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Seehund, Gemeiner

Maße:

Männchen: maximal 1,90 Meter
Weibchen: maximal 1,70 Meter

Gewicht:

Männchen: maximal 170 Kilogramm
Weibchen: maximal 130 Kilogramm

Farbe:

 

Alter:

maximal etwa 35 Jahre

Nahrung:

vor allem Fisch (etwa 4 bis 8 Kilogramm pro Tag)

Fortbewegung:

schwimmen und robben

Feinde:

Mensch (Störung, Jagd, Verschmutzung und Beifang in Reusen und Fischnetzen)

Fortpflanzung:

Geschlechtsreife: ab 2-5 Jahre
Trächtigkeit: 10-11 Monate
Geburtszeit: Sommer (Mai, Juni, Juli)

  • Nie: Gewone zeehond
  • Eng: Harbour seal (Common seal, sand seal)
  • Fra: Phoque veau marin
  • Deu: Gemeiner Seehund
  • Dän: Spættede sæl
  • Nor: Steinkobbe (kobbe, sel, selhund)
  • Lat: Phoca vitulina vitulina
Gemeiner Seehund, Ecomare

Gemeiner Seehund

Man sollte es nicht sagen, wenn man in die schönen schwarzen Augen blickt, aber Gemeine Seehunde sind wilde Raubtiere! Ihre scharfen Zähne und der stromlinienförmige Körper sind für die Jagd auf Fische außerordentlich gut geeignet. Im Wattenmeer kommen Gemeine Seehunde am häufigsten vor. Dort liegen sie bei Niedrigwasser auf den Sandplaten, um sich zu sonnen und auszuruhen. Und im Sommer werden hier ihre Jungen geboren und gesäugt.

Auf Texel


Gemeine Seehunde kann man auf Texel natürlich bei Ecomare sehen und wild sieht man sie häufig an der Nordseeküste, vom Wattenmeerdeich aus und beim Leuchtturm.

  • Verbreitung und Lebensraum
    Weltverbreitungskarte Seehund., Ecomare

    Der Gemeine Seehund kommt an fast allen Küsten des nördlichen Atlantiks und des Pazifiks sowie deren angrenzenden Meere vor. Besonders Gezeitengebiete und Flussmündungen, wo ruhige Sandplaten oder Felsen trocken fallen, werden bevorzugt.
    Gemeine Seehunde scheinen echte Küstenbewohner zu sein. Auf dem offenen Meer sieht man sie selten. Dennoch zeigen Studien, bei denen Seehunde mit Sendern versehen wurden, dass Seehunde häufig weiter als 100km auf die Nordsee hinaus schwimmen. Sie schwimmen somit regelmäßig auf das offene Meer hinaus, aber da sie dann meistens unter Wasser schwimmen, werden sie nicht oft entdeckt.

  • Nachwuchs bekommen

    Die Weibchen der Gemeinen Seehunde können ab ihrem vierten Lebensjahr Nachwuchs bekommen, die Männchen sind erst ab dem sechsten Lebensjahr zeugungsfähig. Die Paarungszeit der Seehunde geht von Anfang August bis Mitte September. Die Trächtigkeit dauert elf Monate, davon findet in den ersten Monaten die sogenannte ‚Keimruhe‘ statt. Das befruchtete Ei nistet sich erst nach drei Monaten in der Gebärmutter ein und beginnt dann zu wachsen. Eigentlich beträgt die Trächtigkeit der Seehunde somit nur 7 Monate.
    Ab Mitte Mai werden bei Niedrigwasser die Jungen auf den trocken gefallenden Platen geboren. Sie müssen fast sofort, sobald die Flut aufkommt, schwimmen können. Noch drei Wochen nach der Geburt trinkt das Junge Milch bei der Mutter. In dieser Zeit steigt das Gewicht der Seehundjungen von 10 auf 24 Kilogramm. Das geht deswegen so schnell, weil die Muttermilch sehr nährreich ist, mit einem Fettgehalt von 45%. Zum Säugen begibt sich die Seehundmutter mit ihrem Jungen bei Niedrigwasser auf eine Sandbank. Genau zu der Zeit, wenn die Jungen bei ihrer Mutter säugen, sind auch Freizeitschiffer und Wattwanderer sehr aktiv. Darum wurden im Wattenmeer spezielle Ruhegebiete ausgewiesen, in die während der Geburts- und Säugezeit der Seehunde keine Menschen kommen dürfen. So können die Jungen genug Milch trinken und ohne Störung groß werden. Nach der Säugezeit geht die Mutter wieder ihre eigenen Wege und die Jungen müssen sich selber versorgen. Dann müssen sie ihre eigene Nahrung suchen und erst dann lernen sie, für sich selber Fische zu fangen und zu fressen.

