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Schweinswal

Maße:

maximal 190 Zentimeter (bei der Geburt 70-80 Zentimeter)

Gewicht:

bis 60 Kilo (bei der Geburt rund 5 Kilo)

Farbe:

dunkelgraue Oberseite, hellgraue Seiten mit dunklen Flecken, weiße Kehle und Bauch

Alter:

12 bis 15 Jahre

Nahrung:

kleine Bodenfische, wie Grundeln, aber auch Heringe, Sprotten, Makrelen, Wittlinge und Kabeljau oder Tintenfisch, Krabben, Würmer und Schnecken.

Fortbewegung:

Tauchen: 4-6 Minuten bis 200 Meter tief
Geschwindigkeit: maximal 23 Kilometer pro Stunde

Feinde:

den Menschen; verfangen in Netzen, Verlust des Lebensraumes, Verschmutzung und Lärm

Fortpflanzung:

Erwachsen: 3-6 Jahre
geschlechtlich: alle 1-2 Jahre ein Kalb
Trächtigkeit: 10-11 Monate
Säugezeit: 7-8 Monate

  • Nie: Bruinvis (gewone bruinvis, varken)
  • Lat: Phocoena phocoena
  • Eng: Harbour porpoise (common porpoise)
  • Fra: le marsouin
  • Deu: Schweinswal (Braunfisch, Meerschwein, Kleiner Tümmler)
  • Dän: Almindeligt marsvin
  • Nor: Nise
, Ecomare, Sytske Dijksen

Schweinswal

Der Schweinswal hat mit Schweinen an sich nicht viel zu tun. Der Name wurde bereits so ähnlich im Mittelalter benutzt, damals wurden sie viel gegessen. Schweinswale kamen früher in großen Mengen an unseren Küsten vor. Ab 1950 wurden sie allerdings immer seltener. Aber seit 1995 werden sie auf einmal wieder häufiger gesehen. Heute ist es die häufigste Walart in der Nordsee.

  • Schweinswalspotting
    Schweinswal, ecomare

    Auf See ist es nicht leicht, Schweinswale zu beobachten. Im Gegensatz zu den meisten Delphinen, springen Schweinswale fast nie aus dem Wasser, so dass man oft nur die Rückenflosse beim Luft holen zu sehen bekommt. Dadurch, und durch ihre geringe Größe fallen die Schweinswale im Meer nicht besonders auf, vor allem wenn auch noch ein wenig Wellengang besteht. Schweinswale leben solitär oder in Gruppen von drei bis fünf Tieren, manchmal auch mehr. Bei zwei Tieren zusammen handelt es sich meist um Mutter-Kalb-Paare. Manchmal bilden sich auf Wanderungen größere Gruppen. Vom Land, vom Strand oder von einem (Fähr-)Schiff hat man im Winter die besten Chancen, einen Schweinswal zu entdecken.

  • Wieder zurück
    Schweinswal, Ecomare

    Bis Mitte des 20. Jahrhunderts konnte man an verschiedenen Plätzen von Land aus Schweinswale beobachten, z.B. im Marsdiep. Dies veränderte sich zwischen den 1950ern und 1980ern. In allen Küstengebieten der südlichen Nordsee sank der Schweinswalbestand durch die Verschmutzung der Küstengewässer (vor allem PCBs), die Zunahme der Fischerei, wodurch weniger Nahrung zur Verfügung stand, sowie der Gebrauch von Kunststoffnetzen, in denen sich die Schweinswale leicht verfangen können.
    Seit 1995 werden wieder regelmäßig Schweinswale vor der Küste gesichtet. Die starke Zunahme der Population konnte nicht allein durch den natürlichen Zuwachs durch Geburten erklärt werden. Ausführliche Zählungen, die von Schiffen aus 1994 (SCANS) und 2005 (SCANS2) durchgeführt wurden, zeigten, dass die gesamte Zahl der Schweinswalen in der Nordsee in beiden Jahren um die 250.000 Tiere betrug. 1994 lebten zweidrittel der Population in der nördlichen Nordsee, 2005 war es genau andersherum. Da auch die Zahl der fischfressenden Seevögel in der nördlichen Nordsee abnahm, vermuteten die Forscher, dass die Schweinswale auf der Suche nach neuen Nahrungsquellen waren.
    Seit 2007 nehmen sie Sichtungen und Strandungen an der holländischen Küste wieder ab. Ob die Schweinswale wieder zurück in die nördliche Nordsee ziehen oder ob es dafür andere Gründe gibt, ist nicht klar.

  • Verbreitung der Schweinswale
    Verbreitungskarte Schweinswal., Ecomare

    Der Schweinswal ist ein Bewohner der flachen, relativ kalten Küstenmeere. In der gesamten Nordsee leben etwa 300.000 Schweinswale. Als es noch viel fetten Anjovis gab, waren die Schweinswale auch im Wattenmeer und der Zuiderzee sehr zahlreich. Heute werden sie dort kaum noch gesehen.

