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Watvögel, Foto Fitis

Vögel der Gezeitenregion

Überall auf der Welt findet man im Grenzgebiet von Land und Meer viele Vögel. Das ist nicht verwunderlich, denn die Küstenregionen sind sehr reich an Nahrung. Das Wattenmeer ist ein gutes Beispiel. Schätzungsweise 10 Millionen Vögel jährlich nutzen dieses Gebiet. Manche Vogelarten bleiben hier das ganze Jahr, andere komme nur zum Brüten oder Überwintern. Auch Durchzügler besuchen das Wattenmeer.

  • (Watt-)Vogelschutz

    Über den Schutz dieser Vögel wurden internationale Absprachen im Rahmen der Ramsarkonvention getroffen. Diese Absprachen beinhalten, dass wenn mindestens 1% der Weltpopulation einer bestimmten Art in einem Gebiet vorkommt, für dieses Gebiet bestimmte Maßnahmen zum Schutz dieser Vogelart getroffen werden müssen. Im Wattenmeer kommen viele Vögel vor, die auf dieser Liste stehen.
    Das Wattenmeer ist vor allem für Watvögel von großer Wichtigkeit. Brutvögel aus dem Nordpolgebiet ziehen nach der Brutzeit nach Afrika und kehren im Frühjahr zurück. Einige Arten legen zweimal jährlich Abstände von mehr als 5000 Kilometern zurück. Etwa in der Mitte der Zugroute liegt das Wattenmeer. Es ist eines der wenigen Gebiete, in dem die Vögel unterwegs ausreichend Nahrung finden und damit Kraft tanken können für den Rest der Reise. Darum ist der Schutz des Wattenmeeres von weltweiter Bedeutung.
    Aus Studien des NIOZ wird ersichtlich, dass es um viele Arten nicht gut bestellt ist. Vor allem Vögel, die Schalentiere fressen, wie Austernfischer, Eiderente und Knutt, haben es schwer. Dagegen nimmt die Zahl der Vögel, die sich von Würmern ernähren, zu. Die wahrscheinlichste Ursache für diese Veränderungen ist die übermäßige Muschelfischerei in Kombination mit dem natürlichen schlechten Brutfall bei den Muscheln. Es scheint, dass auf den befischten Stellen die Zahl der Würmer zugenommen hat, wovon die wurmfressenden Vögel profitieren.
    Es ist für muschelfressende Vögel manchmal schon möglich, auf andere Arten zu wechseln, aber das wird nicht schnell geschehen. Nach dem Verschwinden der Miesmuschelnbänke begannen Silbermöwen, Eiderenten und Austernfischer langsam damit, die inzwischen stark vertretenen Amerikanischen Schwertmuscheln zu fressen. Inzwischen haben die Austernfischer auch gelernt, die großen Mengen von Pazifischen Austern zu nutzen. Erwachsene Tiere können sie nicht öffnen, die sind viel zu stark. Aber wenn eine Auster, die kleiner als 10 cm ist, eine Zeit lang im Wasser treibt, erschlaffen die Muskeln und der Austernfischer kann diese Schale dann öffnen.
    Es gibt fünf große Gruppen Wattvögel: Watvögel, Gänse, Enten, Möwen und Seeschwalben.

  • Watvögel (Limikolen)

    Die Vögel dieser Gruppe sind am zahlreichsten. Viele Tausende Austernfischer, Rotschenkel, Brachvögel, Pfuhlschnepfe und etliche Arten Regenpfeifer und Strandläufer bevölkern jährlich für eine kurze oder längere Zeit das Wattenmeer und das Deltagebiet. Die meisten fressen bei Niedrigwasser Bodentiere auf den trockengefallenen Watten.

  • Gänse

    Die meisten Gänse wie z.B. die Ringelgans und die Weißwangengans sind hauptsächlich Wintergäste an der Nordseeküste. Sie grasen hier u.a. auf den Salzwiesen. Das Wattenmeer und das Deltagebiet sind für diese Arten die wichtistigsten Überwinterungsgebiete. In der zweiten Märzhälfte ziehen diese Gänse über das deutsche Wattenmeer und der Ostee in ihre Brutgebiete bei Nova Zembla.

  • Enten

    Verschiedene Entenarten wie die Pfeifente, Brandente und Eiderente fühlen sich im Wattenmeer zu Hause. Die meisten fressen tierische Nahrung, vor allem Bodentiere. Die einzigen Vegetarier sind die Pfeifenten, sie fressen Salzwiesenpflanzen und Seegras.

  • Möwen

    Am auffälligsten sind die vielen Silber- und Lachmöwen an der Küste. Möwen sind Allesfresser, sie nutzen auch den Abfall der menschlichen Zivilisation als Zugabe für die natürliche Diät, die aus Krabben, Muscheln, Seesternen und Fisch besteht. Es ist jedoch so, dass ein großer Teil der Diät aus ihrer natürlichen Nahrung bestehen muss, damit sie gesund bleiben.

