Content on this page requires a newer version of Adobe Flash Player.

Get Adobe Flash player

 

Search in the Encyclopedia
Baßtölpel, Marijke de Boer

Seevögel

Wer vom Strand über das Meer blickt, sieht meistens schon Vögel. Vor allem Silbermöwen kennt eigentlich jeder. Dabei sind sie eher Küsten- als Seevögel. Richtige Seevögel sieht man im allgemeinen nicht vom Land aus (es sei denn, sie spülen als Ölopfer an), sondern nur auf hoher See. Vor allem das Bild von den großen Vogelschwärmen hinter den Fischkuttern, die auf den Beifang und Fischabfall lauern, ist vielen bekannt.

  • Aberglaube
    Baßtölpel, Marijke de Boer

    Seevögel haben schon immer die Phantasie angeregt. Die Seefahrer von früher hatten auf ihren langen Reisen kaum andere Gesellschaft, als die Seevögel, die ihren Schiffen folgten. Sie sahen in deren Anwesenheit bei Flaute ein gutes Omen; der Wind würde dann schnell wieder aufleben. Die Seefahrer glaubten auch, dass die Seelen der gestorbenen Seemänner in diesen Seevögeln weiterleben würden.
    Mit oder ohne Aberglauben, Seevögel betrachtet man mit Respekt. Sie leben in einer Welt, in der Menschen nur mit künstlicher Hilfe eine kurze Zeit verweilen können. Sie dagegen sind dort zuhause; sie verbringen dort einen großen Teil des Jahres und suchen dort ihre Nahrung. Auch in anderer Hinsicht unterscheiden sich Seevögel von den mehr an die Küste gebundenen Wattvögeln: Seevögel werden regelmäßig als Ölpestopfer in den Nachrichten gezeigt.

  • Vogelarten über der Nordsee

    Auf den Meeren in der ganzen Welt kommen etwa 300 Seevogelarten vor. Im Nordseegebiet leben Eissturmvögel, Baßtölpel und Alkenvögel, die sozusagen das nördliche Pendant zu den Pinguinen der Antarktis darstellen. Auch Dreizehenmöwen und Raubmöwen kommen auf der Nordsee vor. Alle diese Vogelarten kommen eigentlich nur zum Brüten an Land. Vorwiegend tun sie das an felsigen Küsten und Klippen, weshalb sie nicht in den Niederlanden brüten.

  • Seetüchtige Vögel
    Eissturmvogel, Foto Fitis, www.fotofitis.nl

    Für warmblütige Tiere wie Vögel ist die Meeresumwelt kein idealer Lebensraum. Auf offener See gibt es bei weitem nicht immer Nahrung und hier ist es unmöglich, Schutz vor Sturm und Regen zu finden. Um sich gegen diese ungünstigen Verhältnisse zu schützen, verfügen Seevögel über dicke Fettpolster und schwere Muskeln. Bei Nahrungsknappheit können sie noch einige Zeit von ihren Fettpolstern zehren. Die meisten Seevögel haben zudem noch einen großen Magen. So kann z.B. ein Eissturmvogel 20 % seines Körpergewichtes an Nahrung mit sich tragen. Um warm und trocken zu bleiben, verfügen Seevögel über ein perfekt schließendes, beinahe wasserdichtes Federkleid.
    Seevögel verstehen die Kunst salziges Meerwasser als Trinkwasser zu nutzen. Sie können das Salz mit Hilfe zweier Drüsen im Schädel aus dem Meerwasser entfernen. Das überflüssige Salz läuft durch einen Kanal zur Nasenhöhle, wo es durch die Nasenlöcher ausgeschieden wird. Bei Seevögeln sieht man manchmal ein hochkonzentriertes Salztröpfchen am Schnabelende hängen.
    Einige Seevögel haben sich der relativen Nahrungsknappheit der offenen See angepasst, indem sie nur ein Ei legen. Somit muss nur ein Junges ernährt werden. Auch die lange Brutperiode - meistens mehr als ein Monat - und das langsame Aufwachsen der Jungen passt dazu: die Küken brauchen pro Tag nicht so viel Fisch. Junge Baßtölpel werden sogar drei Monate lang betreut, bevor sie das Nest verlassen.
    Seevögel können Dutzende Jahre alt werden. Im Gegensatz zu den meisten Landvögeln (die schon nach einem Jahr geschlechtsreif sind) werden Seevögel erst im Alter von durchschnittlich 5 Jahren geschlechtsreif.
    Seevögel sind hervorragende Flieger und/oder Schwimmer. Das heißt aber auch, dass sie sich an Land oft nicht gerade geschickt bewegen können.