  • Fressen

    Seehunde fressen vor allem das, was da ist, aber jeder Seehund scheint auch eine eigene Vorliebe für bestimmte Fischarten zu haben. Dadurch ist die Variationsbreite ziemlich groß und sie haben in jeder Saison wieder andere Fischarten auf der Karte stehen. Seehunde fressen am liebsten Fische, die dicht am Boden leben, wie Plattfische, Kabeljauartige, Grundeln und Sandaale. Erwachsene Seehunde, die sich von Plattfischen ernähren, brauchten von diesen bis zu 8 Kilogramm pro Tag. Tiere in Gefangenschaft fressen durchschnittlich nur 3 bis 4 Kilogramm Makrelen oder Hering pro Tag, da diese Fische viel fetter sind.

  • Anzahlen im niederländischen Wattenmeer

    In den letzten Jahren stieg die Zahl der Gemeinen Seehunde stark an. 2012 wurden im niederländischen Wattenmeer 6529 Gemeine Seehunde gezählt. Das war schon einmal anders. Die Geschichte der Seehunde im niederländischen Teil des Wattenmeeres kennt Höhen und Tiefen, verursacht durch Jagd, Verschmutzung und Krankheiten.
    Um 1950 lebten etwa 3000 Seehunde im Wattenmeer. Jährlich wurden 500 bis 600 Tiere abgeschossen, da man der Meinung war, dass die Seehunde den Fischern den Fisch vor der Nase wegfressen würden. In dieser Zeit wurde auch das Fell junger Seehunde modern. Besonders viele Jungtiere wurden abgeschossen und die Zahl der Seehund sank kontinuierlich. Ende der 1950er gab es nur noch etwa 1000 Tiere. 1962 wurde in den Niederlanden die Jagd auf Seehunde verboten. Wie man an der Grafik sehen kann, stieg die Zahl der Seehunde danach bis 1965.
    Aber es ging nicht lange gut. Grund dafür war die Verschmutzung des Meerwassers. Besonders die PCBs sorgten dafür, dass die Seehunde schlechter Nachwuchs bekamen. Mitte der 1970er erreichte die Anzahl einen Tiefpunkt von 500. Als die PCBs verboten wurden und die Jagd auf Seehunde auch in Deutschland untersagt wurde, begann die Zahl wieder langsam zu steigen, auf 1000 Tiere 1987. Auch die Arbeit der zwei niederländischen Aufzuchtzentren hat dazu beigetragen.
    Seit 1988 wird der Verlauf der Grafik von zwei Epidemien bestimmt, eine 1988 und eine 2002. Dadurch starben sehr viele Seehunde. Nach beiden Epidemien stieg die Zahl der Seehunde schnell wieder auf das alte Niveau. Im Sommer 2003, direkt nach der Epidemie von 2002, wurden auf den Sand- und Wattplaten im niederländischen Wattenmeer rund 2350 Gemeine Seehunde gezählt. Fünf Jahre später waren es schon wieder fast doppelt so viele. 2008 kam die internationale Seehundforschungsgruppe (TSEG) dann auch zu dem Schluss, dass sich die internationale Population vollständig von der Epidemie 2002 erholt hat.