  • Seeschwalben

    Seeschwalben sind typische Sommergäste in der Nordsee. Im April oder Mai kommen sie zum brüten hierher. Im August oder September ziehen sie wieder in den Süden. Die Flußseeschwalbe und die Küstenseeschwalbe brüten in Kolonien überall an der Nordsee, während die Brandseeschwalbe nur im sandigen Gebieten der südlichen Nordsee zu finden ist.

  • Leben im Küstengebiet

    In der Gezeitenregion sind die Umweltbedingungen für Vögel anders als auf dem Land. Wattvögel nehmen mit jedem Happen Nahrung auch Salz auf. Bei einer Eiderente sind das bis zu 50 Gramm täglich. So viel Salz können die Nieren nicht verarbeiten. Küstenvögel scheiden es auf eine andere Art aus. Oberhalb der Augen haben sie Drüsen, die das überschüssige Salz aus dem Blut entfernen. Wattvögel leben in einem nassen Lebensraum. Um sich warm und trocken zu halten, haben Wattvögel ein wasserabweisendes Federkleid: die Federn schließen perfekt ineinander und sind mit einer wasserabstoßenden Fettschicht, dem Talg, überzogen.

  • Fressen bei Niedrigwasser

    In und auf dem Wattboden kommen Bodentiere in großen Mengen vor: Manchmal mehr als ein Kilo "Fleisch" pro Quadratmeter. Diese Nahrung ist für die meisten Wattvögel nur bei Niedrigwasser erreichbar. Der Tagesrhythmus der meisten Wattvögel wird somit auch nicht von Tag und Nacht bestimmt, sondern von Ebbe und Flut. Wenn die Flut kommt, ziehen sie in großen Schwärmen zu ihren Hochwasserruheplätzen, die trocken bleiben. Nur die Seeschwalben, die tauchenden Entenarten und die Kormorane können auch noch bei Hochwasser nach Nahrung suchen.

  • Konkurrenz

    Das ganze Jahr hindurch halten sich allein im niederländischen Teil des Wattenmeeres durchschnittlich etwa 700.000 Wattvögel auf. Alle diese Vögel müssen fressen. Das kann dazu führen, dass der eine Vogel die Nahrung vor dem Schnabel eines anderen Vogels wegfrisst. Die verschiedenen Wattvogelarten haben jedoch alle ihre besonderen Anpassungen an die arteigene Nahrungssuche, weshalb sie nur selten direkt miteinander konkurrieren.

  • Mensch und Wattvögel

    Die Vögel der Küstenregion haben viel mit Menschen zu tun. Wattvögel sind beliebt bei Menschen und die eindrucksvollen Vogelschwärme werden sehr geschätzt. Möwen und Gänse werden manchmal bekämpft, da sie Schaden an landwirtschaftlichen Flächen und der Natur anrichten. Die Verschmutzungen ihres Lebensraumes durch Öl und Giftstoffe, Einpolderungen, Fischereiaktivitäten, Rohstoffförderung und immer mehr Erholungsaktivitäten bringen die Wattvögel in Schwierigkeiten.

  • Muschelfischerei

    Viele Wattvogelarten sind von Muscheln als Nahrung abhängig. Aber auch der Mensch fischt ansehnliche Mengen an Muscheln auf. In den Niederlanden ist die Muschelfischerei ein jahrhundertealtes Gewerbe. Die Fischer holen die jungen Miesmuscheln von den natürlichen Muschelbänken und lassen sie in bestimmten Parzellen weiter wachsen. So werden in der Oosterschelde und im Wattenmeer Miesmuscheln gezüchtet. Bis 2005 wurde im Wattenmeer auch auf Herzmuscheln gefischt, diese wurde jedoch Verboten, da der Schaden an der Natur zu groß war.

  • Wattvögel: Veränderungen seit 1975

    Im internationalen Wattenmeer halten sich jährlich rund 10 bis 12 Millionen Wasservögel auf. Viele Wattvögel suchen ihre Nahrung auf Wattplaten, die bei Niedrigwasser trocken fallen. Seit 1975 werden die Tiere vieler Vogelarten wissenschaftlich gezählt. Hierbei fällt auf, dass ab 1990/91 vor allem die muschelfressenden Vögel, wie Eiderente, Knutt und Austernfischer sowie die Silbermöwen in ihrer Anzahl abnehmen, während dagegen die wurmfressenden Vögel, wie Sandregenpfeifer, Kiebitzregenpfeifer, Sanderling und Pfuhlschnepfe, zunehmen.
    Der Rückgang der Austernfischer hängt mit dem Verschwinden der wilden Miesmuschelbänke Anfang der 1990er zusammen. Die Miesmuschelbänken verschwanden als Folge von Überfischung, zu geringem Brutfall und möglicherweise auch durch Stürme. Dadurch mussten die Austernfischer auf das Fressen von Herzmuscheln übergehen, die ebenfalls von den Herzmuschelfischern gefischt wurden. Auch die Eiderente und die Silbermöwe leiden vermutlich unter Nahrungsmangel. Warum die wurmfressenden Vögel dagegen zunehmen, ist noch nicht deutlich. Möglicherweise gibt es, nachdem die Muscheln weg sind, mehr Platz für Würmer im Watt. Eine andere Vermutung ist, dass die Zusammensetzung des Sedimentes nach dem Fischen für Würmer günstiger geworden ist.