  • Die Kunst des Jagens
    Papageitaucher, Foto Fitis, www.fotofitis.nl

    Viele Seevögel fressen Fisch. Um ihn zu fangen, haben die Vögel verschiedene Jagdmethoden entwickelt. Tordalk, Trottellumme und Papageitaucher tauchen in die Tiefe, um ihre Beute zu fangen. Sie ähneln nicht nur äußerlich den Pinguinen, sondern auch in der Art und Weise, wie sie unter Wasser 'fliegen' - mit halb ausgebreiteten Flügeln. Ihre Füße haben Schwimmhäute und dienen als Ruder. Sie können enorme Tiefen erreichen. Trottellummen wurden bis auf 180 m Tiefe angetroffen. Der Baßtölpel spürt seine Beute aus der Luft auf, dann stürzt er als echter Stoßtaucher senkrecht aus Höhen bis 30 Meter ins Meer, um sich die Beute zu schnappen. Er faltet seine länglich spitzen Flügel nach hinten, um mit einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern wie ein lebender Torpedo die Wasserfläche zu durchschneiden. Der heftige Stoß wird vom verstärkten Schädel und einem schützenden Luftkissen unter der Haut aufgefangen. Der Eissturmvogel ist ein typischer Oberflächenjäger. Er sitzt auf dem Wasser und pickt Fischereiabfall oder kleine Fische und Garnelen auf, die direkt unter der Wasseroberfläche schwimmen.
    Viele Seevögel sind an der Unterseite ihres Körpers weiß oder grau. Diese Farbe dient als Jagdtarnung. Wenn die Vögel an der Oberfläche schwimmen oder eben darüber fliegen, können Fische sie nur schwer gegen den glitzernden Wasserspiegel unterscheiden.
    Eine Ausnahme bilden die Trauerenten, die auf offener See vor der niederländischen Küste vorkommen. Sie tauchen nach Muscheln und brauchen deshalb keine Tarnung.

  • Verbreitung in der Nordsee
    Trotellumen, Marco Witte

    Durch die Unzugänglichkeit und Weite der Nordsee ist es nicht einfach, die Verbreitung der Seevögel zu kartieren. Seevogelzählungen an Bord von Forschungssschiffen brachten dennoch einige Tatsachen und Muster zu Tage.
    Die Brutgebiete der Seevogelarten ist am einfachsten zu kartieren, weil Vögel dafür auf das Festland und Inseln angewiesen sind. Trottellummen, Tordalken und Dreizehenmöwen wählen zum brüten steile Felsklippen direkt am Meer. Derartige Orte gibt es vor allem an der britischen Nordostküste, den Schetland- und den Orkney-Inseln, sowie an der norwegischen Küste. Die einzigen Klippen in der südlichen Nordsee gibt es auf Helgoland, wo hauptsächlich Trottellummen und Dreizehenmöwen brüten.
    Seevögel stellen noch mehr Anforderungen an ihre Nistplätze. Sie bevorzugen nicht so sehr die steilen Klippen, sondern suchen vor allem Orte, an denen es keine vierbeinigen Räuber gibt (Füchse, Ratten). Darum sind unzugängliche Felseninseln ideal. Die Nistplätze der Papageitaucher und Baßtölpel liegen häufig oben auf den Brutfelsen. Die dort herrschenden Winde vereinfachen das Wegfliegen.

