Nach den katastrophalen Tsunamis im Dezember 2004 in Südostasien und im März 2011 in Japan ist die Frage, ob derartige Flutwellen auch in der Nordsee möglich sind, wieder aktuell. Aus der Existenz einer besonderen Sandschicht von einigen Zentimetern bis Dezimetern Dicke in den Ablagerungen an der schottischen Ostküste und in Nordengland wird deutlich, dass es hier vor etwa 8000 Jahren in der Tat einen Tsunami gegeben hat. Auch in Island, Norwegen, auf den Färöer und Shetlandinseln war der Einfluss sichtbar. In den Niederlanden tauchten Spuren dieses Tsunamis bei Bodenuntersuchungen für den Bau einer Hochgeschwindigkeitstrasse nach Paris, der HSL, und beim Rotterdamer Hauptbahnhof auf. Studien brachten zutage, dass ein unterseeischer Hangsturz des Ozeanbodens vor Norwegen den sogenannten Storegga-Tsunami verursacht hat, der bei den Shetlandinseln noch eine Wellenhöhe von 25 Metern gehabt haben muss.
Andere Tsunamis in der Nordsee gab es am 6. April 1580, als ein unterseeisches Beben die Stadt Calais und deren Umgebung überflutete. Am Tag darauf folgte ein zweiter Tsunami, der bis zum Mont St. Michel in der Normandie reichte und der laut Aussagen von Überlebenden eine Wellenhöhe von mehr als 15 Metern hatte. 1931 verursachte ein Beben auf der Höhe der Doggerbank einen Tsunami, der vor allem Groß-Britannien traf.
In den Niederlanden und Belgien werden die Tsunamis kein großes Problem darstellen, da die Welle unterwegs in der relativ flachen südlichen Nordsee stark abgebremst werden wird. In der Nordsee könnten Tsunamis durch Rutschungen am Kontinentalhang zwischen Nordengland und Norwegen, sowie durch einen Einsturz von einem Teil des Vulkans Cumbre Vieja auf La Palma (Kanarische Inseln) verursacht werden. Belgische Wissenschaftler denken, dass dies an unserer Küste eine Wellenhöhe von maximal 1,5 bis 2 Meter erzeugt.