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Wellhornschnecke

Maße:

maximal 15 cm, meistens kleiner

Farbe:

Schale meistens graubraun, Schnecke selber gelb-weiß bis hellbraun

Alter:

maximal 30 Jahre

Nahrung:

vor allem Würmer, aber auch kleine Krebstiere, Muscheln und Aas

Feinde:

Plattfische, Bodenfischerei, der Mensch, Giftstoffe wie TBT

Fortpflanzung:

geschlechtlich

  • Nie: Wulk
  • Lat: Buccinum undatum
  • Eng: Common whelk (Buckie)
  • Deu: Wellhornschnecke
  • Dän: Konk
  • Fra: Buccin
Wellhornschnecke, Ecomare

Wellhornschnecke

Wahrscheinlich hast du noch nie eine lebende Wellhornschnecke in echt gesehen. Dennoch ist die Wellhornschnecke eine große Meeresschnecke, die zu der natürlichen Bodenfauna der Nordsee gehört. Sie leben etwas tiefer im Meer und man findet sie meistens als leeres Schneckenhaus am Strand, oder als das Haus eines Einsiedlerkrebses. Diese Schnecken sind besonders empfindlich gegenüber Überfischung, dem Umpflügen des Meeresbodens und bestimmten Giftstoffen wie Tributylzinn. Durch die Kombination dieser Faktoren ist die Wellhornschnecke aus dem niederländischen Küstengebiet und dem Wattenmeer verschwunden.

  • Eine Menge Eier
    Eikapseln Wellhornschnecke, foto fitis, sytske dijksen

    Strandwanderer kennen die Wellhornschnecke, da sie manchmal die Eikapseln dieser Schnecke finden. Die Wellhornschnecke setzt diese Eimassen auf Steinen oder anderem harten Material am Meeresboden ab. Die Kapseln, die am Strand liegen, wurden losgerissen. Manchmal durch Wasserbewegungen, aber häufiger durch Fanggeschirr, das über den Boden geschleppt wird.

  • Verbreitung und Lebensraum

    Die Wellhornschnecke lebt in den tieferen Bereichen der Nordsee. Entlang der Küste und im Wattenmeer ist sie so gut wie verschwunden, unter anderem aufgrund der Fischerei. Sie leben auf Sand- und Schlickböden, können aber auch auf harten Untergründen wie Felsen vorkommen. Normalerweise leben Wellhornschnecken in rund 100 Metern Tiefe, aber es wurden auch schon Wellhornschnecken in 1200 Metern Tiefe gefunden.

  • Empfindlichkeit von Wellhornschnecken gegen Gifte
    Wellhornschnecke, Ecomare

    Wellhornschnecke, links ein normales Weibchen, rechts ein Weibchen mit einem penisartigem Auswuchs
    Wissenschaftler vom NIOZ unternehmen häufig Forschungsfahrten mit dem Schiff auf der Nordsee. Sie entdeckten dabei verschiedene Male weibliche Wellhornschnecken mit penisartigen Auswüchsen. Diese Auswüchse blockieren die Eileiter, wodurch die vom Weibchen prodzuierten Eier nicht abgegeben werden können. Diese Erscheinung nennt man Imposex. Dadurch können sich viele Wellhornschnecken nicht fortpflanzen. Imposex verursacht große Probleme für die Population, es gibt weniger Jungschnecken und die Zahl der Wellhornschnecken nimmt schnell ab. Unfruchtbarkeit aufgrund von Imposex sah man häufig in der Nähe von vielbefahrenen Schifffahrtsrouten. In der Oosterschelde hat man sogar festgestellt, dass in der Zeit von 1991-1997 zwischen 90 und 100% der Wellhornschnecken penisartige Auswüchse hatten.
    Weitere Forschungen ergaben, dass diese Erscheinung durch Tributylzinn hervorgerufen wird, das im Anstrich der Schiffsrümpfe enthalten war, um den Anwuchs von Meeresorganismen zu verhindern. Ab 2008 ist es verboten, jegliche Art von Tributylzinn auf Schiffen zu haben. Zuerst war es nur für kleinere Schiffe verboten, jetzt dürfen sogar ältere Tributylzinnreste nicht mehr auf Schiffen vorkommen.
    Der Zusammenhang zwischen Tributylzinn und Imposex ist bei der Wellhornschnecke so deutlich, dass nun angenommen wird, dass sich die Wellhornschnecke nicht mehr im Wattenmeer ansiedeln kann, weil die Konzentrationen an Tributylzinn im Schlick zu hoch sind. Auch in der Nordsee ist es nicht gut um die Zahl der Wellhornschnecken bestellt. Eine geringe Zahl von Wellhornschnecken sorgt auch für Probleme bei den Einsiedlerkrebsen. Die Häuser der Wellhornschnecken sind die einzigen Häuser, die groß genug für die erwachsenen Einsiedlerkrebse sind. Gibt es weniger Wellhornschneckenhäuser, gibt es mehr obdachlose Einsiedlerkrebse.

  • Wellhornschneckenfischerei im Wattenmeer
    Fänge der Wellhornschneckenfischerei, Ecomare

    Früher war die Fischerei auf Wellhornschnecken eine wichtige Einkommensquelle von mehreren dutzenden Wattfischern. Die Schnecken wurden mit Hilfe einer speziellen Kurre, bestehend aus einem Netz, das über den Boden geschleppt wurde, gefangen. In der ersten Hälfte der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts hatte die Wellhornschneckenfischerei stark zugenommen.
    Austernfischer, die durch das krankheitsbedingte Austernsterben 1921 im Wattenmeer kein Einkommen mehr hatten, stiegen auf die Fischerei von Wellhornschnecken um. 1925 und '26 wurden 500.000 Kilo Wellhornschnecken pro Jahr aus dem westlichen Wattenmeer und der nördlichen Zuiderzee gefischt. Die Schnecken wurden vor allem in Frankreich und England verkauft.
    Nach einigen sehr ertragsreichen Jahren gingen die Fangmengen sehr schnell zurück, da die Wellhornschnecke den hohen Fischereidruck sehr schlecht vertragen kann. Durch den Abschluss der Zuidersee (heute IJsselmeer), 1932, verkleinerte sich der Lebensraum der Wellhornschnecke deutlich, zugleich wurde die Wellhornschneckenfischerei immer intensiver. Im Zweiten Weltkrieg war das Wattenmeer ein verbotenes Gebiet und die Population der Wellhornschnecken erholte sich ein wenig. Als nach dem Krieg wieder gefischt wurde, war es jedoch schnell vorbei mit dieser Art.
    Auch wenn heute nicht mehr auf Wellhornschnecken gefischt wird, hat diese Art noch immer Probleme mit der Fischerei. Die Eikapseln werden leicht durch die Weckerketten der Baumkurren abgerissen. Weil die Eier dann lose im Wasser treiben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich die Larven nicht an einem geeigneten Ort ansiedeln. Auch die erwachsenen Tiere können durch die Weckerketten beschädigt werden. Das Tier muss zwar nicht unbedingt sterben, aber die Reparatur der Schale fordert viel Energie, so dass sich das Fortpflanzungsvermögen der Wellhornschnecke verringert.