    Papageitaucher brüten in Mulden oben auf den Kliffen, auf den grasbewachsenen Flächen zwischen den Felsen. Trottellummen und Tordalken legen ihre Eier auf den tiefer gelegenen Felsvorsprüngen:

    Alle drei Alkvogelarten fressen dieselben Fischarten, aber die Trottellumme fängt größere Fische, während der Papageitaucher die kleinen Fische packt.

  • Seevogelzug

    Einige Seevogelarten bleiben ganzjährig in der Nähe ihrer Brutplätze. Andere ziehen aufgrund des Wechsels der Jahreszeiten und des Nahrungsangebotes über kleinere oder größere Abstände. Viele Baßtölpel und Papageitaucher verlassen das Nordseegebiet Ende Juli, nachdem ihre Jungen flügge sind. Im nächsten Frühjahr kehren sie wieder in ihre Brutgebiete zurück. Es gibt vier Arten, die ganzjährig im Nordseegebiet bleiben: Eissturmvogel, Dreizehenmöwe, Trottellumme und Tordalk. Sie nehmen am langen Zug nicht teil, aber sie ziehen innerhalb der Nordsee. Die Trottellumme brütet im Frühjahr an der nordenglischen und schottischen Nordseeküste. Im August zieht ein Teil der Population mit den noch jungen Küken in den östlichen oder südlichen Teil der Nordsee. Im Frühjahr kehren die Vögel wieder zu ihren englischen und schottischen Brutfelsen zurück.
    Die südliche Nordsee ist somit vor allem als Nahrungsgebiet im Winter für die Seevögel wichtig. Vor allem die Friese Front, das Gebiet nördlich der niederländischen Wattenmeerinseln, zieht viele Seevögel an. An dieser Stelle sind die Gezeitenströmungen so schwach, dass nährstoffreicher Schlick absinken kann. Dadurch leben hier viele Bodentiere, Fische und somit auch Vögel.
    Am Strand ist im allgemeinen vom Seevogelzug nicht viel zu sehen. Die Vögel ziehen zwar an der Küste entlang, sind aber doch zu weit weg, um sie gut sehen zu können. Nur bei stürmischen Nordwestwinden fliegen sie näher an der Küste und dann kann man besondere Vogelbeobachtungen erwarten. Bei diesen Bedingungen sieht man dann auch gut eingepackte Vogelbeobachter mit einem Teleskop das Meer absuchen.

  • Spitze der Nahrungskette
    Nahrungsnetz, Ecomare

    Seevögel sind natürlich nicht die einzigen Tiere, die in der Nordsee vorkommen. Unter den Nordseewellen herrscht eine große Vielfalt an Leben. An der Basis des Lebens im Meer stehen mikroskopisch kleine Pflanzen, das Phytoplankton. Für ihr Wachstum sind neben Wasser und CO2 auch Sonnenlicht und Nährstoffe (Nitrate, Phosphate etc.) erforderlich. In der flachen Nordsee sind diese Zutaten in der Regel im Überfluss vorhanden. Somit wird auch viel pflanzliches Plankton produziert. Dies wird vom tierischen Plankton gefressen, das ebenfalls frei im Wasser schwebt.
    Dieses Zooplankton wird von Bodentieren und (jungen) Fischen gefressen, die selber wiederum von größeren Fischen gefressen werden. Alle Fische stehen letztendlich auf der Speisekarte von Meeressäugetieren, Menschen und Seevögeln.
    Alle Pflanzen und Tiere im Meer bilden auf diese Weise eine Art Kette von 'Fressen und Gefressenwerden': die sogenannte Nahrungskette. Seevögel stehen am Ende dieser Kette: Sie fressen überwiegend kleinere Fische wie Sprotten und Sandaale. Nur der Baßtölpel frisst vorwiegend größere Fischarten wie Makrelen.
    Aus Studien an Dreizehenmöwen in Alaska wurde deutlich, wie wichtig gutes Fressen für Möwen ist. In diesem Gebiet hat sich die Population der Dreizehenmöwen seit den 1980ern halbiert. Dies geschah zeitgleich mit der verringerten Verfügbarkeit von fettreichen Fischen durch die Klimaveränderung. Ein Mangel an fetten Fischen sorgt bei den Vögeln für eine Störung in der Gehirnentwicklung, wodurch die jungen Möwen heute wahrscheinlich zu dumm sind und nicht überleben können.