  • Anzahlen im internationalen Wattenmeer

    Jedes Jahr wird gezählt, wie viele Seehunde im gesamten Wattenmeer leben. 2012 zählten die Niederlande, Deutschland und Dänemark zusammen 26.220 Seehunde, davon 7267 Jungtiere. Die Seehunde werden bei Niedrigwasser gezählt, wenn die meisten Tiere auf den Sandplaten liegen. Ein Drittel der Seehunde schwimmt während der Zählungen wahrscheinlich noch im Wasser, so dass die noch dazu gezählt werden müssen. Die gesamte Zahl im ganzen Wattenmeer wird darum auf 38.500 Seehunde geschätzt. In der Grafik kann man sehen, wie viele Seehunde jedes Jahr gezählt werden, von 1975 bis heute. Hier sieht man auch ganz deutlich die Auswirkungen der zwei Virusepidemien, die eine 1988 und die andere 2002.

  • Anzahlen im Deltagebiet

    Früher lebten viele Seehunde im Deltagebiet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sogar zwischen 6000 und 12.000 Tiere, geschätzt auf Basis der Zahlen der geschossenen Tiere. In den 1930ern wurden die Seehunde im Delta zum ersten Mal richtig gezählt, rund 1300 Tiere. In der Vergangenheit war das Deltagebiet somit, neben dem Wattenmeer, ein wichtiges Gebiet für die Seehunde in den Niederlanden. Leider ging es später nicht mehr so gut mit den Seehunden im Deltagebiet. 1990 lebten hier nur noch 14 Seehunde. Das kam wahrscheinlich durch den starken Jagddruck bis 1961 und danach durch die sich stark verschlechternde Wasserqualität. Da Tourismus, Fischerei und Schifffahrt immer stärker zunahmen, wurden die Seehunde darüber hinaus immer stärker gestört. Durch den Bau der Deltawerke verloren sie einen großen Teil ihres Lebensraumes. Seit 1994 geht es wieder etwas besser mit den Seehunden im Deltagebiet. 2011 wurden 530 Tiere gezählt. Für die Seehunde ist genug Fressen vorhanden. Im angrenzenden Vordelta und der Nordseeküstenzone gibt es genauso viel Fisch oder sogar noch mehr Fisch als im Wattenmeer.

  • Verhalten und Forschung mit Sendern

    Seefahrer sehen Seehunde meistens in Gruppen an der Küste oder liegend auf Sandplaten im Wattenmeer. Darum dachte jeder, dass sie auch vor allem in der Nähe der Küste und der Sandplaten lebten. Aber als einige Seehunde einen Sender bekamen, wurde klar, dass die Seehunde ein sehr großes Gebiet nutzen und dass sie nicht nur in der Nähe ihrer Ruheplätze leben.
    IMARES arbeitet in den Niederlanden an Studien mit den mit Sendern ausgestatteten Seehunden. Die erste Gruppe von neun Seehunden wurde 1997 mit Sendern auf dem Kopf ausgestattet. Es waren Seehunde, die in Gefangenschaft geboren worden waren. Sie wurden im Brielse Gat ausgesetzt, im südholländischen Deltagebiet. Durch die Sender erhielten die Forscher Informationen über das Verhalten der Seehunde: wo gehen sie auf Jagd, wo sind ihre bevorzugten Ruheplätze, wandern die Tiere über große Abstände und wenn ja, wohin?
    Heute werden nur noch wilde Seehunde mit Sendern ausgestattet. Die Forscher möchten so mehr über die Gebiete lernen, die für Seehunde wichtig sind und ob die Seehunde Probleme durch menschliche Aktivitäten haben, wie Schießübungen oder Rammarbeiten. Studien haben gezeigt, dass die kleinen Sender und Antennen die Tiere nicht stören. Die Sender sind am Fell des Seehundes festgeklebt. Wenn der Seehund sein Fell wechselt, fallen sie von selber ab. Die Sender sind im Laufe der Jahre immer kleiner geworden und sitzen jetzt im Nacken statt auf dem Kopf.

  • Virusepidemien

    1988 und 2002 wurden die Seehunde in der Nordsee und im Wattenmeer von einem Virus infiziert. Beide Male starben mehr als die Hälfte der Gemeinen Seehunde im Wattenmeer. Obwohl die Seehundviren für Menschen nicht gefährlich sind, ist es immer schlau, sich von einem kranken oder toten Seehund fern zu halten. Tote Tiere können neben Viren auch andere Krankheitserreger in sich tragen, die die Gesundheit schädigen können. Zudem sind einige Krankheiten, die Seehunde haben können, auch ansteckend für Hunde.