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Ostatlantische Zugroute, Ecomare

Vogelzug

Der Vogelzug wird schon seit dem Altertum untersucht. Viele Vögel, die im Wattenmeer leben, sind Zugvögel. Watvögel, Enten und Gänse, die in nördlicheren Gefilden brüten, ziehen im Spätsommer in Richtung Wattengebiet. Manche überwintern hier, andere ziehen weiter südwärts, nachdem sie sich im Watt satt gefressen haben. Im frühen Frühjahr beginnt dann wieder die Reise zurück in die Brutgebiete.

  • Hunger

    Der Anlass für den Vogelzug ist der Nahrungsmangel im Brutgebiet in der kalten Jahreszeit. Bevor der Nahrungsmangel auftritt, ziehen die Vögel in wärmere Gebiete. Umgekehrt ist der Moment, an dem sie zurück kehren, genetisch bestimmt. Früher gab es darüber unterschiedliche Meinungen. Im Mittelalter glaubte man, dass sich die Vögel im Winter in andere Arten verwandelten, wie der Kuckuck in einen Sperber, oder dass sich die Schwalben im Matsch versteckten. Einige mittelalterliche Vögel flogen zum Mond oder verwandelten sich in Fische.

  • Mit der Sonne und den Sternen

    Zugvögel orientieren sich während des Zuges am Tage am Sonnenstand und in der Nacht an den Sternen. Wissenschaftler fanden dies heraus, als sie mit Spiegeln den für die Vögel sichtbaren Sonnenstand manipulierten. Die Vögel reagierten auf die Manipulation, indem sie eine andere 'Zugrichtung' wählten. Auch an Oberflächenformen auf der Erde orientieren sich die Vögel, wobei vor allem Flüsse und Kanäle, die in Nord-Südrichtung verlaufen, genutzt werden. Weiter könnten das Magnetfeld der Erde und polarisiertes Licht eine Rolle spielen.

  • Radarkontrolle

    In Leeuwarden wird mit einem Radar der Luftwaffe die Ziele und die Art des Vogelzuges beobachtet. Der Radar kann bis mehrere Kilometer in der Umgebung die Vögel wahrnehmen. Die Luftwaffe hat das Ziel, ein Modell zu machen, das den Vogelzug vorhersagen kann, um somit Kollisionen mit Flugzeugen zu vermeiden. Vögel können tödliche Unglücke und große Schäden bei Flugzeugen anrichten.

  • Wintergäste

    Für viele Vögel, die in den nördlicheren Regionen brüten, ist das Klima im Wattenmeer zum Überwintern mild genug. Besonders spektakulär sind die enormen Mengen von Nonnengänsen (Weißwangengänse), die die Weiden und Äcker im Lauwersmeergebiet und auf Schiermonnikoog bevölkern. Auf Texel suchen in den nördlichen Poldern große Gruppen von Zwergschwänen, Saatgänsen und Ringelgänsen nach Nahrung. Auch viele Entenarten, wie Mittelsäger, Schnatterenten, Zwergsäger, Spießenten, Pfeifenten und Tafelenten wählen das Wattenmeer häufig als Überwinterungsort.
    Im Kulturland und den Dünengebieten fliegen im Winter große Gruppen von Wacholderdrosseln und Rotdrosseln umher. Diese Drosseln waren früher als Jagdbeute begehrt. Ein Raubvogel, der auch im Wattenmeergebiet überwintert, ist der Rauhfußbussard.

  • Internationale Zugvogelzählung

    Um die Zahl der Zugvögel aufzunehmen, werden im europäischen Rahmen in 34 Ländern von vielen Vogelfreunden während der Zugzeit die Vögel gezählt. Die Organisation Euro Birdwatch organisiert diese Zählung, die in den Niederlanden durch die Vogelbescherming umgesetzt wird. Insgesamt wurden 2005 259 Arten und 788.620 Individuen gezählt.