  • Jagd auf Seevögel

    Seevögel waren für Menschen nicht nur als Beobachtungsobjekt interessant. Inselbewohner der Küsten des Nordatlantiks haben jahrhundertelang Eissturmvögel, Baßtölpel, Papageitaucher, Tordalken und Trottellummen gefangen und Vogeleier gesammelt. In den Wintermonaten waren diese Menschen wochenlang von der Außenwelt abgeschnitten. Die in den Sommermonaten gesammelten Eier und Seevögel dienten dann als Nahrung. Die Inselbewohner kontrollierten ihre Ernte nach eigenen Regeln, um die Seevogelpopulationen (und damit auch ihre eigenen Nahrungsvorräte) nicht in Gefahr zu bringen.
    Anders verlief es mit dem Riesenalk. Dieser Seevogel des nordwestlichen Atlantiks wurde im 19. Jahrhundert in großen Mengen abgeschlachtet, um als Nahrung für Robbenjäger und Fischer zu dienen. Der Riesenalk war ebenso wie die Pinguine an die Jagd unter Wasser angepasst und konnte nicht fliegen. Dies machte ihn verletzlich, 1844 wurde dann auch das letzte Tier getötet.
    Auch heute noch gibt es Menschen, die Seevögel essen. Auf Island und den Färöer, wo die Seevögel früher als Nahrungsquelle nicht wegzudenken waren, isst man auch heute noch Papageitaucher. Die Vögel werden mit Netzen, die an Stangen befestigt sind, gefangen. Dieses 'fleyging' geschieht von Booten aus, oder, noch häufiger, stehend von oben, von den steilen Kliffen der Brutkolonie aus. Die Vögel werden in der Luft gefangen, wenn sie auf dem Weg zum Nest nahe an den Felsen entlang fliegen.

  • Vom Gift bedroht

    Die Verschmutzung des Meerwassers mit allerlei Giftstoffen stellt auch eine große Bedrohung für die Seevögel dar. Giftstoffe gibt es in vielen Variationen: Schwermetalle, Schädlingsbekämpfungsmittel, Öl, PCBs, PAKs, UGILECs usw. Alle diese Schadstoffe gelangen über Flüsse, durch Unfälle und Einleitungen auf See und sogar über den Niederschlag aus der Luft ins Meerwasser. Dort erreichen sie über den Weg der Nahrungskette die Seevögel. Die Stoffe häufen sich im Fettgewebe der Seevögel an. Unter extremen Umständen zehrt ein Seevogel von seinem Fettvorrat: die Giftstoffe gelangen dann ins Blut und schwächen den Vogel. Eine besonders große Sterblichkeit unter den Seevögeln tritt darum in der Brutzeit und in den Wintermonaten auf, wenn die Vögel ihre Fettreserven nutzen. Vom Schädlingsbekämpfungsmittel DDT (und dem Abbauprodukt DDE) ist bekannt, das es den Hormonhaushalt stört: Die Calciumeinlagerung nimmt ab. Calcium sitzt auch in den Eierschalen. Durch DDT werden diese dünner und brechen schneller. So zerbrachen in Florida brütende Pelikane ihre Eier, eine Folge der DDT-Verschmutzung.
    PCBs greifen bewiesenermaßen in die Fortpflanzungbiologie und das Immunsystem von Säugetieren und Vögeln ein. Belastete Tiere erkranken viel leichter. PCB sammelt sich im Fettgewebe von Seevögeln an und erreicht hier Konzentrationen, die 10.000 mal höher sind als im umringenden Meerwasser. Die Abwehr solcher Vögel ist geschwächt und Parasiten und Krankheiten haben ein leichtes Spiel.