  • Nahrung
    , SOS Dolfijn

    Schweinswale finden ihre Nahrung unter Wasser mit Hilfe ihres 'Sonars'. Im niederländischen Küstengebiet und in der Ostsee sind das vor allem kleine Bodenfische, wie Grundeln. Auf hoher See besteht die Nahrung vor allem aus Heringe, Sprotten und Makrelen. Im deutschen Wattenmeer sind dagegen Plattfische die wichtigste Nahrung. Das Fressen von großen Plattfischen kann gefährlich sein: verschiedene angespülte Schweinswale waren nach dem Verzehr von zu großen Plattfischen erstickt. Vor zwanzig Jahren fraßen die Schweinswale in der Nordsee vor allem Wittlinge. Diese Fischart ist heute seltener geworden. Darum sind die Schweinswale auf Grundeln als Nahrung umgestiegen. Die sind allerdings ein Stück kleiner als Wittlinge. Darum müssen sie viel mehr Fische fangen, um doch ihren Energiebedarf zu decken. Besonders im Sommer sehen die Wissenschaftler an den gestrandeten Schweinswalen, dass sie nur mit Mühe genug zu fressen bekommen. Pro Tag benötigen Schweinswale etwa 5 kg Fisch, das sind rund 10% ihres Körpergewichtes. Es gibt die Theorie, dass Schweinswale sich gegenseitig bei der Nahrungssuche helfen durch den Einsatz ihres Sonarsystems. Es ist vorstellbar, dass das verstreute Vorkommen der Gruppe ein Mittel ist, um größere Bereiche des Meeres abzusuchen.

  • Paarungszeit

    Die Paarungszeit fällt normalerweise in die Zeit von Juni bis Anfang August. Die Tragzeit beträgt etwa 11 Monate, sodass es zu einer Geburtenwelle im Juli kommt. Die meisten Weibchen bekommen nicht jedes Jahr Nachwuchs, ihr erstes Kalb bekommen sie im Alter von fünf bis sechs Jahren. Die Kälber trinken bis zum Alter von acht Monaten Milch bei der Mutter. Erst danach fressen sie Fische. Der Übergang ist oft nicht leicht. Junge Schweinswale haben oft Schwierigkeiten, ausreichend Nahrung zu finden. Viele der Schweinswale, die tot am Strand gefunden werden, sind erst ein Jahr alt. Sie sind dann etwa 100 Zentimeter lang.

  • Walläuse
    Whale louse, Ecomare

    Walläuse sind kleine Krebstiere, aber sie sind nicht so unschuldig, wie es klingt. Es sind echte Parasiten, die die Haut, das Fett und Blut von zum Beispiel Schweinswalen fressen. Sie leben vor allem auf kranken und schwachen Tieren. Die können stark darunter leiden. Walläuse können sich zum Beispiel rund um eine Wunde ansammeln. Gesunde Schweinswale sorgen dann dafür, dass die Plagegeister keine Chance haben! Durch ordentliches Scheuern sind sie doch zu entfernen.

  • Strandungen und Forschung
    Strandungen von Schweinswalen, Ecomare
    Strandungen von Schweinswalen, Ecomare

    Spült ein toter Schweinswal an, wird eine Meldung an Naturalis, dem nationalen naturhistorischen Museum in Leiden, durchgegeben. So viele dieser Tiere wie möglich werden geborgen und untersucht. Lebende Schweinswale, die zum freilassen zu krank sind, werden in das Delphinarium nach Harderwijk gebracht. Dort werden sie von SOS Dolfijn versorgt, bis sie gesund sind. Bis 1965 spülten Schweinswale vor allem im Sommer an. Nach diesem Jahr werden sie häufiger im Herbst und Winter gefunden.

  • Schutz

    Schweinswale stehen auf der Liste der geschützten Tiere in der Habitat-Richtlinie. Westlich von Sylt wurde ein Schweinswalreservat eingerichtet, da hier viele Jungen geboren werden.

  • Gefahren
    dode bruinvis, ecomare, salko de wolf

    Untersuchungen nach der Todesursache von Schweinswalen 2006 zeigen, dass die Hälfte der Schweinswale durch Ertrinken gestorben sind. Vermutlich kommt dies durch Verstrickungen in Kiemen- und Stellnetzen der Fischer bei der Nahrungssuche am Boden.
    Untersuchungen der Speckschicht von jüngst gestrandeten Schweinswalen zeigen, dass sie viele giftige Stoffe enthält, wie einen giftigen Brandhemmer. Dieser Brandhemmer wird in Isolationsschäumen und Möbelpolstern eingesetzt, er gelangt über die Abwässer ins Meer. Dort wird er von Fischen aufgenommen. Da Schweinswale viele Fische fressen, landet viel von diesem Stoff in ihrer Speckschicht. Der Stoff stört den Schilddrüsenhormonhaushalt und das Nervensystem des Schweinswales.