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  • Nie: Kabeljauw (dogger, gul, kolvis, labberdaan, muitje, stockvis)
  • Lat: Gadus morhua
  • Eng: Cod (codling)
  • Deu: Kabeljau (Dorsch)
  • Dän: Havürred
  • Fra: Cabillaud, Morue
Junger Kabeljau, Ecomare

Kabeljau

Der Kabeljau (Dorsch) ist eine Kaltwasserart mit einer Vorliebe für Wassertemperaturen um die 10 Grad Celsius. Es ist einer der wichtigsten Raubfische in der Nordsee. Kabeljaue können noch in einer Tiefe von 600 Metern schwimmen, leben aber normalerweise in einer Tiefe zwischen 150 und 200 Metern. Sie erreichen eine Körperlänge von 1,60 Meter und können bis 40 kg wiegen. Sie jagen auf andere Fische, Krebsartige, Tintenfische und - vor allem wenn sie jung sind, auf Würmer. Im flachen Wasser bilden sie Schwärme und unternehmen Wanderungen, um nach Nahrung zu suchen und sich fortzupflanzen. Der Kabeljau ist in der Nordsee stark überfischt.

  • Bartel

    Der Kabeljau ist leicht von anderen Kabeljauartigen zu unterscheiden durch die eine Bartel am Unterkiefer und der hell gefärbten Linie an der Seite.

  • Größter Kabeljau

    1985 fing man vor der nordamerikanischen Küste den größten jemals gefangenen Kabeljau: er wog 95 kg und war 1,80 m lang. Durch die Überfischung beträgt heute das durchschnittliche Gewicht eines gefangenen Kabeljaus 1 kg, die größeren Exemplare sind selten schwerer als 7 kg.

  • Fortpflanzung und Wachstum

    Die weiblichen Kabeljaue können 500 Eier pro kg Körpergewicht legen. Für einen 10 kg schweren Fisch sind das 5 Millionen Eier. Die Laichzeit des Kabeljaus erstreckt liegt in den Wintermonaten. Die 1,5 mm großen und durchsichtigen Eier steigen in die oberen Wasserschichten auf. Dort schlüpfen die Jungen, je nach Temperatur, nach 10 bis 30 Tagen. Der sehr junge Kabeljau kommt in der ganzen Wassersäule vor, nur nicht in Bodennähe. Sie ernähren sich von Ruderfußkrebsen. Nach 3-5 Monaten, wenn die jungen Fische etwa 7 cm groß sind, halten sie sich am Meeresboden auf. Diese Veränderung des Lebensraumes bringt auch eine Nahrungsveränderung mit sich: jetzt ernähren sich die Fische nicht mehr von frei schwebenden Meeresbewohnern, sondern von bodenbewohnenden Tieren (hauptsächlich Garnelen und Krabben). Erwachsene Tiere ernähren sich hauptsächlich von anderen Fischen, wie Heringsartige, Plattfische und Kabeljauartige. Im Winter und während der Laichzeit fressen die Fische relativ wenig.
    Ein- und zweijährige Kabeljaue aus der südöstlichen Nordsee versammeln sich im Winter in den flachen Küstengewässern, wie de Wattenmeer. Im Sommer verteilen sie sich über die tieferen Bereiche der Nordsee. Junge Kabeljaue können höhere Wassertemperaturen besser vertragen, als ältere. Sie profitieren somit vom Nahrungsreichtum der flachen Gewässer.

  • Kabeljau als Konsumfisch

    In Skandinavien wird der Kabeljau oft getrocknet (Stockfisch) oder getrocknet und gesalzen (Klippfisch) verkauft. Auch in Portugal ist gesalzener und getrockneter Kabeljau beliebt. Lebertran ist Öl aus der Leber des Kabeljaus oder des Heilbutts. Kabeljauabfälle werden zu Fischmehl verarbeitet.

  • Verbreitung des Kabeljaus
    Verbreitung Kabeljau, Ecomare

    Das Verbreitungsgebiet des Kabeljaus erstreckt sich vom nördlichen Eismeer und dem nordöstlichen Atlantik über die Nordsee bis zur Ostsee.
    Die Verbreitungsgebiete des Kabeljaus in der Nordsee sind je nach Alter unterschiedlich. In der deutschen Bucht, entlang der niederländischen Küste und östlich von Nordost-England kommt vorallem der einjährige Kabeljau vor. Der zweijährige Kabeljau hält sich dort auch auf, aber er zieht auch weiter in die nördliche Nordsee. Fische, die älter als 3 Jahre sind, halten sich fast ausschliesslich in der nördlichen Nordsee auf.