  • Beschmutzt mit Öl

    Öl ist die bekannteste und eine der größten Bedrohungen für Seevögel. Allein im niederländischen Teil der Nordsee sterben jährlich Zehntausende von Seevögeln durch Ölverschmutzung. Nur ein Bruchteil dieser Ölopfer kann in Auffangzentren wie Ecomare gerettet werden.

  • Seevögel und Fischerei: Freund...
    Fischereischiff, gefolgt von Möwen, Foto Fitis, www.fotofitis.nl

    Früher fischte man auf der Nordsee mit kleinen Fischerbooten. Heute fahren dort hypermoderne Fischfabriken, die nicht nur den Fisch fangen, sondern ihn auch gleich auf See verarbeiten, verpacken und einfrieren. Der Fisch wird mit modernen Sonargeräten aufgespürt. Durch diese industrielle Fischerei werden große Fischmengen angelandet.
    Einige Seevogelarten haben lange Zeit einen Vorteil davon gehabt, dass die größeren Fischarten, wie Hering, Makrele und Kabeljau weggefangen wurden. Dadurch hatten die kleineren Fische weniger Raubfeinde und Nahrungskonkurrenten. Arten, wie Sandaal und Sprotte, konnten dadurch zunehmen. Vor allem die Eissturmvögel, Dreizehenmöwen und Trottellummen profitierten von der gestörten Situation, da sie gerade die kleineren Fische auf ihrer Speisekarte stehen haben: Sandaale vor allem in der Brutsaison und im Winter Sprotten. Unter anderem Dank dieses Nahrungsüberschusses haben sich einige Seevogelarten im vorigen Jahrhundert spektakulär von der Jagd, dem Eierraub und der damit verbundenen Bestandsabnahme Ende des 19. Jahrhunderts erholen können.
    Viele Seevögel profitieren von den Fischabfällen, die von den Baumkurrenfischern auf See über Bord gekippt werden. Vor allem die Dreizehenmöwen und die Eissturmvögel wissen die Fischereischiffe zu finden.

  • ...und Feind!

    Regelmäßig ertrinken Seevögel und Meeressäugetiere in den Netzen der Stellnetzfischer. So wurde vor der norwegischen Küste festgestellt, dass pro Jahr etwa 30.000 Trottellummen in Fischernetzen sterben.
    In den 1980ern schien mit dem Aufkommen der Industriefischerei ein Ende an das Wachstum der Seevogelbevölkerung in der Nordsee gekommen zu sein. Die Industriefischerei fängt kleine Fische, wie Sandaale und Sprotten, die auch die Nahrung vieler Seevogelarten darstellen. Die gefangenen Fische werden zu Fischmehl verarbeitet, das wiederum als Viehfutter, als Nahrung in der Aquakultur, in Dosen und Brocken als Futter für Hunde und Katzen und sogar als Dünger verwendet wird. Vor 1950 war diese Form der Fischerei auf der Nordsee so gut wie unbekannt, aber in den 1970ern stieg die Fangmenge auf etwa zwei Millionen Tonnen Fisch pro Jahr (gegenüber eine Million Tonnen Fisch für den menschlichen Konsum). Viel Industriefisch wird von dänischen und norwegischen Fischern geliefert, die beim Fang in der Nordsee häufig riesige Ringnetze verwenden. Neben Sandaale und Sprotten wird auch viel junger Hering mitgefangen.
    Die ersten Folgen dieser Fischerei scheinen sich schon ab zu zeichnen. Auf den Lofoten, einer Inselgruppe vor der norwegischen Küste, gelang es Anfang der 90er Jahre nur einem von tausend Papageitaucherpaaren, ihre Jungen groß zu ziehen. Sandaale und junger Hering werden von den jungen Papageitauchern benötigt, und die gab es nicht mehr. Die Papageitaucher der Lofoten überalterten. Jüngere Generationen fehlten. Trottellummen und Dreizehenmöwen geht es ähnlich.
    Auch in der Nordsee gibt es derartige Probleme. Nach 1982 ist die Zahl der Sandaale rund um die Shetland-Inseln zurück gegangen. Rund um diese Inselgruppe wurde viel gefischt: zwischen 1974 und 1982 stieg der Fang von Sandaalen sehr schnell von 8.000 auf 52.000 Tonnen pro Jahr. Ab 1983 haben besonders die Küstenseeschwalben, aber auch die Schmarotzerraubmöwen, Dreizehenmöwen, Papageitaucher und Eisstrumvögel aufgrund des Nahrungsmangels schlechtere Brutergebnisse. 1988 und 1989 wurde in den Kolonien der Großen Raubmöwen, Schmarotzerraubmöwen, Eissturmvögel und Dreizehenmöwen fast keine Jungen mehr aufgezogen. Die Zahl der Küstenseeschwalben war inzwischen um 70% zurückgegangen.
    In den oben genannten Fällen ist es nicht bewiesen, dass die Fischerei die direkte Ursache für den Rückgang ist. Möglicherweise wurden die Probleme bei den Lofoten und den Shetland-Inseln durch eine Veränderung in der Meeresströmung ausgelöst. Änderungen in der Strömungsrichtung, Salzgehalt oder Temperatur können auf den Fischbestand große Auswirkungen haben. Bei der Verschlechterung der Situation der Seevögel stehen also noch einige Fragezeichen.
    Es gibt jedoch noch mehr Signale, die deutlich angeben, dass die Vögel der Nordsee sowohl in der Brutsaison als auch im Winter Probleme mit dem Auffinden von ausreichender Nahrung haben. So gab es in den Niederlanden in den 1980ern eine Zunahme in der Zahl der angespülten toten Trottellummen, Tordalken und Dreizehenmöwen. Ursachen für diesen Anstieg waren zum Teil der Hungertod, teils eine Folge der chonischen (Öl-)Verschmutzung und zum Teil auch die Tatsache, dass mehr Vögel in der südlichen Nordsee überwintern. Im Laufe der 1990er schien eine Verbesserung einzutreten, zumindest soweit es sich um die Opfer der Ölverschmutzung handelte.

