Verringerung der Population verändert sich das ökologische Gleichgewicht im Meer, wodurch weniger geeignete Nahrung zur Verfügung steht, um später die Population wieder wachsen zu lassen. Selbst wenn der Kabeljaufang völlig gestoppt werden würde, kann die Zahl noch weiter abnehmen. Forschungsergebnisse aus Kanada zeigen, dass dieser unumkehrbare Zusammenbruch der Population bei Fischarten stattfindet, die sich bei geringeren Dichten weniger gut fortpflanzen. Dies nennt man den Allee-Effekt.
In Kanada zeigt sich dieser Effekt folgendermaßen: Kabeljaue vor der kanadischen Küste leben hauptsächlich von einer Fischart, der Lodde. Der Kabeljau frisst vor allem die kleineren Exemplare dieser Fische. Wenn weniger Kabeljaue diese kleinen Lodden jagen, können sie weiter wachsen. So gibt es nach einiger Zeit mehr mittelgroße Lodden, die mehr fressen und somit steht weniger Nahrung für alle Lodden zur Verfügung. Die Lodde als Art reagiert auf diesen Nahrungsmangel, indem sie weniger Laich absetzt, womit wiederum weniger kleine Lodden für den Kabeljau zur Verfügung stehen. Vor der kanadischen Küste hat sich die Nahrungssituation für den Kabeljau durch den Mangel an kleinen Lodden tiefgreifend verändert. Das ökologische System scheint hier zwei stabile Zustände zu haben: einen mit viel Kabeljau und viel Lodde, sowie einen mit weniger Exemplare dieser Arten. Als Folge der Überfischung ist das Ökosystem von dem einen Zustand in den anderen gekommen und es gibt keinen (natürlichen) Weg zurück.
Es ist fraglich, ob diese Entwicklung auch in der Nordsee und den britischen Gewässern möglich ist. Als erstes kommt die Lodde als Nahrungsquelle für den Kabeljau nicht in der Nordsee vor. Zudem ist der Nordsee-Kabeljau nicht nur von einer Nahrungsquelle abhängig und kann sich möglicherweise mit anderer Nahrung retten, wenn sich das Ökosystem verändert. Für Biologen ist ein Ökosystem mit zwei Gleichgewichtssituationen ein völlig neues Forschungsobjekt. Es ist nur wenig darüber bekannt und es könnte zum Beispiel gut möglich sein, dass ein Faktor, wie die Klimaänderung auch Einfluss auf langfristige Veränderungen des Fischbestandes hat.