  • Kabeljaubestand in der Nordsee
    Laichgebiete und Fang Nordsee Kabeljau, Grafik Michel Vloon nach Ergebnissen von: ICE

    Der Kabeljaubestand in der Nordsee befindet sich weit unter dem sicheren biologischen Minimum. Zudem ist der Bestand aus einigen schlechten (d.h. mengenmäßig zu kleinen) Jahrgängen aufgebaut. Der letzte gute Jahrgang wurde 1985 geboren. Der Laichbestand 1993 war bereits besorgniserregend klein: etwa 60.000 Tonnen. Der Mindest-Laichbestand für relativ starke Jahrgänge beträgt 150.000 Tonnen erwachsenen Kabeljau. Zwischen 1993 und 1996 schien sich der Bestand zu erholen, aber seit 1997 setzte ein stark sinkender Trend ein. 2002 betrug der Laichbestand in der Nordsee nur noch 30.000 Tonnen, ein historischer Tiefpunkt. Wie in den vorangegangenen Jahren darf 2007 erneut weniger gefischt werden. Eine völlige Beendigung der Kabeljaufischerei in der Nordsee ist noch nicht möglich. Zudem will die Europäische Kommission zur Rettung des ernsthaft bedrohten Kabeljaus Fischgründe schließen. Die Fischer dürfen zum Ausgleich dafür mehr Hering und Wittling fangen.

    In der Zeit von 1994-1996 wuchs der Kabeljaubestand von ca. 60.000 auf 100.000 Tonnen. Dies war noch immer unterhalb des sicheren biologischen Minimums von 150.000 Tonnen. Als Folge der relativ schwachen Altersklassen, die in dieser Zeit erwachsen wurden, sowie des anhaltend hohen Fischereidruckes sank der Laichbestand danach weiter auf den heutigen Durchschnitt von etwa 50.000 Tonnen. Anfang 2008 stellte sich heraus, dass auch die neue Altersklasse wieder schwach ist.

  • Ist ein Stopp der Fischerei die Rettung für den Kabeljau?

    Es besteht die Möglichkeit, dass sich der Kabeljaubestand überhaupt nicht mehr erholen wird. Durch die starke Verringerung der Population verändert sich das ökologische Gleichgewicht im Meer, wodurch weniger geeignete Nahrung zur Verfügung steht, um später die Population wieder wachsen zu lassen. Selbst wenn der Kabeljaufang völlig gestoppt werden würde, kann die Zahl noch weiter abnehmen. Forschungsergebnisse aus Kanada zeigen, dass dieser unumkehrbare Zusammenbruch der Population bei Fischarten stattfindet, die sich bei geringeren Dichten weniger gut fortpflanzen. Dies nennt man den Allee-Effekt.
    In Kanada zeigt sich dieser Effekt folgendermaßen: Kabeljaue vor der kanadischen Küste leben hauptsächlich von einer Fischart, der Lodde. Der Kabeljau frisst vor allem die kleineren Exemplare dieser Fische. Wenn weniger Kabeljaue diese kleinen Lodden jagen, können sie weiter wachsen. So gibt es nach einiger Zeit mehr mittelgroße Lodden, die mehr fressen und somit steht weniger Nahrung für alle Lodden zur Verfügung. Die Lodde als Art reagiert auf diesen Nahrungsmangel, indem sie weniger Laich absetzt, womit wiederum weniger kleine Lodden für den Kabeljau zur Verfügung stehen. Vor der kanadischen Küste hat sich die Nahrungssituation für den Kabeljau durch den Mangel an kleinen Lodden tiefgreifend verändert. Das ökologische System scheint hier zwei stabile Zustände zu haben: einen mit viel Kabeljau und viel Lodde, sowie einen mit weniger Exemplare dieser Arten. Als Folge der Überfischung ist das Ökosystem von dem einen Zustand in den anderen gekommen und es gibt keinen (natürlichen) Weg zurück.
    Es ist fraglich, ob diese Entwicklung auch in der Nordsee und den britischen Gewässern möglich ist. Als erstes kommt die Lodde als Nahrungsquelle für den Kabeljau nicht in der Nordsee vor. Zudem ist der Nordsee-Kabeljau nicht nur von einer Nahrungsquelle abhängig und kann sich möglicherweise mit anderer Nahrung retten, wenn sich das Ökosystem verändert. Für Biologen ist ein Ökosystem mit zwei Gleichgewichtssituationen ein völlig neues Forschungsobjekt. Es ist nur wenig darüber bekannt und es könnte zum Beispiel gut möglich sein, dass ein Faktor, wie die Klimaänderung auch Einfluss auf langfristige Veränderungen des Fischbestandes hat.