  • Aktion für Seevögel

    Einige Umweltschutzverbände machen sich schon seit Jahren Sorgen über das Schicksal der Vögel auf und an der Nordsee. So unterstützt die Stifung Nationaal Comité Zeevogels Olievrij - ein Arbeitsverbund von Vogelbescherming, Nederlandse Vereniging tot Bescherming van Dieren (nl. Tierschutzbund) und die Küstentierheime - unter anderem die Vogelpflegestationen mit finanziellen Mitteln für eine gute Unterbringung und mit Futterspenden bei Vogelkatastrophen. Bekannt sind Greenpeace, Stichting De Noordzee und die Waddenvereniging. Mit Kampagnen und Aktionen probieren diese Umweltorganisationen Politik und Öffentlichkeit auf die verschlechterten Lebensumstände für Seevögel im Nordseegebiet aufmerksam zu machen.

  • Wissenschaftliche Seevogel-Forschung

    Über die Verbreitung der Seevögel über der Nordsee, über ihre Futterauswahl und über die beste Art, sie zu schützen, ist noch nicht so viel bekannt. Beobachtungen von Vogelzählern auf Forschungsschiffen sollen Klarheit darüber verschaffen.
    Auch gibt es wissenschaftliche Studien über die Auswirkungen der Verschmutzung der Meeresumwelt. Derartige Studien sind sehr wichtig, da die Nordseeanrainerstaaten Beweise sehen wollen. Erst dann wird sich vielleicht etwas ändern. So untersucht die Arbeitsgruppe Nederlands Stookolieslachtoffer (zur Nederlandse Zeevogelgroep gehörend) die Auswirkungen der Ölverschmutzung auf Seevögel. Diese Untersuchung nutzt unter anderem die Daten der Ölpestopferzählungen, die seit dem Zweiten Weltkrieg durchgeführt werden. In den Niederlanden und den anderen Nordseeanrainerstaaten werden die Ölpestofper auch innerlich untersucht. So versucht man zusätzliche Daten über die Todesursache, körperliche Verfassung und die Auswirkungen von Öl und anderen Stoffen auf Vögel zu bekommen.